Rudolf Diesel gilt als Vater des nach ihm benannten Motors. Dabei verlor der Erfinder früh das Interesse an seiner stationären Kraftmaschine. Den vielleicht wichtigsten Beitrag dazu, dass der Diesel-Motor mobil wurde, lieferte Prosper L’Orange. Denn der Ingenieur entwickelte nicht nur das Vorkammerprinzip, sondern erfand auch die Nadel-Einspritzdüse und die regelbare Einspritzpumpe.

Prosper L’Orange (1876 bis 1939)
Der Wegbereiter des Diesels: Prosper L’Orange (1876 bis 1939) – Foto: Mercedes-Benz

Geboren am 1. Februar 1876 in Beirut als Sohn eines Deutschen Mediziners, studierte Prosper L’Orange von 1896 bis 1900 an der Technischen Hochschule Charlottenburg, der heutigen TU Berlin. Nach dem Abschluss als Maschinenbau-Ingenieur arbeitete L’Orange als Assistent an der Hochschule, forschte – wie zuvor Rudolf Diesel – in dieser Zeit an Kältemaschinen. Nach einer Zwischenstation beim Motorenbauer Deutz in Köln heuerte L’Orange im Oktober 1908 bei Benz & Cie. in Mannheim an.

Erfindung des Vorkammerprinzips

Ein halbes Jahr später meldet L’Orange beim Reichspatentamt im Berlin das Vorkammerprinzip als Erfindung an. Und schafft damit die Grundlage für die Dieselmotoren, die wir heute kennen. Die zwischen Einspritzdüse und dem zylindrischen Verbrennungsraum angeordnete halbkugelförmige Kammer ermöglicht eine schnellere Verbrennung. Durch die Vorverdichtung in der Vorkammer erhöht sich die Temperatur des Kraftstoff-Luft-Gemischs. Damit sind beim Vorkammer-Diesel deutlich höhere Umdrehungszahlen und somit Leistungen möglich als den zuvor bekannten Selbstzündern.

Auf die Vorkammer folgt die Nadel-Einspritzdüse

Zehn Jahre später entwickelt Prosper L’Orange die Kammer zu einem Trichter weiter und erfindet die Nadel-Einspritzdüse. 1921 folgt die regelbare Einspritzdüse. Damit ist der Diesel reif für den mobilen Einsatz. Benz & Cie. stellt einen Ackerschlepper mit Dieselmotor vor, der so erst durch die Erfindungen von Prosper L’Orange möglich wurde.

Querschnitt durch den Versuchsmotor, den Prosper L´Orange 1909 bei Benz baute.
Querschnitt durch den Versuchsmotor, den Prosper L´Orange 1909 bei Benz baute. (Foto: Mercedes-Benz)

Im gleichen Jahr verlässt Prosper L’Orange Benz & Cie. und wird Vorstandsmitglied der Motorenwerke Mannheim. Vier Jahre baut Prosper L’Orange als technischer Leiter den Motorenhersteller mit auf, dann macht sich der Ingenieur in Stuttgart selbstständig. Doch sein Ingenieurbüro verhebt sich an der Übernahme eines Konkurrenzen und muss 1932 Insolvenz anmelden.

Seine Söhne gründen nur ein Jahr später eine neue Firma, in deren Dienste auch der Vater tritt. Prosper L’Orange, der am 30. Juli 1939 in Stuttgart stirbt, bleibt dem Unternehmen seiner Söhne bis zu seinem Tod eng verbunden. Das von Anfang an konsequent auf Dieseltechnik ausgerichtete Unternehmen zählt bis heute zu den weltweit führenden Herstellern von Einspritzsystemen für Dieselmotoren. Und Prosper L’Orange mit seinen Erfindungen als der wahre Vater des automobilen Dieselmotors.


AutoNatives.de ist auch bei Facebook. Wir freuen uns über ein Like.


Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Wichtiges Patent im Jahr 1919: die Trichter-Vorkammer von Prosper L’Orange

Mit der Trichter-Vorkammer entwickelte Proper L’Orange 1919 die Idee der Vorkammer weiter.

Ähnliche Arikel:

Author

Write A Comment