Die Rallye Monte Carlo gilt als die Königin des Rallye-Sports. Vor wenigen Tagen wurde ihre 79. Ausgabe durchgeführt. Und auch wenn der vitale Oldtimer inzwischen freiwillig nicht mehr zur ersten Garde gehört, hat sie in den vergangenen 100 Jahren den Rallye-Sport wie keine Zweite geprägt. Dabei waren die Motive, sie ins Leben zu rufen, ganz andere.

Monaco war bereits am Anfang des vergangenen Jahrhunderts ein recht glamouröser Ort. Das milde Klima und das 1863 eröffnete Kasino zogen Wohlhabende aus ganz Europa an. Mit ihnen gehörte das Luxusgut Auto, das vor 100 Jahren ein beliebtes Spielzeug der Reichen und Schönen war, eher als anderswo zum Straßenbild des kleinen Fürstentums. Monacos Rivale Nizza sicherte sich sehr bewusst mit der Veranstaltung der Fernfahrt Paris-Nizza erfolgreich die Aufmerksamkeit der zahlungskräftigen Klientel Autobesitzer.

Im Kampf zum zahlungskräftige Besucher entwickelte man in Monaco die Idee, mit einem „Concours d’Elegance d’Automobiles“ ebenfalls automobile Touristen anzulocken. Und da man im Monaco des Jahres 1911 Schwierigkeiten hatte, im Winter die Hotelbetten zu füllen, legte man den Termin für die erste Ausgabe in den Januar. Zur Maximierung der Aufmerksamkeit verband man den Wettbewerb zusätzlich mit einer europäischen Sternfahrt.

Statt „nur“ von Paris ging man nach Monaco aus 11 Städten auf die Reise.

Zu den Startorten zählten Genf, Boulogne-sur-Mer, Berlin, Wien und Brüssel. Nebenbei fungierten die Teilnehmer als rollende Werbeträger. Denn zu den Bedingungen des Wettbewerbs gehörte, dass die Teilnehmer an ihrem Wagen deutlich sichtbar ein Schild mit dem Schriftzug „Monaco Rallye“ zu befestigen hatten. Eine Idee, die heute als Geburtsstunde der Startnummernschilder gilt.

Hinter der Idee der Rallye stand der Zigarettenfabrikant Alexandre Noghes. Der enge Freund von Fürst Albert I. übernahm 1909 das Amt des Präsidenten des örtlichen Fahrrad- und Auto-Clubs, dem 1890 gegründeten „Sport Automobile Velocipedique Monegasque“. Für die Durchführung der Rallye entwickelte Noghes ein komplizierte Regelwerk. Punkte gab es neben eher sportlichen Kriterien wie der Durchschnittsgeschwindigkeit und der zurückgelegten Strecke auch für den Passagierkomfort, die Eleganz des Wagens sowie den Zustand des Wagens bei der Ankunft in Monaco.

Die subjektiven Wertungen flossen allerdings unverhältnismäßig stark in die Wertung ein. So gab es für die Durchschnittsgeschwindigkeit maximal 25 Punkte, während das Komitee des „Sport Automobile Velocipedique Monegasque“ insgesamt bis zu 40 Punkte vergeben konnte.

Wertungspunkte der Rallye Monte Carlo 1911

  • Bewertung der Durchschnittsgeschwindigkeit:
    1 Punkt pro km/h – maximal 25 Punkte.
  • 1 Punkt für 100 gefahrene Kilometer
  • 2 Punkte für jeden Passagier mit Ausnahme
    des Fahrers
  • 0 bis 10 Punkte für die Bewertung
    des Passagierkomforts
  • 0 bis 10 Punkte für die Eleganz des Wagens
  • 0 bis 10 Punkte für die Zustand des
    Wagens bei der Ankunft in Monaco
  • 0 bis 10 Punkte für die Sauberkeit
    des Wagens bei der Ankunft in Monaco

Der Skandal im Ziel

Am 21. Januar 1911 nahmen schließlich 20 Fahrzeuge die Reise auf – ursprünglich waren sogar 23 Fahrzeuge zur Teilnahme angemeldet worden. Es trat die „Crème de la Crème“ der Auto-Szene des Jahr 1911 an und erreichte bemerkenswert zuverlässig das Ziel. Gerade einmal zwei Teilnehmer kamen nicht in Monaco an. Nach einer umfassenden Beratung erklärte das Komitee des „Sport Automobile Velocipedique Monegasque“ den Franzosen Henri Rougier zum Sieger, der mit seinem Turcat-Mery von Paris aus auf die Reise gegangen war.

Die Entscheidung des Komitees sorgte für viel Unverständnis. Insbesondere der deutsche Hauptmann von Esmach, der Monaco mit der höchsten Durchschnittsgeschwindigkeit von 22,655 km/h erreicht hatte, protestierte lautstark gegen das offizielle Ergebnis. Doch alle Proteste halfen nicht, denn das Komitee des „Sport Automobile Velocipedique Monegasque“ lies sich nicht umstimmen.

Trotz dieser Unstimmigkeiten hatte der Motorsport eine glamouröse Premiere erlebt. Dies sprach sich schnell herum. Und so stellten sich ein Jahr später schon 65 Teilnehmer der Herausforderung der Rallye Monte Carlo. Wieder siegte mit Jules Beutler (Berliet) ein Franzose. Wieder gab es Diskussionen um das Regelwerk. Auch aus Angst vor dem guten Ruf verzichtete man in Monaco ab 1913 zunächst auf eine weitere Ausschreibung der Rallye.

Erst 1924 rief man wieder zur Rallye Monte Carlo. Damit setzte man eine kontinuierliche Entwicklung in Gang. Bis heute eröffnet die Rallye Monte Carlo das Motorsport-Sportjahr. Doch davon mehr im zweiten Teil „Von der Zuverlässigkeitsfahrt zur modernen Rallye“ unser Serie zur „Rallye Monte Carlo“.

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