Zum Glück wies die heutige Daimler AG nachträglich mit einer kurzen Pressemitteilung auf diesen Meilenstein ihrer eigenen Geschichte hin. Denn im Moment gehen Auto-Themen gerne unter. Dabei ist die Geschichte, warum der Name eines damals elfjährigen Mädchens am Beginn des 20. Jahrhunderts plötzlich Autos zierte, spannend.

Der Vater des Mädchens war Emil Jellinek, ein in Nizza lebender Geschäftsmann. Durch Handels- und Finanzgeschäfte erwarb der in Österreich aufgewachsene Jellinek ein stattliches Vermögen. Jellinek erlag früh der Faszination des Automobils. Seit 1898 vertrieb der Geschäftsmann auch Fahrzeuge der Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG). Um für die Fahrzeuge zu werben, setzte der umtriebige Händler die von ihm vertriebenen Fahrzeuge regelmäßig bei Rennveranstaltungen ein.

Jellinek wusste, den Motorsport zu nutzen, um für die von ihm vertriebenen Fahrzeuge zu werben. „Win on sunday, sell on monday“ hieß das später. Mit seinem eigenen Rennstall brachte der Kaufmann bereits 1899 bei der Rennwoche von Nizza Autos der DMG an den Start. Bei der Nennung gab Jellinek als Fahrer das Pseudonym „Mercedes“ an. Offiziell drehte Jellinek in diesem Fahrzeug selbst am Lenkrad. Zumindest, wenn Publikum in der Nähe war! Ansonsten saßen wohl meist Daimler-Mitarbeiter wie Wilhelm Bauer oder Hermann Braun am Lenkrad.

Das erste Auto, das den Namen Mercedes trug, war der Mercedes 35 PS. Der sportliche Tourenwagen gilt heute als Urtyp des modernen Automobils. Der 39PS entwickelte sich mit seiner damals fortschrittlichen Fahrzeugarchitektur zum Vorbild der gesamten Automobilindustrie. (Foto: Daimler AG)

Die Erfahrungen aus dem Motorsport gab Jellinek an Chef-Konstrukteur Wilhelm Maybach weiter. Maybach nutzt diese Hinweise bei der Konzeption eines neuen Fahrzeugs, das den Händler Jellinek schon im Planungsstadium begeistert. Am 2. April 1900 wählten die Eigner des Unternehmens Emil Jellinek zudem in den Aufsichtsrat der Daimler-Motoren-Gesellschaft. Gleichzeitig bestellte Jellinek auf einen Schlag 36 Fahrzeuge.

Der Auftrag hatte einen Wert von 550.000 Goldmark!

An diese Bestellung knüpfte der Kaufmann jedoch Bedingungen. Jellinek will die Autos in Österreich-Ungarn, Frankreich, Belgien und den USA als Alleinvertreter anbieten. Zudem will er die Fahrzeuge dort als „Daimler-Mercedes“ verkaufen. Die Daimler-Motoren-Gesellschaft stimmte diesen Bedingungen zu. Weshalb fort an ein Großteil der Produktion den geschwungenen Mercedes-Schriftzug im Kühler trugen.

Am 22. Dezember 1900 liefert die DMG das erste der neuen Fahrzeuge, einen 35-PS-Rennwagen nach Nizza. Jellinek setzt diesen Wagen im März 1901 bei der Rennwoche von Nizza („Semaine de Nice“) ein und fährt sofort überlegen zum Sieg. Paul Meyan, Gründungsmitglied und Generalsekretär des Automobile Club de France (A.C.F.) kommentiert den Erfolg mit der Feststellung: „Wir sind in die Ära Mercédès eingetreten.“

Offenbar fanden die Verantwortlichen bald gefallen am neuen Namen ihrer Fahrzeuge. Bereits im Sommer 1902 ließ sich das Unternehmen den Markennamen „Mercedes“ offiziell schützen. Womit der Name der Tochter von Emil Jellinek endgültig unsterblich wurde.

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