Das Warten hat ein Ende! Am kommenden Sonntag startet die Formel 1 mit dem Großen Preis von Österreich endlich in ihre Saison. Länger musste die Königsklasse in ihre Geschichte zuletzt in den 1950er-Jahren auf den Start der nächsten Saison warten.

Länge der Winterpause der Formel 1 von 1951 bis 2020
Wie entwickelte sich eigentlich die Länge der Winterpause der Formel 1?

Wenn am kommenden Sonntag die Startampel in Österreich auf Grün springt, liegt der Zieleinlauf in Abu Dhabi immerhin 217 Tage zurück. Selbst der vergebliche Versuch, im Frühjahr den Großen Preis von Australien zu starten, liegt schon 112 Tage zurück. Vor der Saison 2019 entsprach allein diese Zeitspanne genau der Winterpause zwischen Jahren. Kein Wunder, dass sich die 217 Tage für Fans fast wie ein „Jahrzehnt“ anfühlen.

Zumal die Teams erst in den letzten Wochen private Testfahrten absolvierten. Als Folge der Corona-Pandemie drehten sich lange nirgendwo die Räder. Zeitweilig war es den Teams sogar verboten, ihre Fabriken zu öffnen. Der Lockdown legte auch die Königsklasse lahm. Was inzwischen zur Sorge führt, dass die Pause das eine oder andere Team in seiner Existenz gefährdet. Denn private Teams wie Williams oder Racing Point leben vom Motorsport.

Ohne Rennen fließt kein Geld!

Bei McLaren brachen dazu die Verkäufe der Straßensportwagen dramatisch ein. Deshalb sind auch die Mittel beim Team aus Woking knapp. Zumal sich die Formel 1 über die Jahre an einen anderen Zyklus gewöhnte. Eine Saison endete in den letzten Jahren meist im November. Die nächste Saison startete im März des folgenden Jahres. Dazwischen lagen offizielle Testfahrten und Pressetermine. All das stellte auch im Winter kontinuierlich Einnahmen sicher, weil die Sponsoren auch bei diesen Aktivitäten einen gewissen Gegenwert bekamen.

Gleichzeitig sorgte der über die Jahre wachsende Kalender für eure immer kürzere Winterpause. In den 2010er-Jahren lagen zwischen der finalen Zielflagge des Vorjahrs und der ersten Startampel der neuen Saison durchschnittlich 115 Tage. Eine Dekade davor lag der Durchschnittswert noch bei 143 Tagen. In den ersten zehn Jahren der Formel-1-Weltmeisterschaft vergingen zwischen Saisonende und -anfang im Schnitt sogar 162 Tage. Dazwischen wird – mit Ausnahme der Sommerpause – kontinuierlich gefahren.

Zeitweilig gab es zwei Winterpausen!

Nur der Vergleich des Durchschnitts der Zeitspanne zwischen den Jahren springt jedoch etwas zu kurz. Nach der ersten Saison 1950 vergingen 266 Tage bis zum Start der zweiten Saison. Nach dem Zieleinlauf am 3. September 1950 in Monza folgte das nächste Rennen erst am 27. Mai 1951 in der Schweiz. Ein Jahr später pausierte die Formel 1 „nur“ noch 203 Tage. Doch auch damals galt, erfolgreiche Fahrer aus einem Land ohne Grand Prix führt bald zu einem Rennen in seiner Heimat.

Peter Collins, Juan Manuel Fangio und Mike Hawthorn auf dem Podium beim Großen Preis von Deutschland 1957 am Nürburgring
Juan Manuel Fangio (Zweiter von Links) hob Argentinien auf die Landkarte der Formel-1-Weltmeisterschaft (Foto: Foto: Willy Pragher, 4 August 1957 – Creative Commons Attribution 3.0 Unported – Landesarchiv Baden-Württemberg)

1951 gewann Juan Manuel Fangio seinen ersten WM-Titel. Das führte zu einem Grand Prix von Argentinien. Womit die Formel 1 in der Heimat Fangios erstmals außerhalb Europas rannte. Das damals ebenfalls zur Weltmeisterschaft zählende Indy 500 ignorieren wir an dieser Stelle einmal großzügig. Denn dort rannten trotz des WM-Status andere Fahrzeuge. Am 18. Januar 1953 traten die echten Boliden der Formel 1 in Argentinien. Das reduzierte die Winterpause 1952/53 formal auf nur noch 133 Tage.

Worauf allerdings eine erneute Pause von 170 Tagen erfolgte, bis die Saison 1953 in Zandvoort eine Fortsetzung fand. Auch hier ignorieren wir das Indy 500 großzügig. Denn dort trat in diesen Jahren praktisch kein Pilot aus der Formel 1 an. Das Rennen zählt nur zur Weltmeisterschaft, um das WM-Prädikat zu rechtfertigen. Mit dem Ausflug nach Südamerika verlängerte sich übrigens auch die Saison. Im Debütjahr fanden die sieben Rennen noch innerhalb eines Zeitraums von 113 Tagen statt. Durch den Start in Argentinien verlängerte sich die Saison auf 238 Tage.

Das Muster festigte sich!

Nur ein Jahr später dehnte die Automobil-Weltmeisterschaft ihre Saison sogar auf 280 Tage aus. Denn erstmals folgte nach dem traditionellen Saison-Abschluss im September in Monza ein weiterer Lauf. Monza galt schon in den Tagen der Grand-Prix-Europameisterschaft vor dem Zweiten Weltkrieg als der Ort fürs große Finale. Ende Oktober 1954 trat die Formel 1 zusätzlich auf dem Circuit de Pedralbes in Barcelona zum Großen Preis von Spanien an. Es blieb übrigens bis heute das einzige europäische Formel-1-Rennen mit WM-Status, das nach Monza stattfand.

Bis heute bildet Monza den Abschluss der europäischen Saison. Möglicherweise ändert sich das in diesem Jahr. Zurzeit gibt es Gerüchte, die Formel-1-Saison 2020 nach dem bereits feststehenden Lauf in Monza in Mugello und Läufen in Spanien fortzusetzen. Bevor dann in Abu Dhabi der Saison-Abschluss steigt. Die erste außereuropäische Fortsetzung der Saison gab es 1958, als die Königsklasse den Große Preis von Marokko in Ain Diab austrug. Damit etablierte sich die Formel 1 endgültig als weltweite Rennserie.

Und es etablierte sich langsam der Kalender, den wir eigentlich bis heute kennen. Am 12. Dezember 1959 fand in Sebring der erste Große Preis der USA statt. Nur 57 Tage später startete in Argentinien der Grand-Prix-Tross schon in seine nächste Saison. Das sorgte im Winter 1959/1960 für die bisher kürzeste Winterpause der Formel-1-Geschichte. Nebenbei machte der Grand Prix der USA das Indy 500 im WM-Kalender entbehrlich. Ab 1961 zählte das Rennen im Nudeltopf nicht mehr zur Automobil-Weltmeisterschaft.

Der frühste Saisonstart? Das späteste Finale?

Nach dem Rücktritt des Lokalhelden Fangio verschwand der Grand Prix von Argentinien Anfang der 1960er-Jahre wieder aus dem Kalender. Ohne geeigneten Nachfolger verlor das Publikum in Argentinien das Interesse. Erst als Carlos Reutemann Formel-1-Pilot wurde, kehrte das Rennen wieder in den WM-Kalender zurück. Ohne Ausflug nach Südamerika startete die Formel 1 einige Jahre wieder im Mai in ihre Saison. Bis schließlich 1965 Südafrika erstmals einen Grand Prix abhalten durfte. Die Verantwortlichen der Königsklasse ignorierten damals den Rest der Sportwelt.

Dauer der Formel-1-Saison im Vergleich von 1950 bis 2020
Mit der Kürze der Winterpause stieg die Länge der Saison. Die längste Saison gab es 1968, sie dauert 307 Tage!

Fußballer oder Leichtathleten mieden den Kontakt mit Südafrika, um gegen die Apartheid zu protestieren. Die Formel 1 fuhr im Süden Afrikas fortan über Jahrzehnte ihre Rennen. Erstmals trat die Automobil-Weltmeisterschaft am 1. Januar 1965 in East London an – was der Formel 1 zum frühesten Saisonstart aller Zeiten verhalf. Die Qualifikation für das an einem Freitag ausgetragene Rennen fand noch im Vorjahr statt. Und die Pause mit zum F1-Rennen im Mai in Monaco nutzen viele Piloten für einen Ausflug in die Tasman Serie.

Wenn die Formel 1 nicht fährt, dann fahren wir woanders!

Die Serie aus Neuseeland und Australien lockte mit ordentlichen Antrittsgagen. Ein System, das auch 1967 (GP von Südafrika am 2. Januar) und 1968 (1. Januar) funktionierte. Da das Saisonfinale 1968 erst am 3. November in Mexico stattfand, wurde diese Saison mit 307 Tagen zur bisher längsten Formel-1-Saison aller Zeiten. Interessant ist, dass die Formel 1 anschließend bis zum 1. März wartete, um – wieder in Südafrika – in die Saison 1969 zu starten. Dieser späte Start ins Rennjahr blieb jedoch noch mehr als ein Jahrzehnt die Ausnahme.

Denn von 1972 bis 1982 startete die Saison der Weltmeisterschaft wieder regelmäßig im Januar. Wobei auch Argentinien in den WM-Kalender zurückkehrte. Das Rennen in Buenos Aires durfte in den folgenden Jahren regelmäßig den Saisonauftakt zelebrieren. Nur 1976 (Brasilien), 1981 (USA West in Long Beach) und 1982 (Südafrika) startete in dieser Ära die Saison nicht in Argentinien. Inzwischen übernahm mit Bernie Ecclestone der Vater der normalen Formel 1 die Macht. Ecclestone, dessen Macht sich am Anfang auf die Teamvereinigung FOCA stützte, verschob den Saisonstart in den März.

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