Ich habe ja schon an verschiedenen Stellen geschrieben, dass ich in diesem Jahr nicht zum 24-Stunden-Rennen am Nürburgring fahre. Am Ring läuft meiner Meinung zu viel nicht so, wie es sein sollte. Mit schwachsinnigen Bauten haben Politiker den Ring ruiniert. Als Folge wurde das Infrastrukturprojekt von Otto Creutz nach fast 90 Jahren privatisiert. Schon das ist schwer zu akzeptieren. Meiner Meinung nach hätte sich die Politik ernsthaft um eine Stiftungslösung bemühen sollen. Doch dafür fand sich (bisher) keine Mehrheit.

Stattdessen gab es eine Ausschreibung, die in vielen Punkten genauso zweifelhaft wie das beck°werk war. Prompt fehlten den neuen Eigentümern bald die Mittel, um die Raten für den Ring zu bezahlen. Meiner Meinung nach ist das Platzen der Finanzierung kein gutes Zeugnis für einen Insolvenzverwalter. Denn seine Aufgabe ist, die Fortführung eines Unternehmens zu sichern. Gibt es er das Unternehmen in die Hände von jemanden, der das Unternehmen gar nicht bezahlen kann, wirkt das zumindest fahrlässig. Genauso seltsam wirkt das schnelle Einspringen eines Oligarchen aus Russland, der in den Vertrag einstieg und damit an allen Interessenten, die sich in der Ausschreibung ebenfalls um den Erwerb des Rings bemüht hatten, einfach vorbeifuhr.

Im Schatten der Eigentumsdiskussion regiert am Ring die große Kohle. Mit Breitensport hat das – zumindest beim 24-Stunden-Rennen – alles nur noch wenig zu tun. Der Ring ist eine Marketingbühne für die Industrie. Oft habe ich den Eindruck, dass die Fans an der Strecke längst nur noch schmückendes Beiwerk sind. Manchmal wird das sogar von Dritten formuliert. Mit dem Marketing kam auf der Strecke das Wettrüsten. Dadurch sind die Fahrzeuge am Ring wieder einmal schneller, als es die natürlichen Grenzen der Strecke zulassen. Kritiker haben davor schon lange gewarnt. Offensichtlich haben die Verantwortlichen stattdessen lieber die Marketingmaschine geschmiert. Zu lukrativ ist das Geschäft mit Logen, VIP-Programmen, den Flächen im Fahrerlager und allem, was sich sonst noch in klingende Münze umwandeln lässt.

Das brauche ich alles nicht!

Nach dem schrecklichen Unfall im April, bei dem ein Zuschauer ums Leben kam, war guter Rat teuer. Ein Bann der zu schnellen Fahrzeuge stand (vermutlich) im Widerspruch zu den kommerziellen Interessen. Also entstand die Idee mit dem Tempolimit auf der Nordschleife. Ich halte das für einen faulen Kompromiss, der primär das Geldverdienen abseits der Strecke sichert. Denn das Tempolimit sorgt auf der Strecke für neue Probleme. Bisher stellten die Teams bei den Spitzenfahrzeugen die Flügel flach, um auf den langen Geraden Spitzengeschwindigkeiten fahren zu können.

Seit Einführung des Tempolimits können die Teams die Flügel steiler stellen. Damit steigen die Kurvengeschwindigkeiten – weit über das bisherige Niveau hinaus. Kurven wie die „Mutkurve“ im Klostertal werden damit zu einer harten Belastungsprobe für die Reifen. Gleichzeitig fehlen Überholmöglichkeiten. Hoffentlich geht das gut! Denn der Unfall von Jann Mardenborough war nicht der einzige auf der Nordschleife in diesem Jahr. Quasi im medialen Schatten verunglückte auch Niclas Kentenich schwer. Dabei drang die Leitplanke ins Auto. Ich bin ganz bei Mike Frison, der typische GT3 Nordschleifenunfall ist ein anderer.

Alles zusammen eine Menge Gründe, warum ich nicht zum Standard-Programm zurückkehre und ICH nicht weiter Teil dieser Marketingmaschine sein werde. Deshalb werde ich in diesem Jahr auf den Besuch beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring verzichten. Obwohl mit der WTCC im Rahmenprogramm ein echter Knaller in der Eifel rennt. Und auch der Ausflug von Daniel Juncadella und Peter Mücke, die mit einem Mercedes-Benz 190 E 2.5 Evolution II am ADAC 24h-Classic teilnehmen, ist reizvoll. Mit dem ehemaligen DTM-Rennwagen kehrt ein echter Klassiker immerhin für drei Stunden auf die Nordschleife zurück.

Mensch waren das noch Zeiten!

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