Das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring liegt bereits eine Woche zurück. Ein guter Anlass, um nochmal auf das Rennen und das Drumherum zurückzublicken. Zumindest im Text, denn bei den Bildern greife ich diesmal auf das Archiv zurück.

Zugegeben, ich meide schon seit ein paar Jahren die Eifel bei diesem Event. Aber zum Glück gibt es eine umfangreiche TV-Übertragung und einige Kontakte im Adressbuch, die dort noch fahren. Das ermöglicht, sich auch aus der Ferne ein Bild zu machen. Vor Ort stehen mir inzwischen zu sehr der Kommerz und das Marketing zu sehr im Vordergrund. Dem Breitensport entrückte das Rennen inzwischen sehr weit. Dies ist nicht grundsätzlich falsch. Aber es ist einfach nicht mehr meine Welt! Für mich verkaufte das Rennen schon seine Seele, als die Verantwortlichen die kleinen Klassen verbannten.

Das war ein Einschnitt, der alles veränderte!

Denn mit der Verbannung der Kleinen, mit den Ford Fiesta, den VW Polo oder den Rover Mini verschwanden die Freizeitprojekte. Mit ihnen verschwand das Herzblut. Natürlich warben die Veranstalter damals um Verständnis. Um die Fans zu besänftigen, wiesen Sie auf die großen Unterschiede der Geschwindigkeiten der Kleinen zu den GT3 und Cup-Fahrzeugen hin. Übersetzt hieß das: Die sind zu langsam und stehen hier nur im Weg rum!

Früher rannte beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring, was fahren kann - so wie dieser Mini aus der Schweiz
Früher rannte beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring, was fahren kann – so wie dieser Mini aus der Schweiz

In offiziellen Verlautbarungen fehlten diese klaren Worte natürlich. Damit lies sich geschickt kaschieren, dass sich das Rennen gerade an die Werke verkaufte. Für mich ging damit ein Teil des Reizes verloren. Denn mich faszinierte immer, mit welchem Herzblut Freizeitpiloten und Renngemeinschaften ihre Fahrzeuge an den Start brachten. Das war der Breitensport, der das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring einst groß machte.

Denn das Rennen entstand ursprünglich, um das Angebot für Breitensportler nach oben zu erweitern. Die Werke und professionellen Tuner waren geduldet, um an der Spitze um den Gesamtsieg zu fahren. Doch die Masse der Teams waren immer Freizeit-Sportler. Das Publikum kam trotzdem. Irgendwann verzichteten die Werke sogar einige Jahre auf Auftritte in der Eifel. Da gingen dann auch schon mal Rennwagen im Taxi-Outfit oder VW Transporter an den Start und retteten damit das Rennen.

Inzwischen sind das alles nur noch Erinnerungen!

Ich habe mir gerade nochmal die Liste der Starter bei der jüngsten Ausgabe des 24-Stunden-Rennens angesehen. Die große Mehrzahl der Autos nur noch 155 Autos, die ins Rennen gingen, bringen inzwischen Firmen an den Start. Teamnamen wie „RACING & EVENTS“ oder die Nennung von bis zu neun Autos unter einer Bewerberlizenz zeigen was Sache ist. Der Einsatz von Rennwagen hat sich offensichtlich als Geschäftsmodell etabliert.

Diese Entwicklung ist nicht per se verurteilen. Der Markt schafft, was der Markt verlangt, sagen Neoliberale an so einer Stelle. Doch zum Markt gehört auch die Gewinnmaximierung. Auch das ist grundsätzlich ok, zumindest solange es sich dabei um klassische Wirtschaftsunternehmen handelt. Was beispielsweise beim Streckenbetreiber und den beteiligten Medien der Fall ist. Anders verhält es sich beim DMSB, der für aktive Motorsportler schon seit Jahren eine Enttäuschung ist.

Denn der Ideenreichtum dieser Selbstverwaltung des Sports ist traditionell groß und meist gebührenpflichtig. Wer ein Auto an den Start bringt und nicht selbst fährt, der benötigt eine sogenannte Bewerberlizenz. Wer ein Team nur als Namensgeber unterstützen will, der benötigt eine Sponsorlizenz. Der DMSB unterscheidet bei seinen Lizenzen für Bewerber zwischen Firmen- und Club-Lizenzen – mit unterschiedlichen Preisen!

Als die Werke beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring fehlten, fuhr was fahren kann: wie dieser Golf Variant
Als die Werke beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring fehlten, fuhr was fahren kann: wie dieser Golf Variant

Die Firmenlizenzen, die vom DMSB fangen mit dem Kürzel „BIF“ an, kosten 2.490 Euro. Wobei Firmen sicher eher der Nettopreis in Höhe von 2092,44 Euro interessiert. Sie verrechnen schließlich die im Preis enthaltene Mehrwertsteuer in Höhe von 397,56 Euro. Die Clubs (Kürzel „BIC“) zahlen 349 Euro. Wovon der DMSB 55,72 Euro als Umsatzsteuer abführt. Jede Firmenlizenz spült dem DMSB damit also fast 1.800 Euro zusätzlich in die Kassen.

Insofern profitiert der DMSB finanziell vom Trend zu den Firmen als Bewerbern. Jede Firmenlizenz ist mehr als sechs Club-Lizenzen wert – ohne erkennbaren Mehrwert! Jeder nimmt, was er kriegen kann! Kein Wunder, dass viele, die das Rennen groß machten, sich inzwischen oft mit Grausen abwenden. Dabei ist diese Rechnung am Ende nur eines von vielen Beispielen dafür, warum Motorsport für Aktive immer teurer wird.

In den Rennwagen sitzt, wer sich das noch leisten kann – oder damit Geld verdient!

Sicher, das Vorderfeld bot teilweise guten Sport. Es gab tolle Duelle, die leider in der einen Situation ins Irreguläre umschlugen. Nur die Klasse von Rene Rast verhinderte, dass Gabriele Piana den Deutschen auf der Döttinger Höhe nicht umbrachte. Unverständlich, dass sich der Mercedes-Pilot mit dem Entrichten einer Geldstrafe in Höhe von 5.000 Euro reinwaschen darf. Auf diesen Mordversuch wäre in meinen Augen ein Lizenzentzug die richtige Antwort!

Daneben glänzte das Feld an der Spitze mit einer beeindruckenden Dichte. Nach sechs Stunden waren noch 20 Autos in der Führungsrunde. Doch danach zog sich das Feld auseinander. Auf Platz 40 beträgt der Rückstand zu diesem Zeitpunkt bereits fast vier Runden. Sechs Stunden später konnte sich im offiziellen Ergebnis der führende Porsche zwar um eine Runde absetzen. Aber dahinter sind noch elf Autos mit dem zu diesem Zeitpunkt Zweiten in der gleichen Runde.

Die Begegnungen zwischen den schnellen Autos wie der Zakspeed Viper und den Hobby-Piloten machte den Sport nahbar. Mir fehlt dieses Element bei 24-Stunden-Rennen am Nürburgring heute!
Die Begegnungen zwischen den schnellen Autos wie der Zakspeed Viper und den Hobby-Piloten machte den Sport nahbar. Mir fehlt dieses Element heute!

Dafür liegt der 20. jetzt schon vier Runden hinter dem Führenden. Nur zwei Plätze weiter fehlen bereit fünf Runden. Auf Platz 25 sind es sogar sechs Runden. Den zu diesem Zeitpunkt 30. fehlen bereits sieben Runden auf die Spitze. Der Blick auf die Abstände verdeutlicht, an der Spitze gibt es eine bemerkenswerte Verdichtung. Hier greifen fast ausschließlich Profis ins Lenkrad. Damit enteilt die Spitze dem Rest des Felds. Das Mittelfeld kann den Anschluss nicht halten.

Die Ausrichtung des Rennens auf die großen Werke geht weiter. Die Neueinteilung der Boxen bei der jüngsten Ausgabe des 24-Stunden-Rennens führte in den vergangenen Tagen zu vielen Diskussionen. Doch dabei verkörpert das in der SP9 Pro mit GT3-Boliden einsetzende Team eines Fleischproduzenten den Breitensport. Ich finde das bezeichnend. Denn es unterstreicht nebenbei eindrucksvoll: In den Rennwagen sitzt, wer sich das noch leisten kann oder damit Geld verdient!

Die geringe Anzahl der Starter, die sich in diesem Jahr der Herausforderung des 24-Stunden-Rennens am Nürburgring stellte, unterstreicht das alles eindrucksvoll. Die Hobbypiloten sind längst nur noch „Feldfüller“. Kein Wunder, dass sich immer mehr Fahrer und Teams von der Szene in der Eifel abwenden. Das Problem ist nur, etwas vergleichbares gibt es nicht. Deshalb gehen die Teilnehmer in der Mehrzahl dem Sport verloren. Und das schwächt dann auch die Position der VLN.

Der Nürburgring passt sich den Autos an!

Der Boom der GT3-Boliden ist in meinen Augen ein fragliches Vergnügen. Wir bestaunen am Ring längst wieder Rennwagen, die eigentlich zu schnell für die Eifelstrecke sind. Doch statt die Rennwagen zu beschneiden, bekam der Nürburgring großzügig neuen Asphalt. Die Baumaßnahmen im vergangenen Winter waren die große Sanierung der Nordschleife seit Anfang der 1970er-Jahre.

Der letzte Exot, den sich das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring noch erlaubt. Der Opel Manta B war auch 2019 noch am Start!
Der letzte Exot, den sich das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring noch erlaubt. Der Opel Manta B war auch 2019 noch am Start!

Beim Sportfahrer-Training auf der Nordschleife, das Max vor ein paar Wochen absolvierte, war ich nach langer Pause wieder auf der Nordschleife unterwegs. Mein Eindruck als Beifahrer war, mit dem neuen Asphalt verschwanden viele Bodenwellen, die vorher zur Strecke gehörten. An einigen Stellen wäre es mit einem sportlichen Serienfahrzeug vor zwölf Monaten nicht gelungen, so über die Strecke zu bügeln. Der neue Asphalt machte die Strecke schneller! Eine Auffassung, die viele Motorsportler in meinen Bekanntenkreis teilen.

Wo soll das noch hinführen?

In meiner Motorsport-Welt sind die Strecken die Konstanten. Am Nürburgring gilt das nicht mehr. Der Nürburgring wurde den GT3-Boliden angepaßt. Wer beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring nur am Streckenrand steht, um das Spektakel zu bestaunen, dem kann das natürlich alles egal sein. Der soll sich an den GT3 erfreuen, solange diese Rennwagen in den Businessplan der Werke passen. Aus Erfahrung weiß ich, dass das Interesse der Werke immer nur zeitweise besteht.

Als Motorsportler sehe ich deshalb mit Entsetzen, wie sich das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring innerhalb weniger Jahre von seiner Basis löste. Ob die Entwicklung zum Profilsport nachhaltig ist, das wird die Zukunft zeigen. Viele, die in den vergangenen Jahren beim 24-Stunden-Rennen – in welcher Rolle auch immer – aktiv waren, sind gedanklich bei Sebastian Vettel. Der Formel-1-Pilot sagte kürzlich über seinen Sport, dass das nicht mehr der Sport sei, in den er sich verliebte! Dem ist nichts hinzuzusetzen!

5 Kommentare

  1. Wo das hinführt? Wenn die Formel 1 im nächsten Jahr nach Zandvoort zurückkehrt, dann sollte doch auch die Nordschleife machbar sein. TRÄUM 🙂 Aber mal im Ernst, das ist alles der totale Vollhorror!

  2. Der Gesellschafter Reply

    Die sportliche Entwicklung erinnert irgendwie fatal an die Entwicklung der Gesellschaft, wo sich die Mittelschicht praktisch auch aufgelöst hat. Denn während die Zahl der Besserverdienenden zwar insgesamt steigt, entfernen sie sich immer weiter vom Durchschnitt. 10 Prozent besitzen inzwischen gut 2/3 des Vermögens in Deutschland. Die 45 reichsten Haushalte besitzen laut einer Studie des Berliner DIW inzwischen sogar soviel wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung!

  3. Wenn der Sport im Mittelpunkt stehen würde, dann müsste man das trennen. In ein wiederbelebtes 1.000 km Rennen als Profi-Rennen mit GT3 und GT4 sowie der SP-X und ein 24-Stunden-Rennen für Breitensportler.

  4. Stephan Hase Reply

    Was mich bei der Diskussion über Deinen Artikel erschreckt ist, wie blind viele „Fans“ sind. Die finden ernsthaft, dass sich der Ring und das 24hNBR in den letzten Jahren gut entwickelt habe. Wobei ihr einziges Argument ist, wie viel breiter die Spitze heute als vor fünf oder gar zehn Jahren ist. Dabei übersehen diese Eventfans mit den maximal 50 oder vielleicht auch 60 Autos, die von Werken oder Industriepartner unterstützt werden, würde das Rennen nicht funktionieren. Zudem zeigt mir diese Argumentation, die Historie des Rennens und die Szene am Ring sind denen völlig egal. Ich bin bei Dir, das ist nicht mehr meine Welt!

  5. Pingback: Ging im Porsche 911 GT3 R vom Team Manthey eine Predictive-Maintenance schief? » AutoNatives.de

Schreib einen Kommentar