In unserer Zeit ist die Verwendung von Superlativen oft der Standard. Nicht immer ist das angemessen. Denn nicht alles, was uns im Moment begeistert, verdient tatsächlich diese Überhöhung. Le Mans 2014 hat das Zeug zum Sportklassiker. Von diesem Rennen werden Fans auch in Jahrzehnten noch sprechen. Der Dreikampf von Toyota, Porsche und Audi enthielt alles, was den Langstreckensport ausmacht.

Dadurch war das 24-Stunden-Rennen von Le Mans in diesem Jahr sportlich eines der besten, der jüngeren Vergangenheit. Der Einstieg von Porsche in die Sportwagen-Weltmeisterschaft (WEC) ist ein Gewinn für die Szene. Zumal auch Toyota die WEC inzwischen offensichtlich Ernst nimmt. Toyota setzt zurzeit die Pace. Kazuki Nakajima fuhr den Toyota TS040 Hybrid auf die Pole Position. Im Rennen übernahm Toyota zunächst die Führung.

Toyota TS040 Hybrid #7, Le Mans 2014
Toyota TS040 Hybrid #7

Audi hielt dagegen. Besonders André Lotterer sorgte im Audi #2 dafür, dass sich die Toyota Mannschaft rund um Alexander Wurz keine Sekunde ausruhen konnte. Entsprechend nahm das Rennen schnell an Fahrt auf. Zumindest an der Spitze lag die Taktung hoch. Am anderen Ende des Feldes kam der Nissan ZEOD RC (Zero Emission On Demand Racing Car) nicht wie gewünscht in Fahrt. Schon nach fünf Runden strandete der ungewöhnliche Rennwagen auf der Strecke. Das Ziel eine Runde in Le Mans rein elektrisch zu bewältigen und 300 Kilometer pro Stunde zu fahren, erreichte der Nissan nur im Aufwärmtraining.

Regen und eine Kettenreaktion

Nicolas Lapierre verlor im plötzlich einsetzenden Regen die Kontrolle über seinen Toyota #8 und torpediere einen Ferrari. Vom Toyota angeschoben rauschte der GT dem Audi mit Marco Bonanomi am Steuer ins Heck. Der wurde dabei so nachhaltig beschädigt, dass eine Weiterfahrt nicht möglich war. So ungerecht kann Motorsport sein. Denn Lapierre, der Verursacher des Unfalls, erreichte mit dem defekten Toyota die Box und konnte nach einer längeren Reparatur wieder aufnehmen.

Ungefähr zeitgleich musste auch der Porsche 919 Hybrid von Marc Lieb, Romain Dumas und Neel Jani die Box aufsuchen. Probleme mit dem Benzinsystem erforderten ebenfalls einen unplanmäßigen Aufenthalt beim Service. Mit Erfolg, denn die #14 konnte das Rennen nach rund 20 Minuten wieder aufnehmen. Am Sonntag Mittag fiel das Fahrzeug mit einem Getriebeschaden aus. Rollte trotzdem über die Ziellinie, da die Mechaniker trotz der Aussichtslosigkeit das Getriebe tauschten.

Porsche hat nichts verlernt

Der zweite der 919 hielt von Anfang an die Schlagdistanz zur Spitze. Damit bewies Porsche, auch während der langen Abwesenheit in der Le Mans Topklasse die Tricks des Langstreckensports zu kennen. Eine geschickte Strategie half dabei, dass Timo Bernhard mit dem Porsche 919 Hybrid gegen 18 Uhr erstmals die Führung übernahm. Erstmals seit 1998 lag damit in Le Mans ein Porsche an der Spitze.

Porsche 919 Hybrid #20
Porsche 919 Hybrid #20

Doch auf der Strecke waren Toyota und Audi schneller. Nach der üblichen WEC-Distanz von sechs Stunden führte ein Toyota (#7) vor einem Audi (#2) und dem Porsche (#20) von Webber. Nicht überraschend, denn Toyota hatte vor dem Start alle WEC-Rennen des Jahres gewonnen. Auch in Le Mans sah es lange nach einem Erfolg der Japaner aus. Bis zur Halbzeit es Rennens änderte sich an der Spitze nichts Wesentliches. Bei freier Fahrt lag Toyota in Front.

Bis zu 14. Stunde!

Gegen fünf Uhr morgens strandete Kazuki Nakajima auf der Strecke. Ein Elektrikdefekt legte den Toyota lahm. Eine Weiterfahrt war unmöglich. Audi übernahm die Spitze. Nach 15 Stunden führte Audi #2 vor dem Porsche #20 und dem Audi (#1) mit Tom Kristensen. Aber Le Mans ist nicht Le Mans, wenn das Drehbuch des Rennens nicht weitere Überraschungen bereithält. Nach zwei Stunden an der Spitze musste Audi am führenden Fahrzeug den Turbolader tauschen. Dank eines großartig fahrenden Tom Kristensen blieb die Führung im Haus. Denn inzwischen war die #1 am Porsche 919 vorbeigezogen.

Audi R18 #1, Le Mans 2014
Der Audi #1 kommt an die Box, wo der Turbolader getauscht wird.

Bis um kurz vor elf Uhr sah vieles nach dem zehnten Sieg von Mr. Le Mans aus. Doch dann war an der #1 ebenfalls der Turbolader defekt. Auch hier stand ein Wechsel an. Womit Porsche erneut in Führung ging. Aber Audi gab das Rennen nicht verloren. Wieder war es André Lotterer, der zum Angriff blies. Der Duisburger knabberte Runde um Runde zwischen vier und sechs Sekunden vom Vorsprung des Porsche ab.

Das setzte Porsche offensichtlich unter Druck

Kurz nach dem Mittag steuert Mark Webber seinen Porsche 919 Hybrid in Führung liegend an die Box. Zur Überraschung des Publikums, um das Rennen zu beenden. Die Ölpumpe hatte den Geist aufgeben. Webber stellte daher auf der Strecke den Verbrennungsmotor ab und fuhr rein elektrisch zur Box. Doch es half nichts, der Schaden erwies sich als irreparabel.

Sofort beruhigte sich das Rennen. Nach dem Ausfall des letzten zuvor defektfreien Konkurrenten übernahm Audi gleich mit zwei Fahrzeugen die Führung. An der Spitze die Mannschaft der #2, die sich drei Runden Vorsprung auf die #1 erkämpfte. Daran änderte sich bis in Ziel nichts mehr. Audi fuhr zu einem – in dieser Form sicherlich nicht erwarteten – Doppelsieg. Großen Anteil am Sieg hatte André Lotterer, der diesmal der beste Audi-Pilot war. Das Podium vervollständigte der Toyota #8 mit Anthony Davidson, Sébastien Buemi und Nicolas Lapierre.

André Lotterer im Audi R18 e-tron Quattro #2 bläst zum Angriff
André Lotterer im Audi R18 e-tron Quattro #2 bläst zum Angriff und fährt zum Sieg

Für Audi war der Erfolg der 13. Sieg in Le Mans. Beeindruckend, dass Audi erst vor 15 Jahren mit seiner Siegesserie begann. Nur 2003 (Bentley) und 2009 (Peugeot) gewann Audi nicht. Bei allen Erfolgen war Michelin als Reifenpartner an Seite der Ingolstädter. Die Franzosen sind seit 1997, als das heutige Audi-Werksteam Joest am TWR-Porsche Reifen von Goodyear einsetzte, in Le Mans ungeschlagen. Daran hätte sich 2014 übrigens auch bei einem Erfolg von Toyota oder Porsche nicht geändert. Denn auch die Herausforderer fahren mit den französischen Reifen.

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