Auto-Erinnerungen

40 Jahre BMW-Vierzylinder als BMW Hauptverwaltung

Mitte der 1980er-Jahre konnte ich den Sommer regelmäßig bei meiner Tante in München verbringen. Neben dem Surfen auf dem Starnberger See hat mich dabei besonders das BMW Museum interessiert. Denn im Foyer der Salatschüssel stand damals der Brabham-BMW von Nelson Piquet, was mich schwer beeindruckte. Jetzt feiert der Museumsbau zusammen mit der BMW Hauptverwaltung seinen 40. Geburtstag.

Das Gebäudeensemble ist damit im automobilen Sinne längst ein Oldtimer. Trotzdem gehört es lange noch nicht zum alten Eisen. Dazu trug nicht nur die Sanierung vor rund zehn Jahren bei, sondern vor allem der richtungsweisende Entwurf des Architekten Karl Schwanzer. Der Österreicher schuf mit dem BMW Hochhaus eines der schönsten Beispiele moderner Architektur in Deutschland.

BMW feierte das Gebäude zur Einweihung als Bürohaus der Neuen Klasse. Das war nicht falsch, denn das Gebäude weiß auch mehr als 40 Jahre der Planung noch zu gefallen. Mit dem Bau dokumentierte BMW eindrucksvoll den Aufstieg des Unternehmens. Ende der 1950er-Jahre schrieb BMW regelmäßig tief rote Zahlen. Im Autobereich verdiente das Unternehmen mit Luxusautos wie dem BMW 503 kein Geld. Das Interesse an Motorrädern, mit den das Unternehmen zuvor Geld verdiente, nahm stetig ab. 1959 rettete erst ein Kapitalschnitt das Unternehmen.

Wiederaufstieg mit der „Neuen Klasse“

Mit der „Neuen Klasse“ gelang ab 1961 der Durchbruch in der automobilen Mittelklasse. Ab 1966 verstärkte der „Null-Zwei“ diese Entwicklung. Dieser Erfolg machte eine Erweiterung der Verwaltung unumgänglich. Der Vorstand entschied sich für einen Neubau. Als Ort für das neue Verwaltungsgebäude wurde ein Parkplatz am Haupteingang des BMW Werks ausgewählt. Für den Standort sprach auch die Nähe zum entstehenden Olympiapark. Dies versprach zusätzliche Aufmerksamkeit, stellte allerdings die Architekten vor zusätzliche Herausforderungen.

Der Bau der BMW Hauptverwaltung (Foto: BMW)
Der Bau der BMW Hauptverwaltung (Foto: BMW)

Denn in der Ausschreibung für den Architekturwettbewerb, den BMW im April 1968 initiierte, hieß es: „… aus Gründen der Werbewirksamkeit sei auf eine großzügige, optisch eindrucksvolle Fassadengestaltung zu achten …“. Der Entwurf sollte sich ausdrücklich in die bauliche Umgebung einpassen. Das war anspruchsvoll, denn diese bestand neben Wohngebieten, dem BMW Werk und wichtigen Verkehrsknotenpunkten eben auch aus den damals noch zukünftigen Olympiabauten. Im Innenraum verlangte BMW ein variables Raumkonzept, um auf sich auf Veränderungen einstellen zu können.

Zwei der acht eingereichten Entwürfe kamen in die Endausscheidung. BMW Vertriebschef Paul Hahnemann machte sich für den technisch gewagten Entwurf von Karl Schwanzer stark. Offensichtlich hatte Chef-Verkäufer Hahnemann das Potenzial des Entwurfs als architektonisches Wahrzeichen für BMW sowie den Standort München erkannt.

Mit Erfolg, im Dezember 1968 erteilte BMW den Auftrag zum Bau der Firmenzentrale an Schwanzer. Bestandteil des Auftrags war auch der Bau eines Museums, das nicht Bestandteil der ursprünglichen Planung war. Mit dem Museumsneubau wollte BMW bis zu den Olympischen Sommerspielen in München ein zusätzliches Aushängeschild der Marke BMW schaffen.

Baubeginn war 1970, Einweihung 1973

Zunächst entstanden das Fundament und der Hochhauskern. Dieser wuchs innerhalb von vier Monaten auf die Höhe von fast 100 Metern empor. Es folgte das mächtige Trägerkreuz auf der Turmspitze. Gleichzeitig begannen die Bauarbeiter am Boden mit der Fertigstellung der Büroetagen. Sie hängen mit Spannseilen aus Stahl am Trägerkreuz und während des Baus hydraulisch nach oben gehoben.

Arbeitswelt der 1970er-Jahre
Arbeitswelt der 1970er-Jahre – Ein Blick in die BMW Hauptverwaltung (Foto: BMW)

Noch während dieses Hubvorgangs von rund vier Metern pro Woche hängten die Ingenieure die weiteren Stockwerke von unten dran. Dies passierte im Rohbau. Von außen betrachtet, wuchsen die vier zylinderförmigen Segmente des Gebäudes quasi nach und nach aus dem Boden. Der Innenausbau erfolgte auf dem Weg nach oben.

Im Dezember 1971 feierte BMW das Richtfest. Äußerlich fertiggestellt war das Gebäude kurz zur Olympiade 1972 in München. Ich sah das Gebäude erstmals, als ich mit meinen Eltern zur Eröffnungsfeier der Olympiade in München war. Ab Anfang 1973 zogen die Mitarbeiter von BMW mit einer großen Einweihungsfeier in den Vierzylinder als neue BMW Hauptverwaltung ein.

Nach einer umfangreichen Sanierung, die von 2004 bis 2006 stattfand, erfüllt das Gebäude bis heute die Ansprüche des Unternehmens. Während der Sanierung bekam das Gebäude nicht nur 2.304 neue Fenster, auf den Plan standen eine Verbesserung der Brandschutzmaßnahmen und eine Verringerung des Energieverbrauchs. Damit der Klassiker den BMW Mitarbeitern viele weitere Jahre einen einzigartigen Arbeitsplatz bieten kann.

Denn erst in diesem Frühjahr zeichnete eine internationale Expertenkommission den BMW-Vierzylinder als eine der fünfzehn weltweit spektakulärsten Firmenzentralen aus. Aus Deutschland schaffte das nur noch Adidas. Mit einem erst vor zwei Jahren fertiggestellten Gebäude. Eindrucksvoller lässt sich nicht dokumentieren, wie richtungsweisend der Entwurf von Karl Schwanzer war.

2 Kommentare

  1. Dieter Mayer Reply

    Ich besitze einen BMW X1 xDrive 2,5d , Baujahr 2013.
    Dazu 2 Fragen,um deren Beantwortung und ggf. möglicher Abänderung ich bitte:
    1. Der Tipp- Blinker ( eine gute Sache ) blinkt nur 3x –> sinnvoll für ein rechtzeitiges Spurwechsel- Anzeigen wäre ca. 8x.
    Die Niederlassung Nbg kann nicht in die software eingreifen.
    2. Das Einklappen der Seitenspiegel nach dem Parken geht nur manuell.
    Müsste doch auch durch eine software- Änderung möglich gemacht werden können.
    mit f. G
    D. Mayer Heroldsberg

Was meinen Sie dazu?

Mit dem Absenden des Kommentars übermittelten Sie uns Ihren Namen, Ihre E-Mail-Adresse, Ihre IP-Adresse, Ihre URL (sofern angegeben) und Ihren Kommentartext. Gleichzeitig stimmen Sie ausdrücklich der Speicherung und der Veröffentlichung des Kommentars zu. Die Veröffentlichung erfolgt ohne E-Mail- und IP-Adresse. Diese Daten dienen dem Schutz vor Missbrauch der Kommentarfunktion (SPAM) und werden anschließend automatisch gelöscht. Wir behalten uns vor, Kommentare ohne Angabe von Gründen nicht zu veröffentlichen oder die Links zu entfernen. Ein Anspruch auf Veröffentlichung des Kommentars besteht nicht.