Im ablaufenden Jahr wurde die Formel 1 stolze 60 Jahre alt. Das Hamburger Automuseum Prototyp dokumentiert anlässlich dieses Jubiläums die Geschichte der Formel 1 mit einer Sonderausstellung. Noch bis zum 27. März 2011 bieten die Hamburger damit eine gute Möglichkeit, um die Wartezeit auf die neue Formel 1 Saison zu überbrücken.

Die Formel 1 gilt als die Krone des Motorsports. Auf der Suche nach den Grenzen des mit einem Auto möglichen, sind seit 1950 viele unglaubliche und besondere Fahrzeuge entstanden. Unverrückbar war in der Geschichte der Formel 1 nur der Grundsatz, dass die Rennwagen vier freistehende Räder haben müssen. Die in den 1950er-Jahren auf schnellen Strecken wie Monza genutzten Vollverkleidungen in Stromlinienform wie beim W196 von Mercedes blieben eine kurze Epoche und wurden, um die Geschwindigkeiten zu senken, zur Saison 1961 endgültig verboten. Versuche von Tyrell, March oder Williams zur Reduzierung der Rundenzeiten, den Autos sechs Räder wachsen zu lassen, erwiesen sich als nicht brauchbar. Heute sind vier freistehende Räder fest vorgeschrieben.

Den ersten Fahrertitel der Formel 1 sicherte sich 1950 Giuseppe „Nino“ Farina am Steuer eines „Alfa Romeo Tipo 158“. Den vorläufigen Schlusspunkt setzte der Deutsche Sebastian Vettel, der mit seinem von einem Getränkehersteller finanzierten Rennwagen, dem „Red Bull RB6“ erst vor wenigen Wochen den Titel gewinnen konnte. Der Vergleich der beiden Fahrzeuge offenbart, dass die Formel 1 heute für die Mehrzahl der Automobilhersteller keine Spielwiese mehr ist. Nur Mercedes und FIAT, das den Mythos der Tochter Ferrari in der Formel 1 fördert, sind aktuell noch mit Werksteams in der Formel 1 vertreten. Wobei der Begriff „Werksteam“ im engeren, dem eigentlichen Sinn zum Auftritt der Marke Mercedes nicht mehr passt. Denn die Autos mit dem Stern entstehen in britischen Hallen, aus denen schon BAT, Honda oder Brawn genannte Rennwagen rollten.

So heißt Werksteam heute wohl eher, dass das Werk die Rechnungen bezahlt. Die Zeiten, als in ein paar Werkstätten am Rande der Produktion Rennwagen entstanden, sind längst Vergangenheit. Das Geschäft mit den Formel 1 Rennwagen liegt heute in den Händen von vergleichsweise kleinen High-Tech-Firmen. Noch vor rund 25 Jahren wurden diese Firmen als Garagisten verspottet. Inzwischen haben sie längst auch Bereiche des Automobilgeschäfts erobert. Bei McLaren entwickelt man das Unternehmen gerade zu einem Sportwagenhersteller weiter. Vom ehemaligen Mitstreiter, dem „Team Lotus“ existiert heute noch die profitable Entwicklungsfirma „Lotus Engineering“ mit der angeschlossenen Fahrzeugfabrik „Lotus Cars“. Und es war ein Flugunternehmer aus Malaysia, der Anfang 2010 durch die Lizenzierung der Namensrechte den Namen „Lotus“ zurück in die Formel 1 brachte.

Die Exponate in Hamburg

In Hamburg hat man einige interessante Fahrzeuge der Formel 1 Geschichte zusammengetragen. Alfa Romeo stellt zwei Boliden der Frühzeit der Formel 1 zur Verfügung. Mit dem „Alfa Romeo Tipo 158“ ging Nino Farina in der Debütsaison gleich bei drei von sieben Rennen als Sieger über die Ziellinie. Angetrieben von einem 1,5 Liter großen Kompressor-Motor mit acht Zylindern und rund 350 PS gewann der Neffe des legendären Automobildesigners Battista Farina so die erste Fahrer-Weltmeisterschaft der Formel-1-Geschichte. Ebenfalls in Hamburg zu bewundern ist der „Alfetta“ genannte „Alfa Romeo Tipo 159“. Am Steuer dieses Rennwagens sicherte Juan Manuel Fangio 1951 den zweiten Weltmeistertitel für die Marke mit dem Kleeblatt.

Ebenfalls ausgestellt werden in Hamburg unter anderem ein „Porsche 718/2“, ein „Matra MS120“, ein „Jordan 191“ sowie der „Ferrari F2007“. Der „Porsche 718/2“ stammte von einem Serienfahrzeug, dem „Porsche 550“ ab. Ursprünglich bereits 1957 entwickelt, wurde der erfolgreiche Sportwagen 1958/59 zum Monoposto mit freistehenden Rädern umgebaut. Nach Einsätzen in der Formel 2 trat Porsche mit dem Fahrzeug auch in der Formel 1 an, deren Reglement sich ab 1961 kaum von der bisherigen Formel 2 unterschied. Doch der mit einem vom legendären Ernst Fuhrmann konstruierten 4-Zylinder-Boxermotor ausgerüstete Rennwagen erwies sich nicht als konkurrenzfähig.

Mit dem „Matra MS120“ versuchte sich die „Grande Nation“ 1970 in der Formel 1. Nach dem man ein Jahr zuvor mit einem von der „Tyrrell Racing Organisation“ eingesetzten Matra mit Ausnahmekönner Jackie Stewart am Steuer den Titel gewonnen hatte, wollte Matra-Chef Jean-Luc Lagardère nun mit einem vollständig in Frankreich produzierten Rennwagen die Formel 1 aufmischen. Statt des erfolgreichen 8-Zylinder-Motors von Cosworth vertraute man auf einen eigenen 12-Zylinder-Motor. Doch in drei Formel 1 Jahren gewann man ausschließlich ein nicht zur Weltmeisterschaft zählendes Rennen in Argentinien. Immerhin konnte Pilot Chris Amon mehrmals von der Pole Position ins Rennen gehen.

Im „Jordan 191“ feierte Michael Schumacher beim Großen Preis von Belgien 1991 sein Debüt in der Königsklasse. Stammpilot Bertrand Gachot saß nach einer Auseinandersetzung mit einem Londoner Taxifahrer im Gefängnis. Und der geschäftstüchtige Teamchef Eddie Jordan freute sich über die Mitgift des schnellen Deutschen, für die Mercedes eingesprungen sein soll. Schumacher qualifizierte den Jordan als Siebter – auf dem bis dahin besten Startplatz eines Jordan. Im Rennen fiel der spätere Weltmeister allerdings nach 500 Metern mit einem Kupplungsschaden aus und zog nach nur einem Rennen zu Benetton weiter. Nicht fehlen darf in einer Ausstellung zur Formel 1 wohl ein Ferrari. Die Ausstellungsmacher entschieden sich für den „F2007“. Mit diesem von Nicolas Tombazis gebauten Rennwagen sicherte sich Kimi Räikkönen in der Saison 2007 den Titel des Weltmeisters.

Was wäre die Formel 1 ohne ihre Piloten?

Neben den Fahrzeugen ermöglicht die Ausstellung weitere Einblicke in die Formel 1. Den Piloten Wolfgang Graf Berghe von Trips und Jochen Rindt haben die Verantwortlichen eigene Bereiche der Ausstellung gewidmet. Dazu kommen Filme aus allen Epochen der Formel 1 sowie zahlreiche Fotos aus dem Archiv von Rainer W. Schlegelmilch.

Wenn Eis und Schnee, die Deutschland derzeit noch fest im Griff haben, irgendwann einmal getaut sein sollten, bietet die Ausstellung eine gute Möglichkeit, um die Wartezeit bis zum Start der neuen Formel 1 Saison zu überbrücken. Bis zum 27. März besteht dazu im Automuseum Prototyp in der HafenCity Hamburg (Shanghaialle 7 / Beim Lohseplatz, 20457 Hamburg) die Möglichkeit.

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