Es gibt Autos, die sind auch 60 Jahre nach ihrem Debüt ziemlich aufregend. Der 1955 in Genf vorgestellte Mercedes-Benz 190 SL gehört dazu.

Zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs präsentiert Mercedes mit dem „kleinen“ SL ein zweisitziges Cabriolet, das perfekt in die Wirtschaftswunderzeit passt. Dabei kam der Impuls aus Amerika. Denn die Entwicklung des Roadsters geht auf den US-amerikanischen Mercedes-Benz Importeur Max Hoffman zurück. Der US-Importeur und Hobby-Rennfadrer überzeugte Mercedes davon, unterhalb des Supersportwagens 300 SL (W 198) einen zweiten Sportwagen anzubieten.

Motorenkonstrukteur Kurt Obländer testet ein Versuchsfahrzeug des Mercedes 190 SL
Motorenkonstrukteur Kurt Obländer testet ein Versuchsfahrzeug des Mercedes 190 SL (Foto: Mercedes)

Auf Basis einer verkürzten Rahmenbodenanlage des Limousinenmodells 180 „Ponton“ (W 120) entwerfen Karl Wilfert und Walter Häcker diesen kleinen Sportwagen. Seine Linienführung orientiert sich stilistisch am Design des „großen Bruders“ 300 SL. Den Antrieb übernimmt ein neu entwickelter 105 PS starker 1,9-Liter-Vierzylindermotor. Bereits 1954 präsentiert Mercedes eine Studie des 190 SL in New York. Ein Jahr später folgt das Serienmodell.

Der Mercedes-Benz 190 SL kommt genau zur richtigen Zeit.

Der offene Zweisitzer setzt international Maßstäbe für eine Kultur des komfortablen Reisens mit Stil und sportlicher Eleganz. Vom Mai 1955 bis in Jahr 1963 entstehen 25.881 Exemplare des W121. Fast 40 Prozent davon gehen in die USA, die damals der wichtigste Absatzmarkt für Sportwagen sind. In Deutschland warb Mercedes mit Werbefotos, die auf der Insel Sylt aufgenommen wurden, um die Reichen und Schönen. Trotzdem (oder deswegen) wurde eine Frankfurter Prostituierte die bekannteste SL-Fahrerin.

Entwurfszeichnung des Mercedes-Benz 190 SL vom 7. August 1954
Entwurfszeichnung des Mercedes-Benz 190 SL vom 7. August 1954 (Foto: Mercedes-Benz)

Und obwohl der „Kleine“ nicht wie sein Vorbild 300 SL auf ein Rennsportfahrzeug zurückgeht, setzt auch er sportliche Akzente. Kurzzeitig bietet Mercedes sogar eine Rennversion mit scheibenlosen Aluminium-Türen, verkleinerter Windschutzscheibe und weiteren Modifikationen an. So lassen sich bei dieser Version die Stoßstangen und das Verdeck für den Renneinsatz abnehmen.


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Zeitgenössisches Werbefoto für den Mercedes-Benz 190 SL aus den 1950er-Jahren auf der Insel Sylt. (Foto: Mercedes-Benz)

Zeitgenössisches Werbefoto für den Mercedes-Benz 190 SL aus den 1950er-Jahren auf der Insel Sylt. (Foto: Mercedes-Benz)

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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

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