Schon um 12:00 Uhr brennt die Sonne heftig auf den akkurat gestutzten Rasen des weitläufigen Düsseldorfer Poloplatzes. Hier ist nach Frankfurt die zweite Station der German Polo Tour 2017, in deren Rahmen das Land Rover Polo Team seinen Titel verteidigen will. Langsam füllt sich die Pony Line. Kurz vor Beginn des ersten Matches werden dort rund 30 drahtige, perfekt trainierte Polopferde auf ihre Chuckas warten.

Insgesamt sind fast 80 Pferde angereist, betreut und für die Spiele vorbereitet von den unersätzlichen Grooms, den Pflegern und Trainern. Man spricht hier Spanisch, denn die meisten von ihnen stammen aus Argentinien, wo Polo der Nationalsport Nummer 1 ist. Und man hat ganz offensichtlich gute Laune.

 

Das Land Rover Polo Team will seinen Titel verteidigen

Vier Teams sind am Start. Das Team Bucherer, Hajo, Ullrich und Land Rover. Ich habe mir das Land Rover Polo Team ausgeguckt und es an zwei Tagen fotografisch begleitet. Nicht nur weil AutoNatives.de naturgemäß ein zu Hause von schicken Autos ist, sondern auch, weil sich dieses Team aus teils sehr jungen, brillanten Spielern zusammensetzt, die spannende Geschichten vorzuweisen haben. Außerdem sind sie die Titelverteidiger. 2016 konnten sie nicht nur den Gesamtsieg der German Polo Tour mit nach Hause nehmen, sondern auch erstmals die Deutsche High Goal Meisterschaft gewinnen. Wer hier jetzt den Schauspieler Heino Ferch als feste Größe des Land Rover Teams sucht, wird enttäuscht sein. Er hat es vorgezogen, nicht in Düsseldorf zu spielen.

Miguel Durren
Der Argentinier Miguel Duggan spielt für das Land Rover Polo Team beim Düsseldorfer High Goal Cup.

Ein transatlantisches Bündnis

Zwei Argentinier und zwei Niederländer bilden an diesem Wochenende das Land Rover Polo Team. Miguel Duggan (hdc +4)  kann wohl kaum mehr Polo in einer Person vereinen. Er ist in den Sport hineingewachsen, konnte vermutlich eher reiten als laufen. Sein Großvater gewann 1936 mit dem argentinischen Team die olympische Goldmedaille. Das ist eine Familiengeschichte, die verpflichtet.

Sein Landsmann Marcos Riglos ist zwar körperlich klein, aber auf dem Pferd ein ganz Großer. Mit Handycap +5 ist er hinter Ignacio Tillous (hdc +6 Team Ullrich) und Eduardo Anca (hdc +6 Team Hajo) der Spieler mit dem höchsten Handycap im ganzen Turnier. Die jungen Niederländer Philip van der Kloot Meijburg ( hdc +1) und Milan Venkata Raman (hdc +1) komplettieren das Team. Es ist schließlich ein High Goal Turnier. Die höchste Liga, die der Polosport zu bieten hat. Hier ist es vollkommen üblich, dass die Inhaber bzw. Sponsoren der Teams international anerkannte Profis verpflichten. Spielmacher, Akrobaten auf dem Pferd, die mit Stick und Ball wahre Wunder vollbringen können. So kommt es mir zumindest vor.

Team Land Rover gegen Team Hajo - auf dem weißen Pferd Miguel Durran
Team Land Rover gegen Team Hajo – auf dem weißen Pferd Miguel Duggan

Mehrere Male vergesse ich fast den Auslöser meiner Kamera zu drücken, weil ich kaum glauben kann, was die Jungs auf ihren Ponys anstellen, ohne im Anschluss wie die Käfer in der Wiese zu liegen. Irgendwie bleiben sie fast immer oben. An zwei Tagen habe ich lediglich zwei Abflüge gesehen, die beide harmlos waren.

Vier Teams – Jeder gegen Jeden

Unter den weißen Sonnenschirmen am Rande des Spielfeldes finden sich am Samstag schon recht früh viele Besucher ein. Sie bringen Körbe mit Kirschen, Schnittchen und Wein mit. Sie breiten karierte Tischdecken auf den Biertischen aus, platzieren Gläser für Wein, Bier oder Prosecco. Ich mag die Atmosphäre, die wider aller Polo-Klischees sehr familiär und locker ist. Jeder quatscht mit jedem. Man teilt sich den Schatten und den Spaß am Spiel. Natürlich gibt es, wie im Theater oder an der Rennstrecke auch die „Komischen“, aber die sind in der Minderzahl. Und im Grunde sind alle durch ein einziges Accessoire vereint.

Perfekt mit Hut
Perfekt mit Hut

Ohne Hut geht gar nichts!

In Ascot trägt man Hut, weil es Tradition ist. Beim Polo trägt man im Juni einen Hut, um nicht nach zwei Stunden mit einem Sonnenstich vom Hocker zu fallen. Mir kredenzt man zum Glück auch einen der schicken Land Rover Strohhüte. Denn es ist so heiß, dass ein langer Aufenthalt in der Sonne ohne letzteren keine gute Idee ist. Die Schiedsrichter werden zwischendurch mit Wasser versorgt. Die Spieler wechseln nach einem einzigen Sprint über das Feld immer wieder außerplanmäßig ihre Pferde. Ihr Wohl, so ist die oberste Poloregel, steht über allem. Auch deshalb muss auf diesem Niveau ein Spieler auf mindestens sieben Pferde pro Match (a vier Chuckas – also vier Viertel) zugreifen können.

 

Elektrisierend

Dieser Sport auf diesem Niveau ist einfach elektrisierend. In jeder Hinsicht. Ich kann verstehen, dass sich Unternehmen wie Bucherer, Hajo und mit besonders viel Elan Land Rover in diesem Sport engagieren. Polo dieser Klasse treibt sogar bei 30 Grad im Schatten Gäsehaut über den verschwitzten Rücken. Und meine Herren, was waren die Spiele spannend! Wenn, ja wenn man eimal die Regeln verstanden hat.

Nach jedem Tor wird die Seite gewechselt, damit keines der Teams konstant gegen die Sonne spielen muss, auf einem Feld übrigens, in das locker vier Fußballplätze passen. Und selbst diese Größe scheint oft nicht genug. Denn nicht selten wird die Spielfeldbegrenzung in Gestalt einer etwa 30 Zentimeter hohen Holzlatte überritten, so dass sich Fotografen wie ich kurzfristig Sorgen um ihr Equipment machen müssen.

 

 

Ein Bekannter, ich würde ihn fast als meinen Polo-Mentor bezeichnen, ist überzeugt, dass Polo ein sehr gefählicher Sport, wenn nicht der gefährlichste überhaupt ist. Wohl auch deshalb verbannt der höchst amüsante Moderator des Düsseldorfer High Goal Cups immer wieder neugierige Kinder hinter den weißen Lattenzaun. „Wenn der Ball kommt, trifft er euch mit voller Wucht! Also, alle hinter die Barriere. Die Presse darf bleiben.“ Klar, dachte ich, die Presse darf ruhig sterben, wenn einer der weißen Kunststoffbälle mit Tempo 120 querschlägt.

Platz 2 für das Land Rover Polo Team

Deshalb bin ich am Rande eines Polofeldes noch vorsichtiger als an der Rennstrecke. Es gibt weder Fangzäune noch Leitplanken. Wenn acht Spieler auf acht Pferden angedonnert kommen, ziehe ich mich lieber zurück und verzichte zur Not auf spektakuläre Fotos. Dennoch, einen heranfliegenden Ball nimmt kein Auge vor dem Einschlag war. Es ist also insgesamt etwas heikel. Dennoch kann ich nicht umhin, kräftig mitzufiebern. Denn Tempo und Spannung steigen stetig. Schließlich belegt das Land Rover Polo Team den zweiten Platz hinter dem Team Bucherer.

 

Den Ponys zu Ehren

Polo ist in der Tat nichts für zart besaitete Gemüter. Es geht in einem irrsinnigen Tempo, mit viel Kraft und Körpereinsatz zur Sache. Die international hochkarätig besetzte Riege spielt hart, schnell und technisch virtuos. Sehr beeindruckend! Aber die Ponys? Ohne sie ginge nichts. Sie sind perfekt trainierte Athleten. Kräftig, wendig, mit einem unglaublichen Antritt. Es gibt Spielphasen, in denen allein die Schnelligkeit der Pferde über Tor oder Nicht-Tor entscheidet. Ein Mal im vollen Gallopp quer über den Platz. Da bebt die Erde! Um sie zu ehren, wird nach jedem Turnier „The best playing pony“ gewählt, obwohl ich meine, dass das deutsche Wort Pony diese Tiere nicht beschreiben kann. Sie sind schlicht beeindruckende Sportler, die ihren Reitern in Würde und Charisma fast ebenbürtig sind.

Nun bleibt mir noch, dem Team Bucherer zum Sieg und natürlich dem Land Rover Polo Team zum 2. Platz zu gratulieren. Der Düsseldorfer High Goal Cup 2017 war ein extrem spannendes und Action geladenes Event, das mir großen Spaß gemacht hat. Schon nächste Woche steht das nächste Turnier der German Polo Tour 2017 in Hamburg an. Ich drücke die Daumen.

 

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