Heute vor 70 Jahren, am 9. Oktober 1946, absolviert der Unimog Prototyp 1 seine erste Testfahrt. Das Universal-Motor-Gerät geht auf Idee des Konstrukteurs Albert Friedrich zurück.

Der Albert Friedrich arbeitete seit 1933 bei Daimler-Benz an der Entwicklung von Flugmotoren. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs musste der Ingenieur seinen Arbeitgeber aufgrund alliierter Auflagen verlassen. Die Siegermächte verboten Deutschland den Bau von Flugzeugen und Flugmotoren. Friedrich machte sich mit einem Entwicklungsbüro selbstständig.

Die schlechte Ernährungssituation nach dem verlorenen Krieg ließ in Friedrich die Idee eines „Frontsitztraktors mit Allradantrieb“ reifen. 1945 entstanden erste Skizzen eines Fahrzeugs für die Forst- und Landwirtschaft. Allradantrieb, vier gleich große Räder, Zapfwellenantrieb für Landgeräte vorn, Schleppeinrichtung hinten, Laderaum in der Mitte, das „motorgetriebene Universalgerät für die Landwirtschaft“ war geboren.

Albert Friedrich bot seinem ehemaligen Arbeitgeber die Konstruktion an. Doch der Vorstand der Daimler-Benz AG zeigte im September 1945 wenig Interesse. Erfinder Friedrich schloß daraufhin Anfang Dezember 1945 einen Produktionsvertrag mit der Firma Erhard & Söhne aus Schwäbisch Gmünd. Dort entwickelte Friedrich das Konzept zusammen mit den Ingenieuren Heinrich Rößler und Hans Zabel weiter.

Der Unimog ist praktisch und rationell

Dabei entsteht eine genauso rationelle wie praktische Konstruktion. Die neue Spurweite von 1270 Millimetern entsprach zwei Kartoffelreihen. Gleiche Blechkörper für die Gehäuse der Vorder- und der Hinterachse und gleiche Laufradvorgelege mit Bremsen für Vorder- und Hinterachse sorgen für eine wirtschaftliche Produktion.

Unimog-Fahrgestell aus dem Jahr 1949 mit Dieselmotor
Unimog-Fahrgestell aus dem Jahr 1949 mit Dieselmotor – Foto Daimler

Den Motor-Getriebeblock ordnen die Techniker etwas rechts neben der Fahrzeugmittellinie an. Dadurch können die Schubrohre – sie schützen die Antriebswellen – rechtwinklig zu den Achsen ausgebildet werden. Somit kommt das Fahrgestell mit nur vier Antriebsgelenken aus. Eine Konstruktion, die in ihren Grundzügen bis heute typische für den Unimog ist.

Im Oktober 1946 ist der erste Prototyp fahrbereit

Konstrukteur Heinrich Rößler unterzieht den Prototypen, noch ohne Fahrerhaus, aber voll beladen mit Holz, auf unwegsamen Waldwegen bei Schwäbisch Gmünd einer ersten Erprobung. Der Test ermutigt die Entwickler. Allerdings weicht der im Erprobungsfahrzeug verbaute Ottomotor bald dem Diesel auf dem Mercedes 170 D.

Schon im Frühjahr 1947 präsentieren sie den Unimog, Hans Zabel hatte diesen Namen von der technischen Bezeichnung „Universal-Motor-Gerät“ abgeleitet, erstmals öffentlich. Doch inzwischen ist klar, dass Erhard & Söhne die Produktion nicht in Angriff nehmen kann. Nach dem Bau von vier Prototypen endet der Traum vom Autobau in Schwäbisch Gmünd.

Stattdessen übernimmt die Firma Boehringer Werkzeugmaschinen GmbH aus Göppingen den Bau des Unimogs. Schon der fünfte von zehn geplanten Prototypen, die Friedrich, Rößler und Zabel bauten, entsteht bei Boehringer. Dort startet im August 1948 auch die Serienfertigung. Bis 1950 entstehen in Göppingen rund 600 Exemplare.

Die Fachwelt ist begeistert. Denn vieles am Unimog ist im Vergleich zur damaligen Traktorentechnik ein großer Fortschritt :

  • Höchstgeschwindigkeit 50 km/h (ein Traktor fuhr nur halb so schnell)
  • gefederte und gedämpfte Achsen
  • Allradantrieb und Differentialsperren vorn und hinten
  • Bremsen an Vorder- und Hinterachsen (beim Traktor nur an Hinterachse)
  • zweisitziges Fahrerhaus mit geschlossenem Verdeck und gepolsterten Sitzen
  • Hilfsladefläche über der Hinterachse mit 1,0 t Tragfähigkeit
  • Gewichtsverteilung statisch: 2/3 auf Vorderachse, 1/3 auf Hinterachse
  • Geräteanbau-Möglichkeiten vorn, Mitte und hinten
  • Zapfwellenbetrieb vorn, Mitte und hinten
  • Nebenabtriebe für Geräte

Daimler-Benz übernimmt den Unimog

Die Kunden stehen Schlange. Boehringer arbeitet an der Kapazitätsobergrenze. Doch ein Ausbau der Produktion erfordert Geld. Geld, das das mittelständige Unternehmen Boehringer nicht hat. Und so übernimmt Daimler-Benz im Herbst 1950 das ganze Projekt einschließlich aller Patente, den Entwicklern und dem neu aufgebauten Vertrieb.

Ab dem Modelljahr 1951 läuft der Unimog bei Daimler-Benz in Gaggenau vom Band. Und seit 1953 darf der Unimog sogar den Stern tragen. Denn in den ersten Jahren läuft das „Universal-Motor-Gerät“ auch bei Daimler noch mit einem stilisierten Ochsenkopf mit Hörnern in Form eines „U“ vom Band.

Daimler baut in den kommenden Jahren die Produktion konsequent aus. Erfinder Albert Friedrich, den der VDI für die Konstruktion des Unimogs mit der Max-Eyth-Gedenkmünze des VDI auszeichnete, hat an dieser Entwicklung keinen Anteil mehr. 1955 trat der Ingenieur in den Vorstand der Heinrich Lanz AG ein. 1961 verstirbt Albert Friedrich mit gerade einmal 59 Jahren.

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