Der im Frühjahr angekündigte Abarth 695 biposto ist jetzt tatsächlich verfügbar. 997 Kilogramm Trockengewicht verspricht Abarth. Und ruft einen Basispreis in Höhe von 39.990 Euro aus.

Ich moderiere den Kampf der Zwerge. Was für Unbedarfte wie eine Spielart des Catchens klingt, ist eine der heißesten Nummern im Motorsport. Denn im Kampf der Zwerge rennen die Kleinwagen der 1960er und 1970er-Jahre um die Wette. Bisher in Gleichmäßigkeitsprüfungen unterwegs, fahren die Fiat Abarth, Mini und NSU TT ab 2015 (endlich wieder) echte Rennen. Das passt, weil diese Zwerge alle über eine veritable Rennsportgeschichte verfügen. Zu ihrer Zeit bauten ihre Hersteller deshalb von ihren Fahrzeugen regelmäßig besonders heiße Homologationsversionen.

Ich habe mich oft gefragt, wie heute so ein Auto aussehen würde. Denn bisher sind traditionsreiche Namen wie Mini Cooper S nicht mehr als eine Ausstattungsvariante. Fiat gibt mit dem neuen Abarth 695 biposto jetzt eine Antwort auf meine Frage. Schon bei der Vorstellung in Genf war ich von dem sportlichen Kleinwagen begeistert. 190 PS Motorleistung, Höchstgeschwindigkeit 230 km/h und 5,9 Sekunden für den Sprint von null auf 100 km/h sind die Eckdaten. Dem stehen ein Trockengewicht von 997 Kilogramm und der Preis von 39.900 Euro gegenüber.

Das ist ein ordentlicher Schluck aus der Pulle. Doch schon zu Zeiten des legendären Carlo Abarth war der Einkauf bei Abarth nie ein billiges Vergnügen. Und wo sonst gibt es den Motor und das Getriebe aus einem Formel-Rennwagen in einem Serienfahrzeug zu kaufen? Kritiker werden jetzt anführen, dass das kein Mensch braucht. Aber das gilt für vieles, das uns trotzdem erfreut. Richtig ist auch, dass die Kohlefaser-Einsätze, die Fiat dem Abarth 695 biposto spendiert hat, nicht jedermanns Fall sind. Gut, dass der Rest für ziemlich viel Sportlichkeit steht.

Abarth 695 biposto Schaltung
Die (optionale) Schaltung im Abarth 695 biposto. (Foto: Fiat)

Wobei Fiat bei einigen Details dem Kunden die Wahl lässt, wie sportlich es denn sein soll. So liefert Abarth nur auf ausdrücklichen Wunsch vordere Seitenscheiben, die aus besonders leichtem Polycarbonat gefertigt sind. Und auch das klauengeschaltete Fünfgang-Rennsportgetriebe gibt es im neuen Abarth 695 biposto nur auf ausdrücklichen Wunsch. Wer sich den Spaß gönnt, kann ohne Betätigen der Kupplung hochschalten. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie die Gegner bei Beschleunigungsduellen aus der Wäsche gucken, weil der Vortrieb eines Kleinwagens dank der kurzen Schaltpause kaum stockt.

In Vollausstattung, die im speziellen Fall des Abarth 695 biposto teilweise mit einem Verzicht – primär auf Gewicht – daherkommt, liegt der sportliche Kleinwagen deutlich über 40.000 Euro. Dafür gibt es ein Auto, das wie kein anderes Serienfahrzeug zurzeit, den Geist aus dem Kampf der Zwerge auf die Straße bringt.

Schade, dass der Abarth keine aktuellen Spielgefährten hat. Denn weder Mini BMW noch ein anderer Hersteller traut sich zurzeit so einen heißen Kleinwagen anzubieten.

6 Kommentare

  1. Wirklich mal eine nette Idee und auch ganz ordentlich aufgezogen diese kleine Knallbüchse.
    Der Tatsache das ab 2015 „endlich wieder“ richtige Rennen gefahren werden kann man allerdings sehr kritisch gegenüber stehen.
    Sicherlich mag es für einen Kommentator bzw. auch für die Fans ganz nett sein; aus Sicht der Fahrer allerdings ist es meiner Meinung nach jedenfalls Schlecht.
    Man bedenke alleine die Preise für Ersatzteile. Wo ein Mini Fahrer aus dem vollen schöpfen kann werden sich NSU, Fiat/Abarth Fahrer und Co sicher überlegen ob sie bei gewissen Veranstaltungen noch antreten wollen. Zudem fördern „richtige“ Rennen meiner Meinung nach nur Zwietracht und führen über lange Zeit zu Kostenexplosionen da jeder der eine Chance auf die Meisterschaft haben will technisch Aufrüsten müsste.
    Meister wie Beispielsweise dieses Jahr Lutz Gersdorf der vielleicht ein unterlegenes Auto hat aber Gleichmäßig und mit vollem Einsatz dabei ist wird es dann sicher nicht mehr geben…ob das der Schritt in die richtige Richtung ist?!

    • Zum Thema „Kampf der Zwerge“ – Meisterschaft – Aufrüsten usw. sei soviel gesagt. Das Reglement steht und das schon seit Jahren. Es ist ebenfalls auch in Sachen technische Aufrüstung eingefroren. Die Fahrzeuge bleiben wie sie sind. Eine Meisterschaft in dem Sinne, das sich am Ende der Saison ein einzelner Meister nennen darf, wird es nicht geben. Es wird in den jeweiligen Divisionen den Divisionsmeister geben. Diese Regelung haben wird mit bedacht so gewählt, damit keine Divisionsübergreifenden „Kämpfe“, oder wie man das auch immer nennen will, stattfinden. Es ist der richtige und vor allen Dingen der einzig Mögliche Schritt für den „Kampf der Zwerge“ so weiter machen zu können, wie es bisher war. Die Möglichkeit der Gleichmäßigkeitsprüfung ist seitens des DMSB nicht mehr gegeben.

      • Ja, das leidige Thema DMSB…
        Naja, wollen wir hoffen das es so wird wie Sie es schreiben denn es wäre Schade eine so spannende Meisterschaft zu Grunde gehen zu sehen! 🙂

  2. Tom Schwede Reply

    Hallo Alessio,

    ich würde hier an dieser Stelle im Blog gern über den modernen Abarth 695 diskutieren. Denn das Thema „Rennen“ im Kampf der Zwerge eignet sich, um eine lange Diskussion zu führen. Aber – soweit ich informiert bin – gibt es zu diesem Schritt keine echte Alternative. Denn so, wie es bisher gelaufen ist, geht einfach nicht mehr. Jetzt wird es – auch in der Hitze anstehender Gefechte – an uns allen liegen, einen kühlen Kopf zu bewahren und keine Zwietracht aufkommen zu lassen. Denn die Kameradschaft auf und vor allem neben der Strecke, die ist doch das, was den Kampf der Zwerge ausmacht.

    Viele Grüße
    Tom

    • Hallo Tom,

      ja, die Diskussion könnte eine längere werden! Es hat mich da wohl etwas mitgerissen…

      Was meiner Faszination für den Abarth aber keinen Abbruch tut. Sicher ist es nur ein nett gemeinter Gag, wer braucht schließlich den Race-Computer über den Lüftungsdüsen und Kunststoffscheiben wenn man gleichzeitig eine Klimaanlage, Lederbezüge u. ä. mit sich rumschleppt. Jedoch zählt hier wohl eindeutig der Mut mal etwas abseits vom Mainstream zu machen. Bleibt zu hoffen, das es auch in zukunft so weitergeht.

      Beste Grüße

      Alessio

  3. Ich liebe Abarth. In meiner Garage stehen 2 Abarth’s, einer aus den 60ern und einer aus den 80ern.
    Leider waren die letzten Modelle alles andere als Abarth’ig. Klimaanlage, Komfortsysteme, gedämmte Motorräume … Blasphemie! Meiner Meinung nach hatten diese Modelle nichts mehr mit Abarth zu tun. Was würde hier nur Carlo Abarth sagen, wenn er in einem Abarth sitzt und sieht was da in einem Namen verkauft wird.
    Jetzt gibt es wieder ein richtig reinrassiges Abarth Modell zu kaufen. Keine Klimaanlage (auch nicht als Zubehör), nicht mal ein Radio (kann auch nicht nachgerüstet werden). Leistung, Gewichtseinsparung und durch die vielen Nebenaggregate die weg fallen kommt auch mehr Leistung auf der Straße an.
    Das ist doch mal ein würdiger Nachfolger der alten Autos und für mich ein Grund über eine Vergrößerung der Garage nachzudenken 😉

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