Auto-News

Der Markt der Helfer – ACE und ADAC streiten vor Gericht

Früher, als auch ich noch klein war, glaubte ich an das Gute im Menschen. Glaubte daran, dass Hilfsorganisationen gemeinnützig seien. Nun denn, inzwischen weiß auch ich das besser. Im Kern geht es zwar auch den großen Autoclubs immer noch um das Helfen. Doch dabei ist Geldverdienen offensichtlich nicht ausgeschlossen. Vielleicht an der einen oder anderen Stelle inzwischen sogar die Hauptmotivation. Deshalb wird mit harten Bandagen gekämpft. ACE und ADAC streiten zurzeit vor Gericht. Worum geht es dabei?

Der ADAC warb vor einiger Zeit mit einem Anzeigenmotiv auf dem neben ADAC-Fahrzeugen auch Einsatzfahrzeugen der Feuerwehr, Polizei und ein Notarztwagen abgebildet waren. Gegen dieses Motiv beantragte der ACE (Auto Club Europa) eine einstweilige Verfügung. Der nach dem ADAC zweitgrößten deutschen Autoclub sah in dem Plakat eine Irreführung. Denn mit der Gestaltung würde sich nach Meinung des ACE der ADAC auf eine Stufe mit staatlichen Rettungs- und Einsatzkräften stellen.

Im einstweiligen Verfügungsverfahren um diese Werbeanzeige scheiterte der ACE in erster Instanz vor dem Stuttgarter Landgericht. Nach Ansicht des Gerichts sei die Anzeige nicht irreführend und verstoße daher nicht gegen das Wettbewerbsrecht. Leider ist zu befürchten, dass das Thema die Gerichte weiter beschäftigen wird. Denn der ACE kann gegen das Urteil Beruf einzulegen. Unsere Prozessordnung sieht das vor. Und das ist grundsätzlich auch gut so.

Trotzdem ist das Handeln des ACE erstaunlich

Denn Motiv „Wir helfen Helfen“ spiegelt die Realität wieder. Im Alltag ist der ADAC durch seine Rettungshubschrauber-Flotte und seine Straßenwachtfahrzeuge sehr präsent. Selbst ohne das Böse in mir, der ADAC ist im faktischen Handeln längst ein Teil unserer Rettungsinfrastruktur. Der ACE kommt im Bewusstsein der Bevölkerung nicht vor. Ich kann nicht beurteilen, ob das bei seiner Stammklientel im Gewerkschaftslager anders ist. Aber selbst beim Gewerkschaftslager sind ja inzwischen gewisse Zweifel zu dessen Existenz angebracht.

Möglicherweise hat der ACE mit der Aktion auch nur auf sich aufmerksam machen wollen. Denn der ADAC hat nach dem Skandal um seine „Leserwahl“ Gelber Engel mit einem Mitgliederschwund zu kämpfen. Doch wer sich als Alternative positionieren will, der sollte stattdessen besser mit seinem Angebot punkten. Der Weg über die Gerichte, um dann sagen zu können: „Guck mal, wie Böse der andere ist!“ wäre fast schon ein Rechtsmissbrauch. Insofern bleibt zu hoffen, dass der ACE auf eine Berufung verzichtet, um nicht in diesen Verdacht zu geraten.

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