Über den Kampf der Zwerge, dem wir in diesem Blog besonders verbunden sind, haben wir bereits ausführlich berichtet. Doch das Eifelrennen um den Jan-Wellem-Pokal bietet auch 2012 deutlich etwas mehr. Denn hinter dem großen und traditionsbeladenen Namen „Eifelrennen“ verbirgt sich seit 2011 das großartige Oldtimer-Festival des Düsseldorfer Automobil- und Motorsport-Club 05 e.V. (DAMC 05). Dies verspricht Qualität und ein Programm, das die Geschichte des Nürburgrings umfassend repräsentiert.

Neben Tourenwagen, GT-Fahrzeugen, Sportprototypen und Vorkriegs-Rennwagen gehen beim Eifelrennen des historischen Motorsports daher auch wieder Motorräder und Gespanne an den Start. Von Freitag, dem 8. Juni um 8:30, wenn die Solo-Motorräder zu ihrem ersten Pflichttraining starten, bis am Sonntag, den 10. Juni gegen 17 Uhr, wenn der letzte Lauf abgewunken wird, drehen sich auf der Grand Prix-Strecke und zum Teil auch der Nordschleife die Räder.

Der Nürburgring hat – insbesondere auf der Nordschleife – packende Tourenwagen-Rennen gesehen. Vom Großen Preis der Tourenwagen in den 1960er- und 1970er-Jahren bis zu den spannenden Duellen zwischen BMW und Jaguar in der Tourenwagen-Europa-Meisterschaft der 1980er-Jahre reicht der Bogen der Geschichte. Und so bildet der Tourenwagensport 2012 beim Eifelrennen so etwas wie das Rückgrat des Rennwochenendes. Neben dem „Kampf der Zwerge“ treten im Rahmen des Eifelrennens auch die „Historische Tourenwagen- und GT- Trophy“ sowie die „Cup & Tourenwagen Trophy“ auf dem Grand Prix Kurs des Nürburgrings an. Dazu findet das namensgebende Eifelrennen auf der Kombination aus Grand Prix-Strecke und Nordschleife statt.

Das Feld der „Historischen Tourenwagen- und GT- Trophy“

Bei der „Historischen Tourenwagen- und GT- Trophy“ (HTGT) der Fahrergemeinschaft Historischer Rennsport sind inzwischen Rennwagen bis einschließlich Baujahr 1971 zugelassen. In der Vergangenheit durften in der „HTGT“ nur Fahrzeuge bis Baujahr 1965 rennen. Diese Öffnung ermöglicht, im Rahmen der „HTGT“ unter anderem für so spektakuläre Autos wie den BWM 2002 ti, den Porsche 914/6, die Renault Alpine A 110 oder den mit insgesamt nur 23 gebauten Exemplaren besonders seltenen britischen Rennwagen Chevron B-16 zu präsentieren.

Dazu kommen die bewährten Ikonen der 60er Jahre vom Lotus Elan über den Jaguar E-Type und Volvo Amazon bis zum Ford GT40. Damit ermöglicht die „HTGT“ den Zuschauern einen Blick zurück in die begeisternde Motorsport-Welt der „Swinging Sixties“. Das Rennformat hat es dabei in sich, denn mit einer Fahrzeit von einer Stunde am Stück gehört die „HTGT“ fast schon zu den Ausdauer-Events des historischen Motorsports.

Das Eifelrennen – drei Stunden Nordschleife

Auch wenn die Fahrtzeit sogar im historischen Motorsport durchaus noch steigerungsfähig ist, wie das namensgebende „ADAC Eifelrennen“ beweist. Denn das Eifelrennen führt die Teilnehmer gleich satte drei Stunden über die Kombination aus Grand Prix-Strecke und Nordschleife. Ausgeschrieben ist es 2012 für GT- und Tourenwagen nach Anhang K (1946 – 1971) sowie für die Fahrzeuge der Youngtimer-Trophy.

Die breite Ausschreibung sorgt für ein buntes Starterfeld von deutlich mehr als 150 Startern. Neben zahlreichen Porsche 911 und BMW 2002 findet man in der Starterliste auch Fahrzeuge wie die Chevrolet Corvette, den Ford Mustang oder den Marcos 1800 GTS. Dazu kommen die „Brot- und Butterautos“ des historischen Motorsports: Ford Escort, Opel Manta und Audi 50.

Die „jungen Wilden“ der Cup & Tourenwagen Trophy

Tourenwagen moderner Prägung, mit ihren ausuferndem Flügelwerken, Einheitschassis und Sicherheitszellen mit Silhouetten-Hüllen, erinnern nur noch entfernt an die Serienmodelle. Sie stehen damit in Kern für Prototypensport. Wer sich da gern an die „gute alte Zeit“ der ersten DTM oder ähnlicher Tourenwagen-Meisterschaften der 1980er und 1990er-Jahre erinnert, der ist in der „Cup & Tourenwagen Trophy“ richtig. Denn in der „Cup & Youngtimer Trophy“ rennen ganz klassische Tourenwagen, die auf Serienfahrzeugen basieren.

Neben den Rennwagen aus der DTM von 1984 bis 1995 gehören dazu auch die nach dem sogenannten Klasse 2-Reglement für seriennahe Fahrzeuge mit Zweiliter-Saugmotor aufgebauten Rennwagen, wie sie einst im Super Tourenwagen Cup (STW) bewegt wurden. Abgerundet wird das facettenreiche Teilnehmerfeld durch Fahrzeuge aus Markenpokalserien der vergangenen drei Jahrzehnte. Sowohl die Ford Fiesta als auch die Clio oder Mégane der Renault-Serien und die 944 Turbo oder 911 Carrera aus den Porsche-Markenpokalen sind dabei gerne gesehene Gäste der Cup & Youngtimer Trophy“.

Kontrastprogramm: „Canadian-American Challenge Cup“

Die Sportprototypen werden beim Eifelrennen vom „Canadian-American Challenge Cup“ vertreten. Die Donnerkeile aus Amerika, die ursprünglich von 1966 bis 1974 in der CanAm-Series auf dem amerikanischen Kontinent ihre Heimat hatten, bilden im Rahmen des Eifelrennens vielleicht so etwas wie das Kontrastprogramm zum „Kampf der Zwerge“. Denn die wohl brutalsten und buntesten Rennboliden aller Zeiten glänzen mit Motoren, die ihre Kraft aus bis zu acht Litern Hubraum schöpfen.

Das „Elefanten-Rennen“ als Hommage an die Nürburgring-Eröffnung 1927

Den Bereich der Vorkriegs-Rennwagen decken beim „ADAC-Eifelrennen um den Jan-Wellem-Pokal“ auch 2012 wieder die „Tiere mit den großen Namen“ ab. Dabei treten die Rennwagen von Aston Martin, Bentley, Bugatti, Lagonda und Talbot gegen die sogenannten „weißen Elefanten“ von Mercedes-Benz an. Ein Spitzname, der sich auf die Mercedes-Benz S von 1927 zurückführen lässt.

Mit einem Leergewicht von rund 1,9 Tonnen und einem mächtigen 6,8-Liter-Sechszylinder unter der langen Haube hob sich der Typ S deutlich von seinen Gegnern ab. Die Gegner waren meist viel kleiner und damit scheinbar „leichtfüßig“. Angesichts der damals für einen Rennwagen aus Deutschland typischen weißen Lackierung lag so die Bezeichnung „weißer Elefant“ für den Mercedes-Benz S und seine Ableger SS, SSK und SSKL nahe.

Beim Eifelrennen wird Jochen Mass den Demolauf am Steuer eines Mercedes-Benz SSK von 1928 aus dem Mercedes-Benz Museum in Angriff nehmen. Der Grand Prix Sieger wird dabei auch auf den legendären Bentley 6 1/2 Litre in der Speed-Six-Ausführung treffen. Ein Fahrzeug, das als Antwort der Bentley-Boys auf die weißen Elefanten gilt und 1929 sowie 1930 bei den „24 Stunden von Le Mans“ das Duell gegen Mercedes-Benz für sich entscheiden konnte.

Die Nacht der Legenden zum 50. Geburtstag

Ebenfalls zu den Siegern in Le Mans gehört der Kölner Traditionsrennstall „Kremer Racing“. 1979 gewann man mit einem Kremer Porsche 935 K 3 und den Piloten Klaus Ludwig, Don und Bill Whittington das legendäre 24-Stunden-Rennen an der Sarthe. Das 1962 von den Brüdern Erwin und Manfred Kremer gegründete Unternehmen setzte in seiner gesamten Geschichte fast ausschließlich Rennwagen von Porsche ein und gehörte zu den Grundpfeilern der Deutschen Rennsport-Meisterschaft.

Besonders in dieser nationalen Meisterschaft, in der die Rennwagen keine Grenzen kannten, bekämpfte sich Kremer bis zum Äußersten mit dem ebenfalls aus Köln stammenden Gelo Racing Team des Immobilienunternehmers Georg Loos. Doch während Gelo Racing und andere letztlich nur eine Episode des Motorsports blieben, besteht Kremer Racing bis heute. Der 50. Firmengeburtstag ist daher dem Düsseldorfer Automobil- und Motorsport-Club 05 e.V. – trotz aller rheinischen Rivalitäten – ein ganz besonderes Geburtstags-Ständchen wert. In der „Kremer Racing – Nacht der Legenden“ werden insgesamt 17 Kremer-Boliden, darunter Fahrzeuge wie der Jägermeister-Porsche 935 K3 und der Vaillant Porsche K2, an die ruhmreiche Geschichte des Kölner Rennstalls erinnern.

Die Faszination der „Deutschen Historischen Motorradmeisterschaft“

Abgerundet wird das bunte Programm beim „ADAC-Eifelrennen um den Jan-Wellem-Pokal“ von den Motorrad-Läufen. Als Wertungslauf zur „Deutschen Historischen Motorradmeisterschaft“ sorgen die Akrobaten auf zwei und drei Rädern ebenso wie die Autofahrer für ein oftmals begeistertes Publikum. Vordergründig sorgt zunächst die Akustik der zwei- oder dreirädrigen Oldtimer zuverlässig für eine Gänsehaut bei den Zuschauern. Das Sehvergnügen wird jedoch ebenso zuverlässig vom optischen Genuss verstärkt, wenn die Piloten in Schräglage durch die Kurven pfeilen. Sie stellen dabei nicht nur ihr hohes Fahrkönnen unter Beweis, sondern bringen nicht selten auch eine gehörige Portion Mut auf. Denn immerhin entsprechen Bremsen und Fahrwerke diese Oldtimer nur bedingt modernen Maßstäben.

Das vollständige Programm des Eifelrennens um den Jan-Wellem-Pokal sowie die Eintrittspreise finden Sie in Internetauftritt des Veranstalters.

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