Auto-Erinnerungen

ADO15 hat Geburtstag

Keine Angst, wir wechseln nicht ins Fach der Science-Fiction. Denn ADO 15 klingt mehr nach R2D2 und C3PO als nach einem Auto. Nein, hinter dem Entwicklungscode „Amalgamated Drawing Office Project 15“ (ADO15) verbirgt sich mit dem Mini einer wichtigsten Kleinwagen der Geschichte.

Heute vor 54 erschien in der altehrwürdigen Times ein Artikel mit der Überschrift „B.M.C. Baby Cars Set Up A New Standard In Cheap Motoring.“ Dieser Artikel gilt als der älteste überlieferte Zeitungsartikel über den Mini. Daher feiern zahlreiche Mini-Fans regelmäßig am heutigen 26. August den Geburtstag ihres automobilen Lieblings. Ein Brauch, dem wir uns in diesem Auto-Blog gern anschließen. Denn der Kleinwagen, dem auch wir mit unser Blubbernden Rennmaus verfallen sind, hat wirklich Standards gesetzt.

Entstanden ist der Mini als Antwort auf die Suez-Krise. Ich erzähle das bei meinen Moderationen bei historischen Motorsport-Veranstaltungen immer wieder gerne. Im Juli 1956 verstaatlichte Ägyptens Präsident Gamal Abdel Nasser den Sueskanal, der bis dahin einer mehrheitlich britisch-französischen Gesellschaft gehörte. Insbesondere für Großbritannien war der Sueskanal von großer Bedeutung für die Erdölversorgung des Landes. Während der Krise wurde auf der britischen Insel zeitweise das Benzin rationiert.

Für den Leonard Lord, seit Ende 1952 Vorstandschef der British Motor Corporation ein Grund, das Designteam der Konzerntochter Morris mit der Konstruktion eines neuen Kleinwagens zu beauftragen. Im Stammbuch der Entwickler schrieb Lord die Eckdaten fest. Das Auto sollte in eine Box mit den Abmessungen 10 × 4 × 4 Fuß (3,0 × 1,2 × 1,2 Meter) passen. 60% der Fahrzeuglänge sollten den vier Passagieren zur Verfügung stehen und als Motor sollte ein vorhandenes Aggregat zum Einsatz kommen.

Heute ist es nicht mehr vorstellbar, aber 1957 bestand das gesamte Team, das den Hoffnungsträger für Großbritannien wichtigsten Autohersteller entwerfen sollte, aus neun Mitarbeitern. Neben dem in Izmir geborenen Alec Issigonis gehörten zur Entwicklungsmannschaft noch die Ingenieure Jack Daniels und Chris Kingham. Mit beiden hatte Issigonis bereits zuvor erfolgreich zusammengearbeitet. Gemeinsam mit Daniels war 1948 der Morris Minor entstanden. Mit Kingham war Issigonis bei Alvis tätig. Neben den drei Ingenieuren gehörten zum Team noch zwei Studenten und vier technische Zeichner.

Schon im Oktober 1957 war der erste Prototyp fertig. Wegen der orangen Lackierung nannte das Tema den Prototypen „The Orange Box“. Doch die wahre Revolution steckte unter dem Blechkleid. Genial war das Prinzip, den Frontmotor quer einzubauen und dabei das Getriebe unterhalb des Motors zu montieren. Wobei Motor und Getriebe eine Einheit bilden, die sich sogar den Schmierstoff teilt. Der Legende nach soll Alex Issigonis die erste richtige Konstruktionszeichnung dieser Anordnung in einem Restaurant auf einer Tischdecke bzw. auf einer Serviette entstanden sein.

Nach der Vorstellung des Prototyps benötigte das Team rund zwei Jahre, um den Mini zur serienreife zu bringen. Im April 1959 stellte BMC den Mini ausgewählten Händlern vor. Die BMC bot den neuen Kleinwagen als Austin Seven (auch Austin Se7en) und Morris Mini Minor den Kunden an. Was, ganz nebenbei erklärt, wie der Mini7 Racing Club seinen Namen fand. Im August 1959 nahm das Werk in Longbridge bei Birmingham die Produktion auf. Und ein Zeitungsartikel, der anlässlich der Aufnahme der Serienproduktion entstand, begründet heute für die Fans den Mini-Geburtstag.

In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch!


Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Dieses Foto verdeutlicht das geniale Konstruktionsprinzip des Mini. (Foto: Mark Brown from Hampton, New Brunswick, Canada, CC2.0)

Dieses Foto verdeutlicht das geniale Konstruktionsprinzip des Mini. (Foto: Mark Brown from Hampton, New Brunswick, Canada, CC2.0)

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