Ich war kürzlich in Italien bei der Rallye die Roma Capitale der Rallye Europameisterschaft. Als Gast von Skoda Deutschland verließ ich die ewige Stadt äußerst beeindruckt vom Rallyezirkus. Am vergangenen Wochenende durfte ich ebenfalls als Gast von Skoda Deutschland weitere Eindrücke sammeln. Diesmal bei der Rallye Deutschland, einem Lauf zur Weltmeisterschaft.

Beim WM-Lauf an der Mosel beobachtete ich nicht nur, wie professionell die Topteams agieren, sondern machte auch die folgende Devise aus: Bei der WM ist alles schneller, größer und teurer. Mein persönliches Highlight von diesem Trip ist jedoch der Besuch auf dem Truppenübungsplatz Baumholder, der sogenannten Panzerplatte.

Der Skoda Fabia R5 von Fabian Kreim und Frank Christian
Der Skoda Fabia R5 von Fabian Kreim und Frank Christian – Foto Max Schwede

Die Favoriten

Die Ausgangslage für die Hatz durch das Saarland lautete wie folgt: Die Top drei des Gesamtstandes Thierry Neuville, Sebastien Ogier und Finnland-Sieger Ott Tänak trennten 46 Punkte. Der Este Tänak gewann auch schon 2017 in den Weinbergen, ging somit als Favorit in die aus 18 Wertungsprüfungen bestehende Rallye. Genauso wie in Rom durfte ich hier in den Weinbergen das deutsche Duo Fabian Kreim und Frank Christian begleiten. Die beiden steuerten bei der Rallye Deutschland als Gaststarter einen von Skoda Deutschland und Baumschlager Rallye&Racing eingesetzten Skoda Fabia R5. Sonst kämpfen sie in der ERC um den Titel.

Etappe Mittelmosel – Panoramablick auf die Weinberge

Die erste Prüfung, die ich live verfolgen konnte war die Etappe „Mittelmosel“. Dort ergab sich ein wunderschöner Panoramablick auf die Weinberge, durch die sich die WM-Asse den Hügel heraufschlängeln mussten. Von unserem Aussichtspunkt am Hang auf der anderen Seite des Tals sahen wir trotz des Startabstands von jeweils zwei Minuten gleichzeitig zwei Autos. Dadurch konnte ich anhand von zwei selbst gesteckten Orientierungspunkten wunderbar die Kontrahenten miteinander vergleichen. Ein Fehler machte sich sofort bemerkbar, wenn die beiden Fahrzeuge nicht ungefähr gleichzeitig an den jeweiligen Punkten passierten.

Von dort fuhren wir in den Servicepark, in dem mir bewusst wurde, was für einen Aufwand die Werksteams betreiben. Hyundais Motorhome thronte zwar in der Mitte, aber auch Toyota, Citroen und Ford fuhren große Geschütze auf. Dort wird der Unterschied zu den kleineren Privatteams auf. Das Team PH-Sport, das einen „Jahreswagen“, also einen Citroen DS3 WRC von 2017 für den Deutschen Polizeikommissar Marijan Griebel einsetzt, schraubte auf einer Plane mit einem kleinen Zelt darüber. Das schmälert keineswegs den Erfolg. Griebels selbst gestecktes Ziel war : ankommen und alle WRC2 Fahrzeuge hinter sich lassen. Dies konnte er souverän erreichen. Am Ende der Rallye gehen der 29-Jährige und sein Co-Pilot Alex Rath sogar mit Platz acht und damit vier Weltmeisterschaftspunkten nach Hause.

CITROËN C3 WRC von Mads Ostberg
CITROËN C3 WRC von Mads Ostberg – Foto Max Schwede

Besonders spannend fand ich den werksseitigen Testeinsatz von Porsche, die ihren neuen Porsche Cayman GT4 Clubsport als Vorrausfahrzeug auf die Strecke schickten. Mit Romain Dumas hinter dem Volant sammelten die Zuffenhausener wichtige Daten. Der Cayman war auf der Strecke eins der spektakulärsten Fahrzeuge, obwohl das französische Gespann außer Konkurrenz an der Rallye teilnahm.

Arena Panzerplatte – die Rallye Deutschland ist ein Zuschauermagnet

Die Deutschland-Rallye ist ein Zuschauermagnet. Das Zuschaueraufkommen auf dem Truppenübungsplatz Baumholder ist vergleichbar mit dem eines Festivals. Showeinlagen, Essensstände, Merchandise: Ein Besuch auf dem Arial ist auch für Motorsport-Laien ein Erlebnis. Vom obersten Aussichtspunkt auf dem Gelände ist es möglich, gleich zwei Wertungsprüfungen gleichzeitig zu verfolgen. Zum einen die sogenannte „Arena Panzerplatte“, die kleinere der beiden auf dem Truppenübungsplatz ausgetragenen Prüfungen, zum anderen die Königsetappe der Rallye Deutschland: „Panzerplatte“.

Die 38,57 Kilometer lange Super Stage wird zwei mal gefahren. Sie gilt als eine der anspruchsvollsten Wertungsprüfungen im ganzen Rallye-Jahr. Der Truppenübungsplatz ist nicht asphaltiert, sondern besteht zum Großteil aus Betonplatten, die sich mehr oder weniger gut aneinander anfügen. Somit sind allein schon die Straßenverhältnisse äußerst schwierig. Ebenfalls erschwerend sind die massiven Hinkelsteine, die an beiden Seiten zu befahrenen Wege stehen. Das seht Ihr auch schön in dem Video, wo ich mal ein paar Stilstudien von unterschiedlichen Fahrern zusammengeschnitten habe:

Nochmal ein paar Bilder von der Rallye Deutschland und der Panzerplatte … schön zu sehen, wie unterschiedlich die Piloten ihre Drifts ansetzen … #Drift #Quertreiber #Rallye #WRC

Gepostet von 1300ccm.de – die Auto-Natives am Freitag, 31. August 2018

Wie ergingt es den Skoda-Piloten?

Fabian Kreim und Frank Christian verloren am Freitagmorgen durch einen Plattfuß viel Zeit. Deswegen war es nach einer starken Aufholjagd bis zum Service am Bostalsee umso wichtiger, ohne Probleme über die Panzerplatte zu kommen. Mit einem kleinen Schmunzeln erklärte Frank Christian am Freitagabend, wie schnell eine Rallye auf dem rutschigen Betonbelag vorbei sein kann. 2017 war es ein Wildunfall, der den beiden Lokalmatadoren auf der Panzerplatte einen Strich durch die Rechnung machte.

Dieses Jahr jedoch überquerten die beiden Deutschen auf der Königsetappe der Rallye ohne große Probleme. Im ersten Run am Vormittag steuerten sie ihren Skoda Fabia R5 auf Platz sechs in der WRC2 Klasse, am Nachmittag auf Platz neun. Solide Ergebnisse in allen Wertungsprüfungen am Samstag sorgten dafür, das sich das Duo von zeitweilig Platz 30 auf den fünften Platz verbesserte. Am Ende sollte Platz vier herausspringen. Ein äußerst gutes Ergebnis für die Gaststarter in der WRC2 Klasse.

Die Panzerplatte auf dem Truppenübungsplatz Baumholder ist das Herz der ADAC Rallye Deutschland
Die Panzerplatte auf dem Truppenübungsplatz Baumholder ist das Herz der ADAC Rallye Deutschland

Die Fans sind sympathische Motorsportnomaden

Nicht nur das Zuschaueraufkommen auf der Truppenübungsplatz Baumholder ist beeindruckend, auch auf den normalen Etappen ist ziemlich viel los. Ich lernte Jean und Michelle kennen, nur zwei der gefühlt zu tausenden ihren Helden Thierry Neuville anfeuernden angereisten Belgier. Sie erzählten mir, dass sie auch beim Formel-1 Grand Prix in Spa-Francochamps ihre Zelte aufschlagen würden.

Im starken Kontrast dazu stand, wie viele Familien mit kleinen Kindern am Streckenrand standen. Der Rallyesport hat viele Zielgruppen, denn es ist einfach faszinierend wie nah am Limit die Teams ihre knapp 380 PS starken Geschosse über enge und schlecht ausgebaute Wege prügeln. Die Leistungsdichte dabei ist enorm. Auf beiden Durchläufen auf der Panzerplatte ist zwischen den schnellsten sieben Startern der WRC Klasse nur ein Zeitabstand von knapp zehn Sekunden. Bei einer Fahrzeit von insgesamt fast 22 Minuten.

Alles in allem hat mir der Besuch bei der Rallye Deutschland sehr viel Spaß bereitet. Der Blick hinter die Kulissen im Servicepark hat mich einiges gelehrt. Beim nächsten Besuch in unserer Werkstatt werde ich auf meinen Vater hören, der mir seit Jahren in den Ohren liegt, wie wichtig Ordnung beim Werkzeug ist. Diese Ordnung ist für die Profi-Mechaniker Gold wert. Ein großes Dankeschön sollte vor allem an die knapp 3000 freiwilligen Helfer des ADAC’s gehen, die solch ein spektakuläres Großereignis in Deutschland ermöglichen.


Max war als Gast von Skoda Deutschland bei der ADAC Rallye Deutschland. Wir danken für die Einladung.


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Die Panzerplatte auf dem Truppenübungsplatz Baumholder ist das Herz der ADAC Rallye Deutschland

Foto: Max Schwede

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