Ford betrieb Tourenwagen-Sport mit Partnern. In Deutschland gilt bis heute deshalb Zakspeed als das Ford-Team. In Großbritannien ist der Name „Alan Mann Racing Ltd, Byfleet England“ eng mit Ford verbunden. Das Team setzte von 1962 bis 1969 Tourenwagen und Sportwagen von Ford im Motorsport ein.

Markantes Zeichen der Rennwagen des Teams war ihre Lackierung. Unten Rot und oben Gold – dazwischen wies zudem (fast) immer der Schriftzug „ALAN MANN RACING LTD. BYFLEET ENGLAND“ einen Rennwagen als Rennwagen des Teams aus. Das hatte Stil! Es war aber auch zu einer Zeit, als Sponsoren sich auf die Lieferung von Reifen oder Zündkerzen beschränkten. Zu rollenden Litfaßsäulen wurden Rennwagen erst nach der großen Zeit des britischen Teams.

Alan Mann Racing Ltd, Byfleet England
Alan Mann Racing Ltd, Byfleet England – markantes Zeichen eines Rennwagens aus der Werkstatt des legendären Rennteams (Foto: Tom Schwede)

Zu Hause war das Alan Mann Racing Teams in Byfleet, Surrey. Das ist eine kleine Gemeinde in der Nähe der ehemaligen Rennstrecke von Brooklands. Teamchef Alan Mann, Jahrgang 1936 fuhr selbst einige Autorennen und entdeckte dann die andere Seite der Boxenmauer. Schon 1962 setzte Mann Ford Zephyrs and Anglias unter der Bewerbung „Andrews Garage“ bei Tourenwagen-Rennen ein. Ein Jahr später betreute Mann die Ford Cortina von Henry Taylor. Taylor, nur vier Jahre älter als sein Teamchef, war zu dieser Zeit bereits ein ehemaliger Grand-Prix-Pilot. Von 1959 bis 1961 nahm Taylor an acht Grand Prix in der Königsklasse des Motorsports teil.

Nach der kurzen Grand-Prix-Karriere fuhr Taylor zeitweise mit Unterstützung von Ford Tourenwagen-Rennen. Der US-Autobauer bat Fahrer und Team Ende 1963 mit der Cortina am 500-km-Rennen von Bridgehampton in den USA teilzunehmen. Das Rennen auf dem Bridgehampton Race Circuit, einer permanenten Rennstrecke im Osten der Insel Long Island vor New York, zählte damals zur Sportwagen-Weltmeisterschaft. Mit einem zweiten Platz in seiner Klasse unterstrich Taylor das Potenzial der Cortina und des Teams.

Alan Mann Racing Ltd. Byfleet England wird Ford-Werksteam

Henry Ford II. entdeckte in den 1960er-Jahren den Motorsport für sich und sein Unternehmen. Als der Kauf von Ferrari nicht gelingt gibt es kein Halten. Neben dem Le Mans Projekt sollen auch Tourenwagen in Europa Ford vertreten. Walter Hayes sorgt dafür, dass das britische Team von Alan Mann einen Werksvertrag bekommt. In den folgenden Jahren tragen zahlreiche Modelle von Ford die typisch rote Lackierung mit einem goldenen Streifen auf jeder Fahrzeugseite. Neben der Cortina zählen dazu auch der Ford GT40, der Ford Falcon und natürlich der Ford Escort.

Der Ford Ford F3L P68 sollte die Nachfolge des GT40 antreten – das Projekt scheiterte. Der Rennwagen trat 1968/69 nur bei sieben Rennen an. (Foto: Tom Schwede)

Schon 1965 gewinnt Sir John Whitmore mit einer Ford Lotus Cortina des Teams überlegen den Titel des Tourenwagen-Europameisters. Der „Racing Baronet“ steuert die legendäre Cortina mit dem Kennzeichen „KPU 392C“ – Tourenwagen rollen damals (teilweise) noch auf eigener Achse zu den Rennen. Bei sieben Europameisterschaftsläufen treten Fahrer und Auto an. Viermal fährt Whitmore als Sieger nach Hause. Dabei beeindruckt, dass der Pilot mit seinem 1.600er immer wieder Fahrzeuge größerer Hubraumklassen auf die Plätze verweist. In den Jahren 1965, 1967, 1968 und 1969 sichern sich Alan Mann Piloten den Titel in der British Saloon Car Championship.

Das Ende kommt mit dem Ford F3L P68

Das Team ist jetzt eine Größe und Ford vertraut ihm den GT40-Nachfolger Ford F3L P68 an. Die GT40 drangen zuvor mit ihren sieben Liter großen Triebwerken in Le Mans zuvor in völlig neue Dimensionen vor. Um das Tempo zu begrenzen, reduzierte die Sportkommission der FIA den Hubraum in der Sportwagen-Weltmeisterschaft ab 1968 – analog zur Formel 1 – auf drei Liter. Ford konstruierte rund um den Cosworth-Motor aus der Königsklasse einen neuen Sportwagen. Alan Mann Racing erhielt den Auftrag, den neuen Rennwagen zu bauen und einzusetzen.

Schon beim Debüt des neuen Rennwagens im April 1968 in Brands Hatch erwies sich der Bolide als praktisch unfahrbar. Ähnlich wie ein Jahr später auch der Porsche 917 litt der Ford darunter, dass die Karosserie Auftrieb erzeugte. Aerodynamiker Len Bailey, der das Team als Konstrukteur unterstützte, hatte es im Streben nach Höchstgeschwindigkeit übertrieben. Das Team versuchte, das Problem mit nachträglich montierten Spoilern zu lösen. Doch Ford brach das Projekt ab und beendete die Zusammenarbeit mit Alan Mann.

Das Team zog sich aus dem Motorsport zurück. Es beschränkte sich stattdessen darauf, Autos für Kino- und Fernsehproduktionen aufzubauen. Das war bereits seit Jahren ein weiteres Geschäftsfeld des umtriebigen Unternehmens Alan Mann. Bereits 1963 betreute das Team bei den Dreharbeiten zu „James Bond Goldfinger“ die Autos am Set. Nun wurde die Filmarbeit das Tagesgeschäft. Nach dem Ende der Rennaktivitäten arbeitete das Team für Steve McQueen am – nicht realisierten – Formel-1-Film „Day of the Champion“. Anschließend wirkte es für dessen Produktionsfirma Solar Productions auch am Klassiker „Le Mans“ mit.

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