Erst vor zwei Jahren feierte Alfa Romeo den 100. Firmen-Geburtstag. Jetzt steht der nächste runder Geburtstag an, den der Autobauer feiert. Denn vor 40 Jahren präsentierte Alfa Romeo die Limousine Alfetta. Dank ihrer „Transaxle-Bauweise“ verschob die Alfetta die Maßstäbe für Sportlimousinen.

Motor vorn, Getriebe, Kupplung und Differential hinten – das gilt bei Autos mit Hinterrad-Antrieb als gute Voraussetzung für eine ideale Gewichtsverteilung. Das Wortgebilde „Transaxle“ (lateinisch trans = hinüber und englisch axle = Achse) beschreibt, wenn das Getriebe eines Frontmotor-Fahrzeugs an der angetriebenen Hinterachse montiert ist. Mit der 1972 vorgestellten Alfetta machte Alfa Romeo diese Bauweise in der Welt der Limousinen salonfähig. Kurz bevor auch Porsche mit seinen Transaxle-Modellen Porsche 928 und Porsche 924 auf diese Bauweise vertraute.

Alfa Romeo Alfetta Aufbau
Transaxle-Bauweise der Alfa Romeo Alfetta (Grafik: Alfa-Romeo)

Mit einer nahezu ausgeglichenen Gewichtsverteilung, einem Leergewischt von 1.080 Kilogramm und einem sportlich abgestimmten Fahrwerk war die Alfetta eine der fahrdynamischsten Limousinen ihrer Zeit. Wobei die Konstrukteure in Mailand viel Aufwand trieben. So vertrauten sie zur Reduzierung der ungefederten Massen beispielsweise an der Hinterachse auf innenliegende Scheibenbremsen. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Denn die 4,28 Meter lange Alfetta sorgte für Aufsehen und besiegte in den Vergleichstests verschiedener Autozeitschriften immer wieder ihre Wettbewerber.

Sportlich und sparsam

Dabei punktete die Limousine zunächst mit ihren Handlingeigenschaften und guten Fahrleistungen. Dank seiner 1750er Maschine mit 1.779 ccm und 122 PS (bei 5.500 U/min) erreichte die Alfetta eine Höchstgeschwindigkeit von 185 km/h. Den Sprint von 0 auf 100 km/h legte sie in – damals – sportlichen 10,5 Sekunden hin. Gleichzeitig galt der Alfa Romeo – nach den Maßstäben seiner Zeit – als sparsames Auto. In einem Vergleichstest der „Anspruchsvollen in der Mittelklasse“, den die Autofahrerbibel „auto motor und sport“ am 14. April 1973 veröffentlichte, konsumierte die Alfetta mit einem Durchschnittsverbrauch von 12,0 Litern fast zwei Liter weniger als der Testgegner BMW 520 i.

Aus der Alfetta wird eine Familie

Als Alfa Romeo 1972 die Alfetta vorstellte, plante vermutlich niemand, die Neuvorstellung satte zwölf Jahre zu bauen. Doch der Autobauer verlängerte immer wieder mit technischen und optischen Modifikationen das „Leben“ des Modells. Zudem stellte Alfa Romeo zwei Jahre nach dem Debüt der Limousine ein dreitüriges Sportcoupé auf Basis der Alfetta zur Seite. Für die Alfetta GT hatte der Karosserieschneider Bertone eine eigenständige Karosserie in der in den frühen 1970er Jahren aktuellen Keilform entworfen.

Alfa Romeo Alfetta GT 1.8 1974
Das Sportcoupé Alfa Romeo Alfetta GT 1.8 von 1974 (Foto: Alfa Romeo)

Ein Jahr später, 1975 erweiterte der Autobauer das Motorenprogramm um eine 108-PS-Version mit einem Hubraum von 1,6 Litern. Später folgte ein 2,0-Liter-Motor und ab 1980 der berühmte 2.5-Liter-V-6-Motor mit 158 PS Leistung. In der Limousine gab es zudem ab 1979 einen Turbodiesel. Der aufgeladene Vierzylinder des Selbstzünders holte aus einem Hubraum von 2,0 Litern 82 PS; später stieg der Hubraum um 0,4 Liter und die Leistung damit auf 95 PS.

Auch das Außenkleid der Alfetta modifizierte Alfa Romeo regelmäßig. Im Herbst 1977 wichen die Chromtürgriffe als Zugeständnis an die Aerodynamik versenkten Pendants. Voluminösere Stoßstangen setzen sich Parkremplern fortan wirkungsvoller zur Wehr. Die zum Anfang der 70er noch typischen vorderen Dreiecksfenster wichen großflächigen Seitenscheiben. Gleichzeitig gab es neue Rückleuchten. Zudem wiesen fortan Rechteck- statt Doppelrundscheinwerfer den Weg durch die Nacht.

Alles auf Anfang?

Selbst zwei Jahre, bevor die Fertigung der Alfetta 1984 auslief, überarbeitete Alfa Romdeo nochmals das Exterieur. Neben erneut modifizierten Stoßfängern und Rückleuchten gab es nun wieder einen mit Doppelrundscheinwerfern bestückten Kühlergrill. Die nach Amerika verschifften Alfa Romeo Alfetta verfügten zudem über eine Einspritzanlage. Denn mit den bisher verbauten Doppelvergaser waren die Abgasvorschriften in der Neuen Welt nicht zu erfüllen.

1984 verließ die letzte Alfetta das Werk im norditalienischen Arese. Dort ist heute das Museum des Herstellers zu Hause. In zwölf Jahren fertigte Alfa Romeo genau 478.812 Stück der Limousine. Die Alfetta gehört damit zu den erfolgreichsten Limousinen des Hauses. Das Sportcoupé baute Alfa Romeo noch zwei Jahre länger, dann endete auch dessen Produktion. Das Transaxle-Prinzip lebte in der kleineren Giulietta (ab 1977), dem Alfetta-Nachfolger Alfa 90 (ab 1984), im Alfa 75 (ab 1985) sowie die Sportwagen SZ (ab 1989) und RZ (ab 1992) weiter.

Vor wenigen Jahren bediente sich Alfa Romeo im 450 PS starken Sportwagen 8C Competizione des bewährten Baumusters. Trotzdem ist die Alfetta heute fast völlig vergessen. In den großen Automobilbörsen des Internets sind Angebote der Limousine rar. Trotzdem sind die Preise – im Vergleich zu anderen Fahrzeugen – dieser Epoche noch vergleichsweise moderat. Für gepflegte Exemplare mit „TÜV“ und H-Zulassung ist ein Budget von rund 5.000 € notwendig.

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