Vor zwei Jahren feierte Alfa Romeo den 100. Firmen-Geburtstag, den auch wir in diesem Blog intensiv begleitet haben. Jetzt feiern die Italiener wieder einen runden Geburtstag: Denn vor 40 Jahren stellte Alfa Romeo mit der Alfetta eine Limousine vor, die mit ihren „Transaxle-System“ das Antriebskonzept der Firma in den nächsten Jahrzehnten wesentlich prägen sollte.

Motor vorn, Getriebe, Kupplung und Differential hinten – das gilt bei Autos mit Hinterrad-Antrieb als eine gute Voraussetzung für eine ideale Gewichtsverteilung. Mit der 1972 vorgestellten Alfetta machte Alfa Romeo diese Bauweise in der Welt der Limousinen salonfähig. Das Wortgebilde „Transaxle“ (lateinisch trans = hinüber und englisch axle = Achse) beschreibt diese Antriebsanordnung, bei der sich das Getriebe eines Frontmotor-Fahrzeugs an der angetriebenen Hinterachse befindet.

Alfa Romeo Alfetta Aufbau
Transaxle-Bauweise der Alfa Romeo Alfetta (Grafik: Alfa-Romeo)

Mit einer in der Tat nahezu ausgeglichenen Gewichtsverteilung ihrer 1.080 Kilogramm Leergewicht, einem sportlich abgestimmten Fahrwerk, zu dem beispielsweise – zur Reduzierung der ungefederten Massen – innenliegende Scheibenbremsen an der Hinterachse gehörten, avancierte die Alfetta zu einer der fahrdynamischsten Limousinen ihrer Zeit. Damit sorgte die 4,28 Meter lange Alfetta auf Aufsehen und besiegte in den Vergleichstests verschiedener Autozeitschriften ihre Wettbewerber.

Sportlich und sparsam

Dabei punktete die Limousine zunächst mit optimalen Handlingeigenschaften und guten Fahrleistungen. Dank seiner 1750er Maschine mit 1.779 ccm und 122 PS (bei 5.500 U/min) erreichte die Alfetta eine Höchstgeschwindigkeit von 185 km/h. Den Sprint von 0 auf 100 km/h legte sie in – damals – sportlichen 10,5 Sekunden hin.

Dabei wusste der Alfa Romeo – ebenfalls nach den Maßstäben seiner Zeit – als sparsames Auto zu punkten. Denn in einem Vergleichstest der „Anspruchsvollen in der Mittelklasse“, den die Autofahrerbibel „auto motor und sport“ am 14. April 1973 veröffentlichte, konsumierte die Alfetta mit einem Durchschnittsverbrauch von 12,0 Litern fast zwei Liter weniger als der Testgegner BMW 520 i.

Aus der Alfetta wird eine Familie

Als Alfa Romeo 1972 die Alfetta vorstellte, hat vermutlich niemand in Mailand geplant, dass die Neuvorstellung satte zwölf Jahre im Programm bleiben würde. Dazu trug bei, dass die Alfetta während ihrer gesamten Bauzeit immer wieder mit technischen und optischen Modifikationen gepflegt wurde. Dies begann, als Alfa Romeo zwei Jahre nach dem Debüt der Limousine ein dreitüriges Sportcoupé auf Basis der Alfetta vorstellte. Für die Alfetta GT hatte der Karosserieschneider Bertone eine eigenständige Karosserie in der in den frühen 1970er Jahren aktuellen Keilform entworfen.

Alfa Romeo Alfetta GT 1.8 1974
Das Sportcoupé Alfa Romeo Alfetta GT 1.8 von 1974 (Foto: Alfa Romeo)

Ein Jahr später, 1975 erweiterte man das Motorenprogramm um eine 108-PS-Version mit einem Hubraum von 1,6 Litern. Später folgten ein 2,0-Liter-Motor sowie ab 1980 der berühmte 2.5-Liter-V-6-Motor mit 158 PS Leistung. In der Limousine gab es zudem ab 1979 einen Turbodiesel. Der aufgeladene Vierzylinder des Selbstzünders holte aus einem Hubraum von 2,0 Litern 82 PS; später stieg der Hubraum um 0,4 Liter und die Leistung damit auf 95 PS.

Auch das Außenkleid der Alfetta wurde regelmäßig modifiziert. Im Herbst 1977 wichen die Chromtürgriffe als Zugeständnis an die Aerodynamik versenkten Pendants, voluminösere Stoßstangen setzen sich Parkremplern wirkungsvoller zur Wehr, die zum Anfang der 70er noch typischen vorderen Dreiecksfenster wichen großflächigen Seitenscheiben und neue Rückleuchten sowie Rechteck- statt Doppelrundscheinwerfer wiesen nun den Weg durch die Nacht.

Alles auf Anfang?

Selbst zwei Jahre, bevor man die Fertigung der Alfetta einstellte, wurde das Exterieur nochmals überarbeitet. Neben nochmals modifizierten Stoßfängern und Rückleuchten gab es nun wieder einen mit Doppelrundscheinwerfern bestückten Kühlergrill. Die nach Amerika verschifften Alfa Romeo Alfetta hatten zudem jetzt eine Einspritzanlage statt der bisher verbauten Doppelvergaser an Bord, um den Abgasvorschriften in der Neuen Welt gerecht zu werden.

1984 verließ die letzte Alfetta das Werk im norditalienischen Arese, wo heute das Museum des Herstellers zu Hause ist. Das Sportcoupé wurde sogar noch zwei Jahre länger gebaut. In zwölf Jahren hatte man dort genau 478.812 Stück der Limousine gefertigt. Die Alfetta gehört damit zu den erfolgreichsten Limousinen des Hauses.

Das Prinzip der Transaxle-Bauweise, das Alfa Romeo mit der Alfetta zum Prinzip des Hauses erklärte, lebte in der kleineren Giulietta (ab 1977), dem Alfetta-Nachfolger Alfa 90 (ab 1984), im Alfa 75 (ab 1985) sowie die Sportwagen SZ (ab 1989) und RZ (ab 1992) weiter. Vor wenigen Jahren bediente sich Alfa Romeo im 450 PS starken Sportwagen 8C Competizione des bewährten Baumusters.

Heute ist die Alfetta fast in Vergessenheit geraten. In den großen Automobilbörsen des Internets werden vergleichsweise wenige Alfetta angeboten. Die Preise sind – im Vergleich zu anderen Fahrzeugen – dieser Epoche noch vergleichsweise moderat. Für gepflegte Exemplare mit „TÜV“ und H-Zulassung muss ein Budget von rund 5.000 € einplanen.


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Alfa Romeo Alfetta (Foto: Alfa-Romeo)

Alfa Romeo Alfetta 1.6/1.8/2.0 1975-1981 (Foto: Alfa Romeo)

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