Alfa Romeo kehrt in die Formel 1 zurück. Beim näheren Hinsehen hält diese Aussage der Realität nur bedingt statt. Denn anders als früher ist die FIAT-Tochter Alfa Romeo bei ihrem Comeback mehr Sponsor als Hersteller.

Die Meldung vom Alfa Romeo Comeback in der Formel 1 klingt toll. Das schweizer Sauber Team tritt mit Motoren des italienischen Autobauers an. Daneben trägt es auch offizielle den Namen Alfa Romeo Sauber F1 Team. Seit diese Meldung am Mittwoch im Postfach lag, kauen sie zahlreiche Medien nach. Teilweise entstehen dabei haarsträubende Meldungen, denen jede Sachkenntnis fehlt. Denn mit der großen Tradition, über die Alfa Romeo in der Königsklasse des Motorsports verfügt, hat das Engagement bei Sauber nichts zu tun.

Bei Sauber rast in Zukunft nicht Romeo! Auch 2018 tritt Sauber mit Triebwerken von Ferrari an. Alfa Romeo kehrt bei Sauber nur als Label für die Motoren in die Königsklasse zurück. Daneben verlieren die bisherigen Piloten Pascal Wehrlein (sicher) und Marcus Ericsson (möglicherweise) ihr Cockpit. Stattdessen sollen in Zukunft zwei Ferrari-Junioren bei Sauber am Lenkrad drehen. Alles zusammen ist der Preis dafür, dass Sauber – anders als in diesem Jahr – in Zukunft wieder mit aktuellen Motoren aus Maranello ausrücken darf.

Besonders der mögliche Abschied von Ericsson, einem langjährigen Protegé der Sauber-Besitzer, würde überraschen. Denn die Eigner kauften das Team wegen eines Cockpits für den Schweden. Sollten sie sich jetzt tatsächlich gegen Ericsson, dann ist das ein deutliches Zeichen. Denn Sauber war in der abgelaufenen Saison WM-Schlusslicht. Die Autos waren weitgehend werbefrei. Alles zusammen sieht danach aus, dass der Deal mit FIAT das Überleben des Teams sichert.

Badge-Engineering in der Königsklasse

Für die Umbenennung der Ferrari-Motoren in Alfa Romeo kennt die Autoindustrie den Begriff Badge-Engineering. Er beschreibt, wenn mehrere Hersteller das Gleiche unter unterschiedlichen Namen anbieten. Historisches Beispiel ist der Audi 50, den es bei der Audi-Mutter Volkswagen als VW Polo gab. Auch in der Königsklasse des Motorsports ist Badge-Engineering nicht neu.

Immer wieder setzen Teams Chassis eines etablierten Rennwagen-Bauers ein. Aktuell stammt der Rennwagen von Haas aus dem Hause Dallara. Die Formel-1-Regeln lassen das zu. Voraussetzung ist nur, dass das Chassis exklusiv für den Auftraggeber entsteht. Dabei gibt es regelmäßig Grenzfälle. Mir fällt spontan der Ligier JS41 ein. Der war vor gut 20 Jahren ein Zwilling des Benetton B195 und sorgte für lange Diskussionen.

Auch Red Bull verfolgte mit seinen Teams zeitweise eine Gleichteile-Strategie. Doch viel üblicher ist das Umbenennen bei Motoren. Der erfolgreiche TAG-Turbo war ein Porsche. Das Handelsunternehmen TAG bezahlte die Entwicklung des Motors. Für Porsche ein gutes Geschäft. Zu den Einnahmen kam gute Werbung. Niki Lauda und Alain Prost fuhren mit dem „TAG“ zu drei WM-Titeln und ließen auch Porsche strahlen.

Motoren-Namen sind variabel

Trotzdem ist die Erfolgsgeschichte des TAG eher die Ausnahme. In der Regel war ein neuer Name für einen Motor meist ein Trick, um den offiziellen Ausstieg eines Motorenbauers zu kaschieren. Aus dem BMW-Turbo wurde nach dem BMW-Abschied der Megatron. Die Peugeot-Triebwerke liefen bei Arrows unter dem Namen Asiatech weiter. Die Renault-Motoren hießen zeitweise Mecachrome, Supertec oder Playlife.

Manchmal nutzen Teams und Motorenbauer die Umbenennung auch, um zusätzlichen Platz für Sponsoren zu bieten. Im vergangenen Jahr nannte Red Bull seine Renault-Motoren daher TAG HEUER. Insofern ist das, was die Fiat-Tochter Alfa Romeo jetzt bei Sauber macht, alles andere als neu. Neu ist allerdings, dass ein Autohersteller bei diesem Spiel seinen Namen auf ein Fremdfabrikat klebt. Dass dieser Autohersteller über eine umfangreiche Tradition in der Königsklasse verfügt, macht die Sache nicht besser.

Alfa Romeo in der Formel 1

Denn Alfa Romeo dominierte die Formel 1 in den ersten Jahren. 1950 und 1951 gewann der Autobauer mit seinem Werksteam zehn Rennen. Dazu fuhren Giuseppe „Nino“ Farina und Juan Manuel Fangio zu zwei WM-Titeln. Trotzdem trat Alfa 1952 nicht mehr an. In den 1970er-Jahren kehrten die Italiener zunächst als Motorenlieferant zurück. 1970 bei McLaren und 1971 bei March mit einem V8, der auf dem Triebwerk des Sportwagen Tipo 33 basierte. Ab 1976 bei Brabham mit einem neuen Zwölfzylinder. Der Allianz aus Großbritannien und Italien verlängerte die Alfa-Story um zwei weitere Siege.

1979 kehrte das Werksteam Autodelta als Chassishersteller in die Königsklasse zurück. 1983 übernahm das private Euroracing Team den Werkseinsatz. Doch da war der Autobauer Alfa Romeo längst ein Sanierungsfall. Angesichts tiefroter Zahlen in den Bilanzen zog sich das Unternehmen Ende 1985 offiziell aus der Formel 1 zurück. Scheitern gehört in der Formel 1 zum Handwerk. Trotz des Rückzugs durfte Osella übrigens bei 1988 weiter den 1,5-Liter-V8-Turbo aus Mailand einsetzen. Zudem vereinbarte Alfa ab 1987 ein Comeback mit Ligier. Doch dazu kam es nicht. Fiat übernahm Alfa Romeo 1986 und beendete das Engagement beim französischen Team.

Alfa Romeo bei Sauber schließt trotzdem einen Kreis

Inzwischen belebte FIAT die Marke Alfa Romeo wieder. Schon seit einiger Zeit wirbt Fiat auf der Motorabdeckung der Ferrari für sein Tochterunternehmen. Die Zusammenarbeit mit Sauber rückt Alfa Romeo jetzt noch stärker in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Und irgendwie schließt sich mit diesem Schritt ein Kreis. Denn Enzo Ferrari war Werksfahrer bei Alfa Romeo. Die 1929 gegründete Scuderia Ferrari setzte zunächst Rennwagen von Alfa Romeo ein.

Der große Tazio Nuvolari 1935 beim Grand Prix de Pau
Der große Tazio Nuvolari 1935 beim Grand Prix de Pau. Nuvolari steuert einen Alfa Romeo, den die Scuderia Ferrari einsetzt. Der Italiener gewinnt das Rennen, das 1935 nicht zur Europameisterschaft zählt. (Foto: Bibliothèque nationale de France)

In den 1930er-Jahren führte Ferrari sogar das offizielle Alfa-Werksteam. 1939 kam es zum Bruch. Der Autobauer drängte darauf, die Scuderia in die Rennabteilung Alfa Corse einzugliedern. Die Aufhebungsvereinbarung sah vor, dass Enzo Ferrari seinen Namen vier Jahre lang nicht für ein Auto verwenden durfte. Gut 80 Jahre später gibt Alfa Romeo den Kundenmotoren der Scuderia Ferrari seinen Namen.

Ihr interessiert Euch für die ganze Geschichte von Alfa Romeo in der Formel 1? Dann findet Ihr in unserem Themenspezial die wichtigsten Fakten.

2 Kommentare

  1. Michael Alf Reply

    Da wird auch eine Technikpartnerschaft draus, der FIAT und Alfa-Boss hat das ja ganz klar gesagt. Die Alfa-Techniker und Sauber loten da gerade die Möglichkeiten aus.

    • Solange die Regeln vorsehen, dass ein Hersteller seinen Motor einer bestimmten Anzahl von Teams zur Verfügung stellen muss, wird das nicht passieren. Deshalb heißen die Motoren in der nächsten Jahren ja auch noch Ferrari.

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