Rund 5.000 Kilometer müssen die neuen Turbo-Motoren der Formel 1 halten, damit ein Pilot ohne Strafen durch die Saison kommt. Denn die Piloten dürfen pro Saison nur noch fünf Motoren einsetzten. Theoretisch sind die Motoren auch für Le Mans geeignet. Doch wie realistisch ist die Rückkehr der großen Marken?

Die Entwicklung von Formel 1 Motoren ist teuer. Schon vor mehr als 20 Jahren wollte Formel 1 Zampano Bernie Ecclestone deshalb, dass die Formel 1 Motoren auch im Langstreckensport eingesetzt werden. Mit diesem Schritt wollte der findige Brite mehr Hersteller in die Königsklasse locken und gleichzeitig die Kontrolle über die Sportwagen-Szene gewinnen. Denn die damaligen Sportwagen der Gruppe C erfreuten sich bei den Fans einer großer Beliebtheit, galten sogar als Gefahr für das Geschäft der Formel 1. Doch die Umstellung der Sportwagen auf die 3,5 Liter großen Saugmotoren war ein Rohrkrepierer, der das Ende der großartigen Sportwagen der Gruppe C herbeiführte.

Beim Neustart des Sportwagensports ging der ACO als Gralshüter der Sportwagenszene eigene Wege, machte sich soweit es geht von der FIA unabhängig. Bis heute haben sich die Franzosen diese Machtposition bewahrt. Sportwagenregeln entstehen primär in Le Mans, auch wenn die FIA inzwischen wieder eine Weltmeisterschaft ausschreibt. Man hat sich offensichtlich arrangiert.

Möglicherweise schweißt auch der Druck von außen die Partner FIA und ACO zusammen. Denn das absehbare Ende der Erdölförderung macht Motorsport angreifbar. Überall im Sport reifen deshalb zurzeit „grüne“ Konzepte. Energierückgewinnung ist im Spitzenmotorsport fast schon Standard. Sowohl die Formel 1 als auch die Sportwagen in Le Mans sind damit ausgerüstet.

Unverkennbar ist auch der Trend zu kleineren Motoren.

Porsches neuer LMP1-Rennwagen Porsche 919 Hybrid wird von einem Zweiliter-Vierzylinder-Turbomotor, der von Elektromotoren unterstützt wird, angetrieben. Der Dieselmotor im Audi R18 ist mit „nur“ 3,7 Litern ebenfalls vergleichsweise klein. In den Vorgängern R15 und R10 schöpften die Piloten ihre Antriebskraft noch aus 5,5 Liter großen Aggregaten.

Grundsätzlich passen auch die Formel-1-Motoren der anstehenden Turbo-Generation ins Sportwagen-Reglement. Mit Renault und Ferrari haben sich bereits zwei Hersteller in den vergangenen Tagen zur Option „Le Mans“ geäußert. Denn obwohl es eine Sportwagen-Weltmeisterschaft gibt, im Moment verspricht „nur“ das legendäre 24-Stunden-Rennen von Le Mans soviel Renommee, dass sich das Engagement im Sportwagensport lohnt.

Während sich Renault ein Engagement als Motorenlieferant vorstellen kann, plant Ferrari einen LMP1.

Renault hat bereits im vergangenen Sommer, als auch ich in Le Mans war, die Marke Alpine nach Le Mans zurückgebracht. Konzernschwester Nissan verdient als Motorenlieferant in der LMP2 gutes Geld. Bisher war Alpine nur ein Label für den bekannten Nissan-Motor. In Zukunft soll Alpine eine Sportwagenversion des neuen Formel 1 Motors anbieten. Das kann auch deshalb Sinn machen, weil es in Le Mans bisher keine Testbeschränkung gibt. Ein Sportwagenteam kann „unendlich“ viel testen.

Offiziell plant Renault bisher keine Rückkehr als Fahrzeughersteller, der um den Gesamtsieg an der Sarthe kämpft. Doch Renault wird zusammen mit Caterham ein Alpine-Serienmodell auf die Räder stellen. Mit einem Auftritt in Le Mans lässt sich dieses Comeback hervorragend begleiten. Wobei die Franzosen dazu nicht in der Topklasse LMP1 antreten müssen. Aufmerksamkeit würde Alpine auch mit einem Klassensieg in der LMP2 garantiert sein – ohne gegen Porsche, Toyota, Audi oder Ferrari kämpfen zu müssen.

Denn Ferrari will zurück nach Le Mans!

Ferrari in Le Mans, eigentlich ist das eine Sensation des Monats. Ferrari-Boss Luca di Montezemolo hat einen LMP1-Prototypen von Ferrari als möglich bezeichnet. Nicht nur das neue Motoren-Reglement treibt Ferrari zurück in den Langstreckensport, sondern die auch Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern.

Denn für das Zeitalter der ab 2015 in der Formel 1 vorgeschriebenen Budgetobergrenze hat Ferrari rund 100 Leute zu viel an Bord. Diese möchte Ferrari mit einem Auftritt in Le Mans weiterbeschäftigen. Schon 2016 könnte ein Sportprototyp von Ferrari am Start stehen, so Luca di Montezemolo bei einem Termin in Italien.

Genaugenommen wäre Ferrari in Le Mans eine Rückkehr.

Denn bis in die 1970er-Jahre war Ferrari gleichzeitig in der Formel 1 und im Langstreckensport aktiv. Der Ferrari 512M war Herausforderer des Porsche 917 – nicht nur im Kinofilm Le Mans. Der Ferrari 312PB kämpfte mit Matra in Le Mans um den Sieg. Doch weil Ferrari gleichzeitig in der Formel 1 den Anschluss verloren hatte, konzentrierte sich das Team Ende 1973 auf den Einsatz der Monoposti.

Mich überrascht die Rückkehr nicht. Ich glaube sogar, dass die Italiener schon länger an diesem Plan arbeiten. Bisher sind die Italiener im Langstreckensport „nur“ in der GT-Klasse aktiv. In der LMGTE Pro, der Top-Klasse des GT-Sports, vertritt Spitzenteam AF Corse das Werk mit dem Ferrari F458 Italia. Schon im Sommer habe ich mich über den Fahrerkader der Italiener gewundert.

Denn ein typischer GT-Fahrerkader ist das nicht, was für AF Corse und Ferrari auf der Langstrecke ins Lenkrad greift. Mit dem Italiener Matteo Malucelli und dem Finnen Toni Vilander gelten nur zwei der sechs Werksfahrer als ausgewiesene GT-Spezialisten. Die anderen Piloten des Teams sind Giancarlo Fisichella, Kamui Kobayashi, Gianmaria Bruni und Olivier Beretta – allesamt ehemalige Formel 1 Piloten im besten Langstreckenalter.

Fisichella gewann Formel 1 Rennen. Kobayashi, dem zurzeit bei Caterham Chancen auf ein Comeback in der Königsklasse des Motorsports nachgesagt werden, stand in der Formel 1 immerhin schon auf dem Podest. Bruni und Beretta gewannen Rennen in der Formel 3, GP2 und Formel 3000. In der Formel 1 konnten sie sich nicht durchsetzten, gelten im Langstreckensport inzwischen jedoch als sehr angesehene Piloten.

Auch der seltsame Test eines LaFerrari mit Turbo-Motor bekommt mit der Ankündigung von Luca di Montezemolo einen völlig neuen Sinn. Möglicherweise ist Ferrari viel weiter, als der Chef jetzt den Eindruck erwecken will. Es könnte auf der Langstrecke richtig spannend werden. Nichts gegen die jüngsten Erfolge von Audi. Doch deren Herausforderer Peugeot und Toyota fehlte auf Dauer bisher der Atem, um ernsthaft mit den Deutschen zu kämpfen.

Ein echter Wettkampf zwischen Porsche und Ferrari in Le Mans dagegen würde die Fans weltweit elektrisieren. Mal gucken, was sich jetzt in Stuttgart tut. Im Moment ist Mercedes der einzige Motorenhersteller der Formel 1, der sich noch nicht zu Le Mans geäußert hat.


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Jacky Ickx im Ferrari 312 PB, der als letzter Ferrari in Le Mans um den Sieg kämpfte. (Foto: Lothar Spurzem)

Jacky Ickx im Ferrari 312 PB, der als letzter Ferrari in Le Mans um den Sieg kämpfte. (Foto: Lothar Spurzem)

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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

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