Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Doch es gibt Autos, die provozieren Widerspruch. Der Audi A1 citycarver ist so ein Fall. Denn wir fragen uns, wie lange trägt die Erfolgswelle der SUV und Crossover die Hersteller noch?

Heute sind SUV und Crossover überall. Vor ein paar Jahren gab es diesen Fahrzeugtyp nur in der Oberklasse oder zumindest der oberen Mittelklasse. Doch es folgte, was immer folgt. Eine neue Produktform gleitet von oben nach unten durch den Markt. Die BWL-Lehrbücher nennen das Abschöpfungsstrategie. Doch der Nachwuchs deutscher Autobauer spricht heute bevorzugt „Denglisch“.

Insofern bin ich mir sicher, dass in internen Dokumenten zum Audi A1 citycarver vermutlich irgendwas von „Fortsetzung unser Skimmingstrategie“ steht. Das klingt ja gleich viel weltmännischer. Und das kann das Auto gebrauchen. Denn inzwischen ist die Kompaktklasse durch. Sie alleine bietet schon mehr als genug Hochgebocktes. Im Kampf um Kunden nehmen sich die Hersteller inzwischen die Kleinwagen vor.

Der Audi A1 citycarver ist ein Wiedergänger des VW Cross Polo

Die Idee SUV verkommt auf dem Weg durch die Fahrzeugklassen immer mehr zum „Crossover“. Als solches beschreiben Musiker traditionell die Verschmelzung unterschiedlicher Genres. Damit passt der Begriff „Crossover“ perfekt zum Audi A1 citycarver. Denn beim A1 citycarver nimmt ein Kleinwagen optisch Motive eines SUV auf. Ohne jedoch dessen Eigenschaften wirklich in die Klasse der Kleinwagen zu transportieren.

Audi A1 citycarver
Unterwegs in Hamburg: der Audi A1 citycarver in seinem natürlichen Revier (Foto: Audi)

Um beim Bild der Musik zu bleiben, das ist in etwa so, wenn ein Popmusiker drei Zeilen Rapmusik in den Refrain einbaut. Denn im Prinzip beschränkt sich Audi beim A1 citycarver darauf, dem Kleinwagen mehr Bodenfreiheit zu verpassen. Das kennen wir seit dem VW Cross Polo. Es ist spannend, dass die Luxus-Tochter Audi diesen Weg wählt, wo die Konzernmutter mit dem T-Cross bei den Kleinwagen einen eigenständigen SUV verkauft.

Der Rest ist Marketing!

Weltklasse, wie Audi in seinen Presseunterlagen den Audi A1 citycarver verkauft! Das animiert mich zu einem Höchstlob an die Marketingverantwortlichen. Denn das „progressivste Kompaktmodell mit den vier Ringen“ beschränkt sich auf eine gut vier Zentimeter höher gelegten Karosserie und einen robusten Look. Daneben bietet der A1 citycarver „frische Farben“ und „viele Möglichkeiten zur Individualisierung“.

Wem jetzt ein gepflegtes „Blender“ durch den Kopf schießt, den korrigiere ich nicht. Der A1 citycarver schwimmt begleitet von maximalem Marketing-Gewäsch auf der aktuellen SUV-Welle mit. Wie die Wettbewerber verzichtet auch Audi beim hochgelegten Kleinwagen auf Allradantrieb. Denn Allradantrieb ist teuer, den dadurch notwendigen Aufpreis gibt die Fahrzeugklasse nicht her.

Deshalb beschränken sich die Hersteller bei ihren „Klein-SUV“ darauf, diesen mehr Bodenfreiheit zu verpassen. Daneben gibt es dann ein paar „Geländeapplikationen“, fertig ist die Laube. Am Ende reduziert sich das Ganze auf eine einfache Regel: Wer höher sitzen will, der muss mehr zahlen! Der neue Audi A1 citycarver ist ein gutes Beispiel für diese Vorgehensweise.

Heckansicht des Audi A1 citycarver
Heckansicht des Audi A1 citycarver … aufgenommen auf der Abfahrt der Köhlbrandbrücke (Foto: Audi)

Denn natürlich kostet der Audi A1 citycarver mehr als der Audi A1 Sportback. Wo das Grundmodell des „normalen“ A1 bei 20.300 Euro liegt, startet der A1 citycarver bei 22.100 Euro. In beiden Fällen sorgt ein Dreizylinder mit 95 PS Leistung für Vortrieb. Wobei der Sportback in diesem Fall auf Stahlrädern mit Radvollblenden rollt. Der citycarver steht immer auf Aluminium-Gussrädern im 10-Speichen-Design.

Diese Felgen sind beim Sportback erst bei höheren Ausstattungslinien Serie. Wer das Grundmodell des normalen A1 auf diese Felgen stellt, zahlt einen Aufpreis von 1.100 Euro. Was den Mehrpreis von 1.800 Euro etwas relativiert. Wenn wir an dieser Stelle großzügig darüber hinwegblicken, dass der citycarver auf 205er-Reifen rollt. Denn der Sportback steht auch mit zusätzlich georderten Felgen „nur“ auf 195er-Reifen.

Der A1 bleibt sich auch als citycarver im Kern treu!

Wobei der seit 2018 angebotene A1 keine schlechte Basis darstellt. Der Kleinwagen von Audi basiert inzwischen auf der zweiten Generation des Modularen Querbaukasten (MQB) des VW-Konzerns. Seit gut zwei Jahren ist dieses Baukastensystem noch stärker als bisher skalierbar. Weshalb die Konzernmutter inzwischen bei seinem Baukastensystem die Größenzeichnungen A0 bis A2 führt.

A0 steht für die Kleinwagen Audi A1, VW Polo, Seat Ibiza oder Škoda Scala. Auch die hochbeinigen Modelle VW T-Cross und Škoda Kamiq entsprechen dem A0-Format. A1 steht für die kompakten Modelle VW Golf und T-Roc. Die Großformate Audi Q3 oder Škoda Kodiaq entsprechen dem Format A2. Auch die Nachfolger von VW Passat und Škoda Superb werden auf dem A2-Format basieren.

Welche Motoren bietet Audi im Audi A1 citycarver an?

Zum Start bietet Audi im A1 citycarver zwei Dreizylinder an. Beide Motoren sind mit Turboaufladung und Direkteinspritzung technisch auf der Höhe der Zeit. Neben dem Grundmodell mit 95 PS Leistung gibt es eine 116 PS Variante. In der Audi-Sprache heißen die Modelle 25 TFSI und 30 TFSI. Das zweite Aggregat kennen treue Leser dieses Blogs von der Testfahrt des VW up! GTI.

Wer auf die Kraft von vier Zylindern bauen will, der muss noch etwas warten. Denn der 35 TFSI mit dem 1,5-Liter großen Vierzylinder folgt erst in einigen Wochen. Alle im Audi A1 citycarver angebotenen Motoren treiben den A1 übrigens ausschließlich über die Vorderräder an. Allradantrieb bietet Allrad-Pionier Audi in dieser Fahrzeugklasse nicht an.

Sonst hieße der kleine SUV wohl auch Q1, aber lassen wir das. Natürlich findet der Audi A1 citycarver seine Kunden. Auch wenn dieser Crossover in unseren Augen wieder eines der Fahrzeuge ist, die kein Mensch benötigt. Aber über Geschmack lässt sich nicht streiten.

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