1987 wollte die FIA mit der Gruppe S den Rallye-Sport revolutionieren. Den Regelhütern war klar, dass das unfassbare Wettrüsten der Gruppe B nicht durchzuhalten war. Die Hersteller stöhnten über die Kosten. Doch nach dem Drama von Korsika überlegte es sich die FIA anders, die Gruppe S durfte nie ausrücken.

Offiziell sollte die neue Fahrzeugklasse mehrere Probleme auf einen Streich lösen. Die Limitierung der Leitung sollte die Sicherheit verbessern. Die Zulassung von Prototypen sollte die Kosten und damit die Zugangshürden senken. Denn in der Gruppe B mussten die Hersteller 200 Exemplare eines Fahrzeugmodells bauen, um die Zulassung für die Fahrzeugklasse zu erhalten.

Diese Hürde schloss kleinere Hersteller praktisch aus. Denn da ein konkurrenzfähiger Gruppe B erst als Rennwagen entstand, um dann das Serienmodell davon abzuleiten, war das Angebot der Homologationsmodelle praktisch für alle Hersteller ein Verlustgeschäft. Doch als auf Korsika mit Henri Toivonen der Fixstern der Rallye-Szene tödlich verunglückte, kam alles anders. Die FIA rief die Gruppe A zur Rallye-Klasse aus.

Heute ist bekannt, dass sich mindestens vier Hersteller aktiv mit der Arbeit an einem Gruppe S Prototypen beschäftigten.

  • Lancia zeigte schon im Dezember 1986 auf der Bologna Motorshow seinen Lancia ECV genannten Prototypen. Optisch ein Ableger des 1986 von der Fiat-Tochter eingesetzten Lancia Delta S4.
  • Toyota arbeitete an einem Über-MR2. Ein typischer Gruppe B mit breiten Backen und einer Kunststoff-Karosserie. Gut möglich, dass der MR2 ein Gruppe B werden sollte und Toyota dann keinen Markt für 200 Exemplare sah.
  • Opel baute einen Kadett E 4×4. Die Orientierung an einem Serienmodel lässt auch bei den Rüsselsheimern daraufhin deuten, dass Opel das Gruppe S Reglement als Gruppe B ohne Zugangshürde verstand.

Audi ging bei seinem Audi Gruppe S Prototyp deutlich weiter!

Bei Audi Sport entstand ein echter Prototyp ohne allzu viel Bezug zu den Vorgängern der Gruppe B oder gar zu einem Serienmodell. Viel mehr als die Türgriffe dürfte beim Audi Gruppe S nicht aus der Serie stammen. Der Prototyp ist mehr als seine potenziellen Wettbewerber als konsequentes Sportgerät ausgelegt.

Auf der Techno Classica 2016 hatte ich das Vergnügen, den Gruppe S bestaunen zu dürfen. Jetzt war der Prototyp auch auf der Strecke unterwegs. Beim Eifel Rallye Festival war Walter Röhrl mit dem Prototypen seines damaligen Arbeitgebers unterwegs. Leider konnte ich nicht vor Ort sein, da ich am vergangenen Wochenende in Spa-Francorchamps zwei Rennen moderieren durfte. Trotzdem habe ich ein paar Fotos – dank der Unterstützung durch Audi – die Möglichkeit, Euch den den Audi Gruppe S Prototyp in Aktion zeigen.

Quasi als Bonus gibt es dazu auch noch ein paar Fotos, die erstmals das Innere des Einzelstücks zeigen. Audi entschied sich für einen Turbomotor. 1,2 Liter betrug der Hubraum, den die FIA für Turbofahrzeuge vorsah. Trotzdem wollte Audi auf in der Gruppe S – wie schon im legendären Quattro – auf einen Fünfzylinder setzen. Schließlich war damals mit Ferdinand Piëch ein ausgewiesener Freund des Fünfzylinders Chef bei Audi.

1 Kommentar

  1. Lancia wäre denen mit dem Lancia ECV sowas von umme Ohren gefahren. Genauso, wie der Delta den 200 turbo verhauen hat.

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