Vor ein paar Tagen war ich mit Tom zu einem Termin in Ingolstadt. Das war eine gute Gelegenheit, um endlich einmal das Audi Forum und das Audi Museum zu besuchen. Einige Bilder, die dabei entstanden, haben wir bereits bei Instagram und Facebook gepostet. Jetzt zum Ferienbeginn habe ich mir endlich etwas Zeit genommen, um Euch das Museum auch hier im Blog etwas genauer vorzustellen.

Audi rollt mit dem Museum die gesamte Geschichte des Unternehmens auf. Die ist für junge Autofans wie mich nicht besonders übersichtlich. Audi ist eine Tochter von VW, die von 1964 bis 1966 schrittweise zum Bestandteil des Autoreichs der Wolfsburger wurde. Damals hieß das Unternehmen noch Auto Union und war ein Sanierungsfall. Zu lange hatte die Auto Union am Zweitakter ihrer Marke DKW festgehalten.

Verkäufer der Auto Union war übrigens Daimler Benz. Die Stuttgarter hatten das Unternehmen Ende der 1950er-Jahre Jahre mehrheitlich von der Firma Rheinmetall und dem gemeinsamen Großaktionär Karl-Friedrich Flick übernommen. Daimler-Benz traf in der kurzen Zeit, die die Stuttgarter die Auto Union führten, wichtige Entscheidungen. So verabschiedete sich die Auto Union zum Beispiel unter dem Druck aus Stuttgart von den Zweitaktern. Das machte 1965 aus den Fahrzeugen der Auto Union (und ihrer Marke DKW) Audi-Modelle.

Trotzdem wurde Daimler-Benz mit seiner Tochter wohl nicht wirklich glücklich, denn als sich die Gelegenheit bot, da reichten die Stuttgarter das Unternehmen an Volkswagen weiter. In Wolfsburg verbanden die Verantwortlichen in diesem Schritt die Hoffnung, von der Monokultur des Käfers wegzukommen. Eine gute Entscheidung, wie sich schnell zeigte. Denn in den Modellen Polo und Golf, die VW in den 1970er-Jahren aus der Krise fuhren, findet sich jede Menge Technik aus Ingolstadt (Auto Union) und Neckarsulm (NSU).

Bilder aus dem Audi Museum in Ingolstadt

Denn im August 1969 erwarb Volkswagen dann auch noch NSU, um dieses Unternehmen mit seiner Tochter Auto Union zu fusionieren. Der Kauf von Marken begann in Wolfsburg also nicht erst in der jüngeren Gegenwart. Aus der Fusion mit NSU entstand die heutige Audi NSU AG. 1977 blieb der NSU RO 80 ohne echten Nachfolger. Einige Jahre später strich Audi die Bezeichnung NSU auch aus dem Firmennamen.

Um das Audi Museum zu verstehen, muss der Auto-Fan noch weiter in die Geschichtsbücher zurückblicken. Die Auto Union wurde ursprünglich in Chemnitz gegründet. Als Zusammenschluss der Autobauer Audi, DKW, Horch und Wanderer. Audi und Horch bauten damals große Luxusfahrzeuge. Wanderer bediente die obere Mittelklasse. DKW verkaufte Autos für den kleinen Mann und kleine Gewerbebetriebe. Die Weltwirtschaftskrise setzte allen vier stark zu. Daher setzte die damalige Sächsische Staatsbank auf eine Fusion ihrer Kunden, um Kosten zu senken.

Nach der Teilung Deutschlands lagen die Fabriken der Auto Union in der Sowjetisch besetzen Zone. Die Sowjets und die SED machten aus den Unternehmen volkseigene Betriebe. Nicht ohne das Unternehmen im Handelsregister von Chemnitz ordnungsgemäß zu liquidieren. Das ermöglichte einigen Ex-Mitarbeitern, darunter der Vater des späteren VW-Chefs Carl Hahn, eine Neugründung im Westen. Sie lockte das Ersatzteilgeschäft. Denn besonders die robusten Zweitakter der Marke DKW waren vor dem Krieg auch im Ausland echte Verkaufsschlager. In Ingolstadt und auf dem Gelände einer ehemaligen Waffenfabrik in Düsseldorf – Daimler-Benz baut dort heute Transporter – nahm die neue Auto Union bald auch den Autobau auf.

Wie ist das Museum Audi museum mobile aufgebaut?

Dieser weitläufige Rückblick ist notwendig, um das Audi Museum zu verstehen. Denn Audi nimmt sich auf mehreren Etagen der gesamten Geschichte aller Marken an, die als Audi-Vorläufer gelten. Damit spannt Audi einen großen Bogen von den Fahrzeugen aus der automobilen Gründerzeit bis zu den aktuellen Highlights des aktuellen Modellprogramms. Wo der Platz nicht reicht, um Exponate im Format 1:1 auszustellen, setzen die Verantwortlichen auf Modellautos. Besonders schön fand ich die gebogene Vitrinenwand im Keller. Dort gibt es – im Maßstab 1:32 – alle Fahrzeuge der Unternehmensgeschichte. Natürlich inklusive der zahlreichen Le Mans Rennwagen, wodurch ich im Museum einige Modelle fand, die auch bei mir in der Vitrine stehen.

Imposant fand ich auch den Auto Union Rennwagen aus den 1930er-Jahren. Das im Museum ausgestellte Fahrzeug ist der einzige erhaltene Originalrennwagen. Er landete als Teil von Reparationszahlungen nach dem Krieg in die Sowjetunion. Audi kaufte den Bergrennwagen vor einigen Jahren zurück. Natürlich kenne ich Bilder davon, wie Piloten wie Bernd Rosemeyer oder Hans Stuck diese Rennwagen früher über die Nordschleife prügelten. Doch ich hätte mir nicht vorgestellt, wie groß und trotzdem zerbrechlich die Rennwagen damals waren. Nachvollziehbar, warum Motorsport damals so gefährlich war. Trotzdem würde ich so einen Rennwagen gern einmal selbst bewegen.

Gefallen hat mir auch der offene Paternoster am Rand der Ausstellungsräume. Auf ihm rotieren bei unserem Besuch in Ingolstadt ausschließlich NSU – „Schätze aus Neckarsulm“ nennt Audi das. Natürlich ist ein NSU TT dabei. Dazu aber auch Rennwagen und ein Motorrad, das für NSU zu Geschwindigkeitsweltrekorden fuhr. Ich habe gerade meinen Mofa-Führerschein gemacht. Daher faszinierte mich das vollverkleidete Motorrad NSU Baumm II besonders. Dazu gefiel mir auch ein Rennwagen, der in den USA in Freizeitparks von den Besuchern zu fahren war. Audi stellt ihn aus, da er von einem Wankel-Motor von NSU angetrieben wird. Falls der Vorkriegswagen also nicht für Nachkriegsblogger in Betrieb genommen werden kann, würde ich auch bei dem Malibu Grand Prix nicht Nein sagen. Dafür würde ich sofort noch mal nach Ingolstadt kommen.

Sonderausstellung: Tatü-tata die Polizei ist da!

Zusätzlich zur regulären Ausstellung gibt es im ersten Stock des Museums einen Bereich, der regelmäßig umgebaut wird. Bei meinem Besuch in Ingolstadt standen dort 14 historische Streifenwagen sowie einige Polizei-Motorräder. Bis Ende August würdigt Audi damit acht Jahrzehnte motorisierte Polizeiarbeit. Denn während in den USA Streifenwagen schon zur Jahrhundertwende in Mode kamen, setze die Polizei in Deutschland erst nach dem Ersten Weltkrieg auf Motorisierung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lieferten sowohl die Auto Union als auch NSU Fahrzeuge an die Polizei. Besonders gefallen hat mir ein NSU Prinz 4 von 1964, der bei der Autobahnpolizei in Münster im Einsatz war. Interessant, das Audi sich in diesem Teil der Ausstellung nicht nur auf „eigene“ Produkte beschränkt. So stehen auch ein BMW 501, der wohl aus einer mir unbekannten TV-Serie stammt, ein Porsche 356 im Audi Museum und ein Wartburg 353 aus der „DDR“ in den Ausstellungsräumen.

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