Treue Leser unsers Blogs kennen unsere Zurückhaltung beim Elektroauto. Doch die Studie des Elektrosportwagens Audi PB18 e-tron bricht mit zahlreichen Konventionen. Das macht die Studie selbst für uns interessant.

Die Frage nach der Zukunft des Audi R8 beschäftigt die Fans des Sportwagens schon länger. Gerüchte über eine Einstellung des Sportwagen-Programms halten sich kontinuierlich. Auch wenn einige Fans an dieser Stelle gerne auf die zahlreichen verkauften GT3-Rennwagen, was nur mit einem entsprechenden Serienmodell funktioniere, verweisen. Ich frage mich immer, ob die Controller bei Audi das wohl ähnlich sehen. Denn Controller beantworten solche Fragen ausschließlich auf Basis von Faktoren wie Deckungsbeitrag und Umsatzrendite. Alleine die Marktführerschaft im Bereich der GT3-Fahrzeuge ist für diese BWLer kein Wert, um ein Modell im Programm zu halten.

Zudem ist offen, wie gesellschaftskompatibel ein Sportwagen wie der aktuelle Audi R8 V10 plus noch ist beziehungsweise in vielleicht fünf oder zehn Jahren sein wird. Zumindest in Deutschland erleben wir zurzeit einen absurden Abgesang auf den Verbrenner. Emissionen und Lärm sollen aus unseren Städten verschwinden. Leider vergessen viele der Diskutierenden bei dieser Diskussion, dass sie mit dem von ihnen angestrebten Umstieg auf das Elektroauto die Emissionen nur verlagern. Dazu kommt eine absurde Ausbeutung der Natur, um die Rohstoffe für den Bau von Batterien abzubauen. Doch lassen wir das. Nehmen wir für einen Moment mal an, dass dem Elektroauto die Zukunft gehört.

Gute Studien stehen wir ungewöhnliche Ideen – der Audi PB18 e-tron zeigt warum!

Der Blick auf die Studie Audi PB18 e-tron, die ein Vorbote eines elektrischen R8-Nachfolgers sein dürfte, lohnt aus mehreren Gründen. Der erste Grund ist einfach: Der Audi PB18 e-tron sieht hinreißend aus. Ich habe lange keine Studie gesehen, die mir so gut gefallen hat, wie diese Sportwagen-Studie. Zuletzt war das wohl beim Mazda RX_VISION und seinem viertürigen Ableger der Fall. Sonst begeistern mich Studien oft nicht.

Die Studie PB18 e-tron ist übrigens 4,53 Meter lang und zwei Meter breit. Dank des Radstands von 2,70 Metern fallen die Überhänge kompakt aus. Das trägt viel zum knackigen Eindruck der Studie bei. Doch das optische Highlight des 1,15 Meter hohen Sportlers ist das Heck. Shooting-Brake nennen Freunde des Auto-Designs diese Form. Das nahezu senkrecht stehende Heckfenster sorgt für ein Kofferraumvolumen von 470 Litern. Ins wäre großartig, wenn Audi das eines schönen Tages wirklich so bauen würde. Aber natürlich weiß ich, dass leider genau solche Highlights auf dem Weg zum Serienmodell gerne verloren gehen.

Doch der PB18 e-tron sieht nicht nur toll aus, Audi stellt mit der Studie auch eine radikale Fahrmaschine vor. Das hat zunächst sicher viel mit dem E-Antrieb zu tun. Schließlich liefern Elektromotoren bereits ab der ersten Umdrehung ihr maximales Drehmoment. Kenner wissen, dass das Drehmoment maßgeblich den Fahrspaß bestimmt. 830 Newtonmeter stehen im Audi PB18 e-tron zur Verfügung. Dazu nutzt die Studie drei Elektromotoren, um alle vier Räder anzutreiben.

Einer treibt, wie beim Le-Mans-Prototypen Audi R18 e-tron, dessen grundlegende Fahrwerksarchitektur die Studie nutzt, die Vorderachse an. Zwei weitere Elektromotoren sind mittig zwischen den Achsschenkeln positioniert und treiben über Halbwellen direkt jeweils ein Rad an. Zusammen leisten sie 680 PS (500 kW). Kurzzeitig stehen im Boost-Mode sogar bis zu 775 PS (570 kW) zur Verfügung. Damit beschleunigt der Sportwagen von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde in kaum mehr als zwei Sekunden.

Diese Dynamik unterstützt der konsequente Leichtbau der Studie. Der Mix aus Aluminium, Karbon und Verbundwerkstoffen sowie einer vergleichsweise leichten Festkörperbatterie führt zu einem niedrigen Grundgewicht von rund 1.550 Kilogramm. Doch die flüssigkeitsgekühlte Festkörperbatterie ist nicht nur leicht, sie lässt sich dank einer Ladespannung von 800 Volt auch sehr schnell laden. 15 Minuten Ladezeit für 500 Kilometer Reichweite im WLTP-Zyklus sind die Vision, die die Entwickler anstreben. Das könnte dem Elektroauto tatsächlich zum Durchbruch verhelfen, wenn denn die Ladeinfrastruktur stimmt.

Drive-by-wire macht denn Fahrersitz verstellbar

Zu gefallen weiß auch der verstellbare Fahrersitz. Denn der Fahrersitz und das Armaturenbrett bilden eine Einheit. Sie sind als Paar zusammen seitlich verstellbar. Wer alleine mit dem PB18 e-tron unterwegs ist, kann in der Mitte des Fahrzeugs sitzen – die perfekte Platzierung für die Rennstrecke. Wer einen Gast mit nimmt, der sitzt dann (wahlweise) Links oder Rechts. Möglich macht diese Vorstellbarkeit eine by-wire-Auslegung von Lenkung und Pedalerie, die ohne mechanische Anbindung der Bedienelemente auskommt. Ich bin wirklich gespannt, ob sich dieses Feature wirklich in einem Serienfahrzeug realisieren lässt.

Aber unabhängig davon unterstreicht die Variabilität des Sitzens den Anspruch der Studie, eine Fahrmaschine zu sein. Denn der Audi PB18 e-tron ist insgesamt perfekt für den Kampf gegen den Kontrollverlust, den wir Fahrspaß nennen, gerüstet. Denn in diesem Sportgerät geht die Herrschaft über Beschleunigung und Richtungswechsel ausschließlich vom Fahrersitz aus. Damit ist der PB18 e-tron die vielleicht letzte Studie, die nicht selbstständig fahren kann. „Level Zero“ nennt Audi das – in ausdrücklicher Abgrenzung zu den sonst bei solchen Studien oft im Fokus stehenden Autonomiestufen Level 3, 4 und 5.

Das macht das Fazit einfach: Ich finde den Audi PB18 e-tron großartig. Genauso muss eine Studie sein, schließlich sind Studien zum Träumen da! Und der Audi PB18 e-tron ist ein Traum auf vier Rädern.


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Ein schöner Rücken kann verzücken ... Studie Audi PB18 e-tron

Foto: Audi

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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

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