Audi veröffentlichte heute Details zum neuen Audi R18 e-tron quattro. 2014 entfällt die Auflage, dass der Rennwagen seinen Hybrid-Antrieb erst oberhalb von 120 km/h nutzen darf. Ich nutze die Infos, um einen – etwas persönlich geratenen – Blick auf das wohl interessanteste Hybrid-Fahrzeug aus dem Reich des größten europäischen Autobauers zu werfen.

Denn das ist – auch wenn es andere Stimmen geben soll – nicht der Golf GTE oder gar der e-Golf. Wen interessiert schon Vernunft? Mich (heute) nicht. Deshalb kann der elektrifizierte Golf für mich weder der beste Stromer noch ein interessantes Auto sein. Zum Einen bewahr ich mir ein gewissen Objektivität. Zum Anderen will ich gar nicht wissen, wie sich ein Auto fährt, das für 3,28 € Strom auf 100 Kilometer verbraucht. Vielleicht auch deshalb, weil dessen Höchstgeschwindigkeit bei 140 km/h abgeregelt ist. Ich will mich mit Autos beschäftigen, die 340 km/h fahren. Auch wenn bei mir persönlich bisher bei 303 km/h Schluss war.

Ich schweife ab, aber ich darf das. Schließlich bin ich Bogger. Obwohl Bloggen auch Journalismus ist. Zumindest manchmal und sicherlich auch nicht überall. Doch ich habe diesen Anspruch. Nun denn, zum Journalismus gehören Unabhängigkeit und Objektivität. Gar nicht immer einfach, die Unabhängigkeit und damit die Objektivität zu wahren. Heute genehmige ich mir deshalb eine Ausnahme. Lesen Sie also nicht weiter, wenn sie heute nicht zusammen mit mir die Sachlichkeit, die mir sonst zugeschrieben wird, verlassen wollen.

Audi quattro, 1983
Audi quattro, 1983 (mehr …) – Foto: Audi

Ich bin nicht nur Fan von Le Mans und seinem großartigen Langstrecken-Rennen. Das wussten Sie, wenn Sie hier regelmäßig mitlesen natürlich schon. Nein, ich bin auch Allrad-Fan. Das dürfte für sie, wenn wir uns nicht näher kennen, neu sein. Das habe ich hier noch nie so deutlich geschrieben. Verantwortlich dafür sind eigentlich Sportsendungen, wie die Sportschau, das aktuelle Sportstudio oder die ZDF-Sportreportage. Sie waren vor mehr als 30 Jahren mein Fenster in die weite Welt. Während ich in der norddeutschen Tiefebene noch mit dem Fahrrad unterwegs war, mischte das Audi-Werksteam mit seinem Quattro die Rallye-Weltmeisterschaft auf.

Besonders das ZDF war damals regelmäßig dabei, wenn Hannu Mikkola und Michèle Mouton mit dem ersten Audi Quattro in der Rallye-Weltmeisterschaft antraten. Schon im zweiten Versuch gewann 1981 der Finne Mikkola den WM-Lauf in Schweden. Da die Rallye-Fahrzeuge damals oft von Kiel nach Göteborg verschifft wurden, versuchte ich als Schüler im Kieler Seehafen immer einen Blick auf die Rennwagen zu werfen. Doch damals sah ich „nur“ ein paar Opel Ascona 400 und Ford Escort RS 1800, die auf dem Weg in den Norden in meiner Heimat Station machten.

Audi 200, 1987
Audi 200, 1987 (mehr …) – Foto: Audi

Die Quattro, über die das Fernsehen damals so viel berichtete, wurden dadurch nur noch interessanter. Heute würde ich das „Angebotsverknappung“ nennen. Im damaligen Sprachgebrauch regierten andere Ausdrücke. Immerhin, und das machte mich endgültig zum Allrad-Fan, kurvte mein Lieblingsonkel bald mit einem schicken dunkelgrauen Audi Quattro durch die Gegend.

Nun war es um mich geschehen, ich war Quattro-Fan.

Allrad im Personenkraftwagen fasziniert mich seitdem. Eine Kombination, die nicht von Audi erfunden wurde. Es wird oft vergessen, dass der Jensen FF bereits 1966 mit permanentem Allradantrieb angeboten wurde. Doch von dem GT und seinem ursprünglich für die Formel 1 entwickelten Allradantrieb entstanden nur 320 Exemplare. Ich schweife schon wieder ab.

Audi V8, 1991
Audi V8, 1991 (mehr …) – Foto: Audi

Audi legte mehr als eine Dekade später mit dem Quattro 1980 den Grundstein dafür, dass Audi bis heute als Allrad-Pionier wahrgenommen wird. Besonders im Motorsport, der immer auch Marketing ist, vertrauten die Ingolstädter auf „ihren“ Vierradantrieb. Zunächst in der Rallye-Weltmeisterschaft. Die damaligen Gruppe B-Boliden, die nur noch entfernt etwas mit einem Serienauto gemeinsam hatten, sind heute längst legendär. Nach dem Verbot der Gruppe B blieb Audi mit dem Audi 200 und Allradantrieb der Rallye-Szene erhalten.

Audi A4, 1996
Audi A4, 1996 (mehr …) – Foto: Audi

Später wechselte Audi in die DTM. Ich hatte inzwischen den Führerschein und ein Auto. Das erweiterte den Aktionsradius. Jahrelang erlebte ich als Zuschauer die DTM-Rennen in Diepholz und Wunsdorf mit. Hans-Joachim Stuck und Frank Biela fuhren mit dem Audi V8 und Allradantrieb 1990 bzw 1991 zum DTM-Titel. Ärgerlich, dass ich damals nichts fotografiert habe. Nach dem Rückzug aus der DTM fuhr Audi mit dem A4 quattro in Großbritannien. Die BTCC war zu dieser Zeit das Paradies des Tourenwagensports.

Heute fährt Audi mit Allrad-Antrieb auch in Le Mans

Auch im aktuellen Audi R18 e-tron quattro werden alle vier Räder angetrieben. In der vergangenen Saison durfte Audi den Antrieb der Vorderräder nur bei Geschwindigkeiten oberhalb von 120 km/h einschalten. 2014 entfällt diese Einschränkung. Daher entwickelte das Team von Audi Sport einen neuen „Vorderradantrieb“. Im Kampf gegen Toyota und Porsche setzt Audi damit auf den bekannten Allrad-Vorteil. Besonders aus engen Ecken heraus will sich Audi mit dem neuen Audi R18 e-tron quattro Traktionsvorteile gegenüber der Konkurrenz sichern.

Audi R18 e-tron quattro, 2014
Antriebswellen des Audi R18 e-tron quattro, 2014 (mehr …) – Foto: Audi

Anders als bei den quattro-Systemen, der zuvor genannten Audi-Rennwagen, gibt es im aktuellen R18 keine mechanische Verbindung zwischen der Vorder- und der Hinterachse. Die Antriebswellen der Vorderachse führen über ein Vorderachsdifferenzial zu einer neu entwickelten Motor-Generator-Einheit (MGU). Wird die MGU mit Energie versorgt, treibt sie die Vorderräder an. Der R18 fährt dann teilelektrisch – gar nicht so anders als der Golf GTE mit seinem Plug-In-Hybrid kann.

Beim Bremsen wird die Bewegungsenergie des Rennwagens in Strom umgewandelt. Als Speicher dient ein Schwungrad-Speicher, der im Cockpit neben dem Fahrer untergebracht ist. Beim Beschleunigen wird die zuvor zurückgewonnene Energie von der MGU zum Antrieb der Vorderräder genutzt. Die Motorleistung der MGU wird dabei in das Vorderachsdifferenzial eingebracht und fließt dann – vergleichbar mit der herkömmlichen Antriebsenergie – zu den Vorderrädern.

Seufz, merke gerade, dass die Sachlichkeit zurück ist. Naja, muss auch mal sein …

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