Viele wissen sicher sofort, dass unser heutiges Bild ein BMW M1 Procar zeigt. Beim Ort wird es schon schwieriger. Der Rennwagen rollte 1980 beim Kieler Auto-Corso durch die Kieler Innenstadt. Die Aufnahme entstand an der Kreuzung von Lorenzendamm, Bergstraße und Martensdamm. Damals konnten Autofahrer zwischen IHK und Sparkasse noch dem Lorenzendamm folgen. Denn ein Teil der Straße verschwand eine Jahre später. Bleibt die Frage, wie das Auto dahin kam.

Kiel ist nicht gerade als Hotspot des Rennsports bekannt!

Dabei gab in der Kapitale des Segel- und Handballsports früher tatsächlich ein Rundstrecken. Von 1949 bis 1952 fand im Rahmen der Kieler Woche der sogenannte Kieler Hafenkurs statt. Doch so alt ist unser Foto nicht. Es entstand 1980 bei einer „Auto-Corso“ genannten Veranstaltung, die bereits im April hier im Blog Thema war. Denn als Höhepunkt fuhr damals Marc Surer mit einem ATS D4 einige Runden durch Kiel. Doch der Formel-1-Rennwagen war nicht das einzige Fahrzeug, das bei dieser Veranstaltung Rennsport-Flair in die Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein brachte.

Kieler Hafenkurs 1951 – diese Aufnahme zeigt die Formel 3 Rennwagen beim Start in der Feldstraße. (Foto: Lh Kiel/Stadtarchiv)

Der Kieler Hafenkurs gehörte von 1949 bis 1952 zum Programm der Kieler Woche. Auf einer 4,2 Kilometer langen Strecke traten damals Motorräder und Rennsportwagen an. Start- und Ziel war in der oberen Feldstraße auf Höhe der Hebbelschule. Von hier folgte die Strecke der Feldstraße, um in einer engen Spitzkehre, der Nordkurve, auf das damalige Hindenburgufer abzubiegen. Heute heißt diese Straße Kiellinie. Die Strecke folgte der Kiellinie an den Seebadeanstalten vorbei bis zur sogenannten Bellevuekurve. Hier bogen die Teilnehmer in das Düsternbrooker Gehölz ab, um der Lindenallee und dem Niemannsweg zu folgen. Über die Kösterallee ging es schließlich vorbei an der Forstbaumschule, wo sich das Fahrerlager befand, zurück zur Feldstraße.

Auf den Hafenkurs folgte der Kieler Nordmark-Kurs

Ein Großteil der Strecke bestand aus Kopfsteinpflaster. Das war besonders für die Motorradfahrer sicher kein großes Vergnügen. Aber auch für die Rennwagen der Nachkriegsjahre war die Strecke eine echte Herausforderung. 1949 traten als Sportwagen bis 1,1 Liter Hubraum und Monoposto mit maximal 750 Kubikzentimetern Hubraum an. Die Idee für diese Fahrzeugklasse stammte ursprünglich aus Großbritannien. Dort entstand bereits 1939 der „750 Motor Club“, um Rennen mit modifizierten Austin Seven zu organisieren. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg fand diese Idee auch auf dem europäischen Festland zahlreiche Anhänger.

Bereits bei der zweiten Ausgabe des Rennens trat die damals neue Formel 3 an die Stelle der 750er. Damit rannte eine internationale von der Sportkommission CSI des Automobil-Weltverbands ausgeschriebene Fahrzeugklasse in Kiel. Bereits 1953 war dar Kieler Hafenkurs nicht mehr durchführbar. Veranstalter MSC Nordmark ersann als Alternative bald ein Grasbahnrennen auf dem Kieler Nordmarksportfeld. 1954 fand der erste „Kieler Nordmark-Kurs“ auf dem ehemaligen Luftschiff-Landeplatz statt in Norden von Kiel Stadt. Auch auf dem „Norder“ rannten bis in die 1970er-Jahre Motorräder und Autos.

Zurück zum BMW M1 Procar beim Kieler Auto-Corso

Die Autos verschwanden Mitte der 1970er-Jahre auf dem Nordmarksportfeld aus dem Programm. Ein paar Jahre später genehmigten die Behörden dann auch den Motorrädern den Start an der Förde nicht mehr. Motorsport mitten in einer deutschen Stadt, das war in den 1980er-Jahren nicht mehr möglich. Doch zuvor kam es mit dem „Kieler Auto-Corso“ wohl zu einem letzten Aufbäumen. Die meisten Teilnehmer dieser Veranstaltung rollten ziemlich gesittet hintereinander durch die Kieler Innenstadt. Nur Marc Surer ging mit dem ATS alleine auf die Strecke.

Ich habe versucht, mehr über diese Veranstaltung herauszufinden. Bisher ergebnislos, auch das Stadtarchiv konnte mir nicht helfen. Deshalb setzte ich mal auf die Schwarmintelligenz. Kann sich sonst noch jemand an die Veranstaltung erinnern? Hat vielleicht jemand weitere Fotos? Falls ja, würde ich mich über eine E-Mail freuen.

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