Eine weiche Gummilippe kann zu hitzigen Reaktionen führen. Zumindest 1983, als Alfa Romeo die dritte Generation des Spiders vorstellte, war das so. Nur wenige Autodetails stießen bei ihrer Vorstellung so eindeutig auf Ablehnung, wie der Spoiler, den Alfa der dritten Generation seines Klassikers verpasste.

Was war passiert?

Vor 30 Jahren hatte Alfa Romeo erstmals seit 1969 den Spider umfassend überarbeitet. Ok, immerhin war er noch Italiener. Doch um US-Vorschriften zum Fußgängerschutz zu erfüllen, modifizierte das damalige Staatsunternehmen große Teile der Karosserie. Mit Kunststoff sollte verhindern, dass Parkrempler Karosserieschäden verursachen. Doch viele Fans lehnten die neue Form ab.

Dazu trug besonders der Heckspoiler bei. Denn die aus weichem Gummi gefertigte Heckspoiler-Lippe gab es nur in Schwarz. Der Spoiler lies sich vor 30 Jahren einfach nicht ordentlich und dauerhaft lackieren. Vergeblich versuchte das Marketing, den besonderen Kontrast des Schwarz zu betonnen.Immerhin profitierte der Zubehörmarkt von dem Spoiler. Denn wer wollte, konnte bei Firmen wie Zender den Spoiler durch ein dezentes Modell und in Wagenfarbe lackiertes Modell ersetzen.

Alfa Romeo Spider Aerodinamica
Der Alfa Romeo Spider Aerodinamica von 1983. Neu war auch der Fronstspoiler. (Foto: Alfa-Romeo)

Das Originalteil sorgte bei Spöttern für den Spitznamen „Gummilippe“. Alfa Romeo selbst sprach lieber vom „Spider Aerodinamica“. Schließlich hatten die Mailänder dem Spider im Zuge der Überarbeitung nicht nur den Heckspoiler, sondern auch einen deutlich vergrößerten Frontspoiler verpasst. In Zusammenarbeit mit Pininfarina übrigens. Wo der Entwurf auch nicht wirklich gefiel. Denn als der überarbeitete Spider bereits Ende der 1970er-Jahre als Studie auftauchte, folgte die Zusicherung, das Konzeptfahrzeug niemals so zu bauen.

Dennoch fand der Alfa Romeo Spider seine Kunden!

Trotz der Diskussionen wurde der Spider auch in der dritten Generation ein Erfolg. Wobei sicherlich half, dass besonders in der ersten Hälfte der 1980er-Jahre Cabrios auf dem Markt Mangelware waren. Der Spider gehörte definitiv zu den besonderen Assets der Firma. Als Fiat das marode Unternehmen übernahm, galt dem Alfa Romeo Spider daher besondere die Aufmerksamkeit.

Drei Jahre nach der Einführung des Spiders der dritten Generation überarbeitete Alfa 1986 den Innenraum. An die Stelle der klassischen „Eistüten“ trat ein neuer Instrumententräger. Dieser trug ein Kombiinstrument, das in einem Block Tacho und Drehzahlmesser mit den Zusatzinstrumenten für Öldruck, Batteriespannung, Tankinhalt und Wassertemperatur vereinte.

Unter der Ägide von Fiat wurde auch der Motor des Spiders modernisiert. Das Design des aus Leichtmetall gefertigten und mit zwei obenliegenden Nockenwellen bestückten Aggregats stammt aus den 1950er-Jahren. An die Stelle der Doppelvergaser des nach seinem Produktionsstandort „Nordmotor“ genannten Motors trat eine Einspritzanlage. Zusammen mit einer elektronischen Zündung sorgte dies für niedrigere Verbrauchswerte und Emissionen.

Drei Jahre nach der Übernahme überarbeitete FIAT dann 1989 noch einmal die Karosserie des Spiders. Dabei verschwand die Gummilippe, die die Spider der dritten Generation heute zu besonderen Exemplaren ihrer Art macht. Denn manchmal sind es die Irrwege, die ein Auto interessant machen.

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