An drei unterhaltsamen Tagen ging am vergangenen Wochenende am Nürburgring die 39. Ausgabe des „AvD Oldtimer Grand Prix“ über die Bühne. AutoNatives.de war in der Eifel, um sich ein Bild davon zu machen, ob der Oldtimer Grand Prix seine Spitzenposition in Deutschland behaupten konnte.

Mit mehr als 600 Teilnehmern gehört der „AvD Oldtimer Grand Prix“ weltweit zu den größten Veranstaltungen seiner Art. In Deutschland gilt der Oldtimer Grand Prix seit vielen Jahren als DIE Klassiker-Veranstaltung schlechthin. Das von den Fans liebevoll „OGP“ genannte Event steht als fester Termin Anfang August im Kalender vieler Oldtimer-Freunde. Doch das Denkmal bröckelt. Denn der ADAC hat sich unter dem Traditionsnamen „Eifelrennen“ eindrucksvoll auf dem Markt der Klassikveranstaltungen zurückgemeldet.

Statt wie beim Eifelklassik genannten Vorgänger, der Ende September / Anfang Oktober stattfand, lässt der gelbe Riese nun bereits zum Sommerbeginn Oldtimer und Klassiker in der Eifel rennen – dies ist angesichts des bekannten Eifel-Wetters gewiss kein schlechter Terminwechsel. Der ADAC übernahm dabei einen Termin, den Oldtimer-Freunde bisher mit dem vom Düsseldorfer DAMC organisierten Oldtimer-Festival in Verbindung brachten. Und viele Kenner der Klassiker-Szene denken bei diesen Rochaden – fast unwillkürlich – an das Sprichwort „Weggegangen, Platz vergangen“.

Veränderungen beim „AvD Oldtimer Grand Prix“

Denn im Zuge der Umbauarbeiten am Nürburgring war dem DAMC vor einem Jahr die Durchführung des Oldtimer-Festivals nicht möglich. 2010 wird der DAMC, kurz vor dem Ende des Sommers, übrigens einen Neustart seines Oldtimer-Festivals wagen. Vielleicht auch unter dem Druck der veränderten Wettbewerbssituation unterzog der AvD seinem Prunkstück „Oldtimer Grand Prix“ einem Facelift. Im Zuge dieser sanften Renovierung räumte man das Fahrerlager auf. Ganz nach dem Vorbild britischer Oldtimerveranstaltungen (und des Eifelrennens) stellte man den Teilnehmern – quasi als Erweiterung der Boxen – Gemeinschaftszelte zur Verfügung. In diesen konnten die Rennwagen geparkt werden, wenn sie gerade einmal nicht auf der Strecke ausgeführt wurden.  Für die Fans bot diese Zeltstadt eine gute Gelegenheit, um den Teams den historischen Motorsports bei der Arbeit über die Schulter zu schauen.

Denn natürlich wurden in den Zelten – direkt unter den Augen der Zuschauer – die an einem Rennwochenende notwendigen Servicearbeiten durchgeführt. Bedauerlich, dass im Laufe des Wochenendes nicht alle „Boxen“ in den Zelten auch genutzt wurden. Gerade die professionellen Teams der historischen Motorsportszene zogen es zum Teil leider vor, die von ihnen betreuten Fahrzeuge im eigenen Zelt oder Auflieger für die Rennen vorzubereiten. Doch trotz dieser Verweigerer tat der Aufbau der Zeltstadt aus Sicht dieses Magazins dem „AvD Oldtimer Grand Prix“ gut.

Zwischen den Gemeinschaftszelten präsentierten sich auch die Industriepartner des Veranstalters. Mercedes wies dabei darauf hin, dass die Marke mit dem Stern inzwischen seit mehr als 100 Jahren regelmäßig Supersportwagen anbietet. Opel nutzte den „AvD Oldtimer Grand Prix“, um die eigene Sportgeschichte zu dokumentieren. Die ausgestellte Ahnenreihe der Rüsselsheimer reichte vom voll fahrfähigen Opel-Rennwagen aus dem Jahr 1903 bis zum DTM-Calibra von 1996. Doch im Mittelpunkt der Opel-Show stand sicherlich der Opel Ascona 400 mit dem sich Walter Röhrl und Christian Geistdörfer 1982 den Titel des Rallye-Weltmeisters sichern konnten.

Der Sport stand im Mittelpunkt

Neben diesen Show-Elementen überzeugte der Oldtimer Grand Prix aber vor Allem mit sportlichen Höhepunkten. Bereits am Freitag stand neben einem Rennen der Youngtimer Trophy der „AvD-Historic Marathon“ auf dem Programm. Das Rennen der Youngtimer Trophy gewann Daniel Schrey aus Rietberg mit seinem Porsche 911 RSR. Bei der 20. Ausgabe des Marathons lieferten sich die in der Oldtimer-Szene als „Fred und Barney“ bekannten Zwillinge Ulrich und Christian Schödel ein packendes Duell mit den Vorjahressiegern Marcus Graf von Oeynhausen und Ex-DTM-Profi Frank Stippler.

Nach 20 Runden kamen „Fred und Barney“ mit ihrem Ford Fairlane gerade einmal mit einer Minute und 21 Sekunden Vorsprung vor dem floridagrünen Jaguar der Vorjahressieger ins Ziel. Zusammen mit dem „AvD-Historic Marathon“ auf der Gesamtstrecke, also der Kombination der legendären Nordschleife mit der Grand-Prix-Strecke, mit der „Nürburgring Trophy 100“ ein weiteres Rennen für jüngere GT und Tourenwagen der Baujahre 1966 bis 1971 ausgetragen. Der Trophy-Sieg ging an Michael Roock und Hubert Haupt in einem wunderschönen Porsche 911 ST.

Im Doppelpack des „AvD-Historic Marathon“ und der „Nürburgring Trophy“ gingen insgesamt 119 GT und Renntourenwagen auf die Strecke. Dabei wurde den Zuschauern, die insbesondere draußen an der Nordschleife in großer Zahl vertreten waren, einiges geboten. Neben jeweils neun Jaguar E-Type und Porsche 911 konnten die Fans zahlreiche weitere Klassiker, von der AC Cobra über den Ford Mustang bis zum Ford GT 40, bewundern. Doch gerade die Nordschleife ist nicht nur etwas für die großen Spielzeuge. Und so stellten sich neben einigen kleinen und leichten Lotus Elan auch Kleinwagen der Typen Mini Cooper S, Marcos Mini GT, FIAT 1100 103 TV oder Fiat 850 Spezial der Herausforderung der „Grünen Hölle“.

Angesichts dieses beeindruckenden Starterfelds ist es fast etwas Schade, dass der „AvD-Historic Marathon“ bereits am Freitag durchgeführt wird. Aus Sicht dieser Redaktion hätte der Marathon nämlich das Zeug, um beispielsweise den Renn-Samstag mit einem echten Knaller abzuschließen. Bei einem Start um 17:30 würden die Fahrzeuge gegen 21 Uhr ins Ziel einlaufen und – mit dem Rennen in die Dämmerung herein – sicherlich noch mehr Zuschauer begeistern.

Samstag Sonne, Sonntag Renen

Doch auch ohne den „AvD-Historic Marathon“ bot der „AvD Oldtimer Grand Prix“ am Samstag und Sonntag guten Motorsport. Die beste Unterhaltung bot das „Revival Deutsche Rennsportmeisterschaft“. Angesichts der zahlreichen Porsche der Typen RSR, 934-5 bzw. 935 oder den ebenfalls zahlenmäßig stark vertretenen BMW der Baureihen 3,0 CSL, M1 bzw. M1 Procar sowie der wunderschönen Ford Capri bzw. Escort RS fühlten sich die Zuschauer beim Anblick des prächtigen Tourenwagenfelds in die 1970er und 1980er-Jahre zurück versetzt. Zumal mit Klaus Ludwig auch ein mehrfacher deutscher Rennsport- und Tourenwagen-Champion dieser Epoche im Feld unterwegs war. Und am Samstag – am Steuer eines Porsche 935 – sogar das Rennen gewinnen konnte.

Ebenfalls ein buntes Rennen lieferten sich die Piloten des „Historic Grand Prix Masters“. So bunt, dass im Rennen am Samstag gleich zweimal das Saftey Car ausrücken musste. Bei allem Verständnis für Sicherheit, es ist den Zuschauern nur schwer vermittelbar, wenn die Schlussrunde eines Rennens hinter dem Saftey Car absolviert wird. So siegte am Ende Joaquin Folch im Williams FW08 relativ glanzlos. Zweiter wurde Steve Hartley, der Gesamtsieger des Silverstone-Wochenendes mit seinem Arrows A4.

Im Feld der „World Sportscar Masters“ fuhr Martin Stretton im Abarth Osella PA 1 am Samstag zu einem verdienten Sieg. Stretton setzte sich mit dem kleinen Abarth auf sehenswerte Art und Weise gegen Tandy Steve und seinen großen Lola T70 Mk III B durch. Doch nachdem Fahrer und Zuschauer am Freitag und Samstag noch von der Sonne verwöhnt wurden, wirbelte am Sonntag teils heftiger Regen den Rennbetrieb und Zeitplan durcheinander. „So ist die Eifel, so ist der Nürburgring“, kommentierte Klaus Ludwig gelassen.

Und während das „Revival Deutsche Rennsportmeisterschaft“ und die Historic Grand Prix Masters wegen dieses Wetters am Sonntag keine weiteren Wertungsläufe absolvieren konnten, fuhren die Fahrzeuge des „World Sportscar Masters“ auch am Sonntag ein Rennen aus. Bei diesen schwierigen Bedingungen siegte dann Steve Tandy, der sich damit – wie schon in Silverstone – auch den Gesamtsieg des Wochenende sichern konnte.

Fazit: Renovierung gelungen

Für das Wetter kann der AvD nichts. Und eigentlich gilt in der Eifel ja auch der feste Grundsatz, dass das Wetter kein Thema sein sollte. Das wussten Sie nicht? Wir auch nicht! Doch der Streckensprecher wurde bereits am Samstag nicht müde, das Publikum auf diesen Grundsatz hinzuweisen. Immerhin passierte dies nur auf Deutsch. Denn wenn der Moderator, den diese Redaktion fachlich durchaus schätzt, insbesondere am Vorstart zu seinen Ausflügen ins Englische, Französische oder auch Italienische abhebt, wird es beim OGP immer auf eine ganz besondere Art und Weise komisch.

Aber vielleicht sind es auch diese Dinge, die das Flair des „AvD Oldtimer Grand Prix“ ausmachen. Immerhin haben die Veranstalter – Abseits der Moderation – zur Ausgabe 2010 einiges modernisiert. Da dies überwiegend gelungen ist, hat der „AvD Oldtimer Grand Prix“ damit seine Spitzenposition – in Deutschland – sicherlich behauptet.

Fotos: Christian Rath, Max Marquardt und Tom Schwede

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