Die Engländer nennen die Winterzeit, in der ein Online-Motorsportmagazin wie AutoNatives.de aus Mangel an Motorsportveranstaltungen kaum Neues berichten kann, „season of the very smallest potatoes“ ( „Saison der kleinsten Kartoffeln“). Jetzt, im Frühjahr wagen sich die großen Kartoffeln, um in diesem Bild zu bleiben, wieder auf die Strecken hinaus. Endlich geht die Veranstaltungssaion los! Einen gelungenen Anfang machte am vergangenen Wochenende die „Hockenheim Historic – In Memory of Jim Clark“.

Die „Hockenheim Historic – In Memory of Jim Clark“ (Vorbericht vom 21.04.2009) lockte knapp 15.000 Freunde des historischen Motorsports an den Hockenheimring und zeigte, dass die Veranstaltung zum Gedenken an den zweifachen schottischen Formel 1-Weltmeister Jim Clark auch unter einem neuem Namen nichts an Faszination verloren hat, wie der Geschäftsführer der Hockenheim-Ring GmbH, Georg Seiler betonte.

Bei schönsten Frühlingswetter boten die „Hockenheim Historic – In Memory of Jim Clark“ guten historischen Motorsport und ein interessantes Rahmenprogramm für die ganze Familie. Mehr als 500 Starter rollten in den Rennen, Gleichmäßigkeitsprüfungen und Präsentationsfahrten auf der badischen Grand Prix Rennstrecke an den Start. Gleichzeitig verwandelten sie das offene Fahrerlager des Hockenheimrings in historisches Open Air-Museum. An vielen Stellen wehte der Geist längst vergangener Zeiten über das Motodrom. Zumal sich bei der „Hockenheim Historic – In Memory of Jim Clark“ viele große Namen der Rennsportgeschichte gutgelaunt unter das Publikum mischten.

Das „Interserie Revivial“ lockte viele ehemalige Rennfahrer nach Hockenheim

David Piper
David Piper wartet auf den Start

Die Interserie wurde 1970 aus der Taufe gehoben. Ihre Idee: Auch in Europa sollte es – quasi als Gegenstück zur CanAm-Serie – eine Serie für großvolumige Sportwagen, Sport-Prototypen und zweisitzige Rennwagen geben. Das erste Rennen der Interserie wurde am 5. Juli 1970 in Hockenheim gestartet. An den Start gingen Größen wie Vic Elford, der einen McLaren M12 pilotierte, Joakim Bonnier im Lola T70 oder David Piper und Gijs van Lennep, die Porsche 917 fuhren. Der spätere Formel-1-Teamchef Willi Kauhsen startete, wie auch der junge Wieder Niki Lauda, in einem Achtzylinder-Porsche 908.

Willi Kauhsen und David Piper trafen wir beim „Interserie Revivial“ im Rahmen der „Hockenheim Historic – In Memory of Jim Clark“ in der Startaufstellung in ihren Fahrzeugen sitzend wieder. Dazu gesellten sich mit Kurt Ahrens, Manfred Jantke, Rainer Braun, Hans Mezger und Herbert Linge weitere Rennsportgrößen. David Piper steuerte in Hockenheim für einige Ehrenrunden einen (natürlich) grünen Porsche 917.

Der 1930 geborene Brite nahm in den ab 1954er Jahren als Privatier an einer Vielzahl von Sportwagenrennen für Jaguar, Lotus, Ferrari und Porsche teil. Dazu fuhr Piper einige Formel-2-Rennen und gab mit einem Lotus 16 in Aintree 1959 beim Großen Preis von Großbritannien sein auch Formel-1-Debüt. Seine meist privat eingesetzten Rennfahrzeuge hatten immer eine hellgrüne Lackierung in der Lieblingsfarbe des Briten. Seine Karriere endete nach einem Unfall bei den Dreharbeiten zum Kino-Kult-Klassiker Le Mans mit Steve McQueen, da ihm das bei diesem Unfall gebrochene Bein wegen einer Infektion oberhalb des Knies amputiert werden mußte.

„40 Jahre Porsche 917“

Hans Mezger
Hans Mezger in der Startaufstellung

Im Rahmen „Interserie Revivials“ würdigte man in Hockenheim auch den Porsche 917, der 1969 auf der Genfer Automobilausstellung erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Unter den Augen von Hans Mezger, dem Konstrukteur dieses legendären Sportwagens, zierten insgesamt drei Porsche 917 die Startaufstellung dieses Demolaufs. Neben dem von David Piper gesteuerten Exemplar konnten die Fans einen ehemals vom Aachener Willi Kauhsen eingesetzten orangen Porsche 917/30 mit Bosch-Werbung sowie ein ehemaliges Werksfahrzeug, das die inzwischen ebenfalls legendäre Lackierung „Martini Porsche“ schmückte, bewundern.

Der Porsche 917/30 war die letzte und leistungsstärkste Variante des Porsche 917. Für den Einsatz in der CanAm-Meisterschaft in Nordamerika hatte man den bewährten Boxer-Motor mit zwei Turbo-Ladern bestückt. 1570 PS (1156 kW) entwickelte dieser Porsche-Motor mit einem Ladedruck von 2,24 bar auf dem Prüfstand. Er gilt damit als der stärkste jemals bei einem Rundstreckenrennen verwendete Motor.

Gedenken an Jim Clark

Der ebenfalls in Hockenheim anwesende Braunschweiger Kurt Ahrens erinnerte mit sehr persönlichen Worten an seinen Freund Jim Clark, der 1968 in Hockenheim tödlich verunglückte. Ahrens tat dies am Samstagnachmittag bei der offiziellen Gedenkfeier zu Ehren des Schotten am Jim Clark-Memorial. Diese vor 12 Monaten feierlich eingeweihte Gedenkstätte wurde durch die Lotus Memorial Foundation sowie das Engagement von Jim Clark-Fan Warren King möglich.

Wilde Reiter GmbH – Die Formel Vau

Auch sportlich hatte die „Hockenheim Historic – In Memory of Jim Clark“ viel zu bieten. Die „Historische Formel Vau Europa e.V.“ lud in Hockenheim zum zweiten und dritten Saisonlauf ihrer Clubmeisterschaft. Diese wird auch 2009 als Gleichmäßigkeitsprüfung bestritten, was sowohl eine angemessene authentische Präsentation der Rennfahrzeuge als auch einen ansprechenden motorsportlichen Wettkampf ermöglicht. Zum Einsatz kommen dabei Fahrzeuge aus allen Perioden der Formel Vau und der Formel Super Vau.

Formel Vau

Ende der 50er-Jahre in Daytona erfunden, schwappte der Formel Vau Virus Mitte der 60er-Jahre auch auf den alten Kontinent über. Das Konzept der Formel Vau war denkbar einfach: Serienteile vom VW-Käfer wurden in einen schlichten Gitterrohrrahmen gepackt und über das Ganze einfach eine leichte Kunststoffkarosse gestülpt. Fertig war der rennfertig 375 Kg leichte Volksrennwagen. Die Motorenbauer entlockten dem 34-PS Motor aus dem 1200er Käfer für den Einsatz in den Formel Vau Rennwagen mit offenen Auspuffanlagen und einer Feinabstimmung der serienmäßigen Solex-Vergaser deutlich mehr als 50 PS. Dies reichte auf der anspruchsvollen Nordschleife des Nürburgrings für Rundenzeiten von weniger als 10 Minuten.

Dank überschaubarer Kosten entwickelte sich dieses Konzept schnell zu der wohl erfolgreichsten Nachwuchsserie aller Zeiten. Ganze Generationen von Formel 1 Fahrern gingen durch die harte Schule der Formel Vau. Formel 1 Weltmeister wie Emerson Fittipaldi, Niki Lauda, Keke Rosberg oder Nelson Piquet, LeMans-Sieger wie Dr. Helmut Marko oder Jochen Mass und Tourenwagen-Legenden wie Dieter Quester stählten sich hier in den zum Teil 70 Starter umfassenden Starterfeldern für höhere Aufgaben.

Auch 2009 wurde im Feld der „Historischen Formel Vau Europa e.V.“ kräftig Gas gegeben. Die schnellsten der mehr als 40 Teilnehmer drehten Runden knapp über der 2 Minuten-Grenze. Damit waren Sie auch 2009 schneller als die deutlich stärkeren Porsche 914/6 GT oder Porsche 911 ST im Rennen um den Yokohama FHR Roschmann Cup. Doppelsieger der „Hockenheim Historic – In Memory of Jim Clark“ wurde H. Hartmann in einem HVB (Han van Blei) von 1966.

„Guckmal, den hatte meine Tante auch!“

Diesen Spruch hört man immer wieder, wenn der „Kampf der Zwerge“ ansteht. Zu den Fahrzeugen der „British Car Trophy“, der „Abarth Coppa Mille“ und der „NSU TT Trophy“ haben viele Besucher einen direkten Bezug. Egal ob sie als Kinder im Fiat 500 zur Schule gebracht wurden oder mit einem NSU TT ihren ersten eigenen Urlaub unternommen haben. Kurz um, mit den Kleinwagen, die in den drei Serien gefahren werden, kann fast jeder etwas anfangen. Zumal, wenn sie dazu in der Regel auch noch sehr sportlich über die Strecke gewuchtet werden.

Bereits seit mehr als 20 Jahren ist die „Abarth Coppa Mille“ auf den Rennstrecken unterwegs. Bei der „Hockenheim Historic – In Memory of Jim Clark“ sicherte sich Ralf Krieg mit seinem Abarth 1000TC den Sieg in der Gleichmäßigkeitswertung des Veranstalters. In der Klasse der „British Car Trophy“ ging der Sieg an Philippe Dibling, während bei den NSU TT Patrick Hug am Gleichmäßigsten unterwegs war.

Schreib einen Kommentar

Mit dem Absenden des Kommentars übermittelten Sie uns Ihren Namen, Ihre E-Mail-Adresse, Ihre IP-Adresse, Ihre URL (sofern angegeben) und Ihren Kommentartext. Gleichzeitig stimmen Sie ausdrücklich der Speicherung und der Veröffentlichung des Kommentars zu. Die Veröffentlichung erfolgt ohne E-Mail- und IP-Adresse. Diese Daten dienen dem Schutz vor Missbrauch der Kommentarfunktion (SPAM) und werden anschließend automatisch gelöscht. Wir behalten uns vor, Kommentare ohne Angabe von Gründen nicht zu veröffentlichen oder die Links zu entfernen. Ein Anspruch auf Veröffentlichung des Kommentars besteht nicht.