Als Gast von Skoda Deutschland konnte ich kürzlich die Faszination Rallye hautnah erleben. Bei der Rallye di Roma Capitale, dem fünften Lauf zur diesjährigen Rallye-Europameisterschaft (ERC), verfolgte ich das Geschehen vor Ort. Für mich auf jeden Fall ein Erlebnis. Denn ich war vorher noch nie live bei einer Rallye dabei. Nach diesem Rallye-Wochenende weiß ich: Rallye ist auch für die Zuschauer anspruchsvoll.

Bei einer Temperatur von knapp 35 Grad Celsius begann mein kleiner Ausflug zu dieser für mich etwas anderen Art des Motorsports. Gut behütet von unserer Begleitung von Skoda Deutschland kamen wir am Freitagabend bei der ersten Wertungsprüfung an. Die Rallye di Roma Capitale führt die Teilnehmer durch das Umland von Rom, über Landstraßen, Feldwege und Bergpässe. Doch das erste Kräftemessen der Teilnehmer fand im Schatten des Palazzo della Civilta Italiana im Herzen Roms statt.

Die Teilnehmer fuhren auf einem eigens für diese Prüfung aus Plastikbarken abgesteckten Parcours. Im Format des Race of Champions traten dabei jeweils zwei Kontrahenten im direkten Duell gegeneinander an. Dabei kam jedoch bei allen Beteiligten Verwirrung auf, ob diese Prüfung in das Gesamtklassement einfließen würde. Ursache für die Verwirrung war ein Tippfehler im Programmheft der Rallye. Trotzdem gaben die Fahrer ordentlich Gas und sorgten so für gute Unterhaltung bei den Zuschauern.

Eindrücke der Wertungsprüfung am Palazzo della Civilta Italiana

Rallye-Tage sind lang – für Fahrer und Zuschauer!

Wer möglichst viele Autos auf der Strecke sehen will, muss als Rallye-Zuschauer planvoll agieren. Denn zwischen den Wertungsprüfungen gilt es, längere Distanzen zu überbrücken. Das erfordert eine genaue Planung der Fahrtstrecken. Schließlich wir sind in Italien. Das Verkehrschaos ist also vorprogrammiert. Deshalb ist es immer gut, auch eine Alternativroute zu kennen, wenn auf der eigentlich geplanten Route gar nichts mehr geht. Das gilt übrigens nicht nur bei der Zufahrt zu einer Wertungsprüfung, sondern auch bei der Abfahrt. „Immer in Fluchtrichtung parken“, erfahrene Rallye-Zuschauer wissen das sicherlich.

Ein weiteres Erlebnis für den Rallye-Neuling wird sein, dass ihm auf der Autobahn die Rallye-Boliden im Heck hängen. Da Rallyes auf öffentlichen Straßen stattfinden, benötigen die Sportgeräte eine Straßenzulassung. Aufgrund des auch auf den Zwischenetappen omnipräsenten Zeitdrucks kann es durchaus passieren, dass die Teilnehmer die Geschwindigkeitsbegrenzungen nicht immer zu 100% einhalten.

Besuch im Servicepark

Wir hatten die tolle Gelegenheit, am Samstagabend den Servicepark in Fiuggi zu besuchen, der etwa 80 Kilometer östlich von Rom eingerichtet war. Im Servicepark haben die Crews der Teilnehmer genau 45 Minuten Zeit, um mittags und abends das Fahrzeug jeweils einmal durchzuchecken, Verschleißteile auszutauschen und Reparaturen durchzuführen. 45 Minuten hören sich knapp bemessen an, aber keine Sorge: Ein kompletter Getriebewechsel dauert bei den Topteams der ERC etwa eine Viertelstunde. Somit ist noch genug Zeit für die wirklich anspruchsvollen Reparaturen.

Alle zwei Minuten fährt ein Fahrzeug in den Servicepark. Aufgrund von ein paar Verzögerungen im Laufe des Tages passierte der Gesamtführende Aleksey Lukyanuk diesen Punkt anstatt um 22:08 um 23:28 Uhr. Die letztplatzierten konnten sogar erst nach Mitternacht mit der Wartung ihres Boliden beginnen. Das führte dazu, das für die meisten Mechaniker erst spät in der Nacht Ruhe einkehrt.

Bilder aus dem Servicepark

Fabian Kreim und Co-Pilot Frank Christian nahmen sich nach einem langen Rallye-Tag spät abends noch Zeit für unsere Fragen. Sie berichteten von wiederkehrenden Problemen mit dem rechten Vorderreifen. Fabian Kreim schilderte anschaulich, wie schwer es bei einer Rallye ist, als Fahrer den richtigen Rhythmus zu finden. Trotz dieser Probleme beendeten die beiden Deutschen den Samstag auf dem dritten Platz der Gesamtwertung.

Das bedeutete gleichzeitig die Führung in der U28-Wertung. In diesem Klassement kämpfen alle Fahrer ab Geburtsjahr 1990 oder jünger um Punkte. Der Gesamtsieger dieser Klasse bekommt 2019 die Möglichkeit, bei einem Lauf zur Rallye Europameisterschaft in einem World Rallye Car aus dem Jahre 2016 anzutreten. Fabian Kreim hat einen großen Schritt in diese Richtung gemacht. Denn am Ende des Wochenendes sicherte sich das deutsche Fahrer-Duo den Sieg in dieser Klasse. Damit bauten sie ihre Führung in der U28-Meisterschafts-Wertung weiter aus.

Vom Kirchendach auf die Rallye geschaut

Während des heißen Samstages erlebten wir die Wertungsprüfungen von außergewöhnlichen Aussichtspunkten. Die Wertungsprüfung SS3 „Roccasecca – Colle San Magno“ sahen wir im Dorf Roccasecca. Besser gesagt über dem Dorf Roccasecca. Der Bürgermeister des Dörfchens hatte es uns gestattet, die Wertungsprüfung vom Dach des Kirchturms zu verfolgen. Der Priester Gemeinde warnte uns noch vor dem Aufstieg. Ich persönlich habe diese Warnung jedoch nicht allzu ernst genommen.

Video vom Kirchendach

Ein Skoda Fabia bei der Rallye di Roma Capitale, dem fünften Lauf zur diesjährigen Rallye-Europameisterschaft … einen umfassenden Hintergrundbericht aus Italien gibt es jetzt bei uns im Blog #ERC #Rallye

Gepostet von AutoNatives.de – Auto-Blog für automobile Menschen am Sonntag, 29. Juli 2018

Mein Fehler! Denn über enge, abgelaufene und verschmutzte Treppen ging es hinauf bis zur Glocke. Zum Glück fing die Glocke nicht noch das Läuten an. Danach ging es über wackelige Leitern weiter hinauf auf das Dach. Auf dem Weg schlängelten wir uns zwischen Metallbalken und fliegenden Stromkabeln hindurch. Wohl gemerkt, Stromkabel, bei denen jeder Elektriker mit etwas Berufsehre Nervenzusammenbrüche bekommen hätte. Doch am Ende lohnte sich der Aufstieg. Denn für die Sicht vom Dach des Kirchturms hätte sich auch ein Aufstieg auf einen Fünftausender gelohnt.

Bei der zweiten Wertungsprüfung des Tages ging es wieder hoch hinaus. Von der Dachterrasse eines Privathauses durften wir die Wettbewerber beobachten. Dabei schwebte der Eurosport-Übertragungshubschrauber stets einige Meter über uns. Ein beeindruckendes Bild. Die Teilnehmer schossen unter uns aus einer dunklen Gasse in eine sich öffnende Linkskehre. Diese rief in unserer Runde rege Diskussionen über die perfekte Linienwahl hervor.

Bilder vom Sonntag

Am Sonntag änderte sich für uns das Terrain. Im Gegensatz zum Samstag, an dem wir die Prüfungen innerorts verfolgten, platzierte das Skoda Team uns nun an einer sehr schnellen Landstraße. Wir saßen auf einer in etwa drei Meter hohen Steinmauer. Von dort aus hätten wir die Boliden durch eine Senke in einer schnellen Links fahren sehen können. Die Veranstalter sagten die Prüfung jedoch aufgrund eines extrem hohen Zuschaueraufkommens ab. Eine verständliche Entscheidung im Bezug auf die Sicherheit.

Woher kommt der Erfolg von Skoda in der ERC?

Der Skoda Fabia R5 ist das dominierende Fahrzeug in der Topklasse der Rallye Europameisterschaft. 19 der 32 in dieser Klasse genannten Fahrzeuge sind aus Mlada Boleslav. Laut Fabian Kreim zeichnet den Skoda Fabia besonders seine Verlässlichkeit aus. Im Fabia stehen keine technischen Defekte dem Erfolg im Weg. Dazu liegt der Fabia neutral. Dadurch fühlen die Fahrer sich im Skoda äußerst wohl und schwärmen von den guten Fahreigenschaften.

Auch für den Zuschauer ist solch ein Skoda sehr angenehm. Im Gegensatz zum ohrenbetäubendem Lärm, den seine Konkurrenten aus Frankreich und England beim Fahren verursachen, hört sich der Fabia erstaunlich gut an. Der wohlklingende R5 Bolide ist allerdings kein Schnäppchen. Laut Teamchef Raimund Baumschlager kostet so ein Rennwagen rund 250.000 Euro. Für diesen Preis gibt es übrigens nur das Auto. Das alleine reicht nicht, um eine Rallye zu bestreiten. Denn Verschleißteile, Know-how und Manpower fehlen noch.

Fabian Kreim (rechts) und Co-Pilot Frank Christian bei der Siegerehrung
Fabian Kreim (rechts) und Co-Pilot Frank Christian bei der Siegerehrung – Foto Skoda

Deswegen bieten Teams die Möglichkeit an, sich für eine oder mehr Rallyes als Fahrer einzukaufen. Eine win-win-Situation, für den Fall der Geldbeutel ist prall gefüllt. In der ERC gibt es diese Möglichkeit ab etwa 50.000 Euro pro Rallye zu kaufen. In der WRC, der Weltmeisterschaft können Übersee Rallyes auch mal über 100.000 Euro kosten. Dort ist die Topklasse der ERC, die R5, jedoch nur die zweitgrößte Klasse. Darüber fahren die werksunterstützten Teams von Hyundai und Citroën.

Was nehme ich mit?

Das Wochenende in Rom war aufregend, hat mir einige Tricks gelehrt und war vor allem eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Nicht ohne Grund gilt Rallye-Sport als „Motorsport zum Anfassen“. Ob auf der Strecke oder im Servicepark, näher ist der Zuschauer dem Geschehen bei keiner anderen Art des Motorsports. Dabei bleib mir vor allem eines im Kopf. Die Mischung der Gerüche von Hochleistungsbenzin und frischem Gemüse. Für die Italiener wohl ganz normal, für mich beindruckend, wie nah diese Welten aneinander sein können.

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