Jeremy Clarkson steht das Wasser bis zum Hals. Sein loses Mundwerk, das immer wieder politisch wenig korrekte Aussagen hervorbringt, könnte dem Moderator der Kultsendung Top Gear seinen Job kosten. Seit dem Frühjahr schwappen heftige Kritikwellen über die britische Insel. Der Komiker Frankie Boyle bezeichnete Clarkson vor einigen Tagen als kulturellen Tumor. Die Gerüchte über eine Ablösung Jeremy Clarksons nehmen kein Ende. Weltweit diskutieren inzwischen Autofreunde über den drohenden Abschied. Was ist eigentlich passiert?

"Jeremy Clarkson" by Ed Perchick - flickr. Licensed under Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 via Wikimedia Commons
„Jeremy Clarkson“ by Ed Perchick – flickr. Licensed under Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 via Wikimedia Commons

Auch für mich ist Jeremy Clarkson Top Gear. Zusammen mit seinem langjährigen Weggefährten Andy Wilman entwickelte der Moderator vor zwölf Jahren das aktuelle Format. Zuvor gaben sich bei der ursprünglich 1977 gestarteten Sendung die Moderatoren das Mikrofon in die Hand. Auch Jeremy Clarkson sammelte in dieser Zeit erste Erfahrung bei Top Gear. Doch die Sendung war zu dieser Zeit weit vom heutigen Kult entfernt. Der entstand erst nach der Umstellung auf das von Wilman und Clarkson entwickelte Konzept.

Teil dieses Konzepts sind Provokationen. Ausgesprochen fast ausschließlich von Jeremy Clarkson. Jeremy Clarkson ist die dunkle, die böse Seite der Sendung. Der Brite spricht aus, was viele sich nicht zu denken trauen. Das kommt an und offenbart die Doppelmoral. Sie wird sichtbar, wenn Zuschauer beim Lachen merken, dass der eigene Lacher nicht angebracht war. Mehrmals führten die Sprüche des Moderators zu Kontroversen.

Doch das war alles kein Vergleich zu den aktuellen Diskussionen, die im Frühjahr nach dem zweiten Teil des Burma-Spezials ihren Anfang nahmen. Nach dem Bau einer Brücke über den River Kwai sagte Jeremy Clarkson: „That is a proud moment, but there’s a slope on it.“ Ein typischer Clarkson und eigentlich kein Problem. Zum Problem wurde die Aussage, weil im Hintergrund gerade ein Einheimischer die Brücke passierte. Die BBC belegte den Moderator mit einer empfindlichen Strafe, weil sich die Aussage als rassistisch interpretieren lässt – wenn man es verzweifelt will.

Es blieb nicht die einzige Verfehlung des Moderators. Während einer Kameraprobe zitierte Jeremy Clarkson den rassistischen Reim: „Eeny, meeny, miny, moe/Catch a n***** by his toe“. Bevor sich jetzt alle aufregen. Als der Manta oder der Capri noch Neuwagen waren, wurde auch an deutschen Grundschulen durchaus noch „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“ gespielt. Doch inzwischen schreiben wir 2014 und die Sequenz landete prompt im Internet. Und rief weitere Entrüstung hervor.

In Großbritannien mehren sich die Stimmen, die Jeremy Clarkson für untragbar halten. Besonders hart ging Frankie Boyle mit dem Moderator ins Gericht. Der Komiker bezeichnete Jeremy Clarkson als einen kulturellen Tumor. Für Boyle sei Clarkson nur noch bei der BBC, weil der Moderator eng mit David Cameron befreundet sei.

Da der Vertrag des Moderators angeblich mit dem Ende der zurzeit produzierten Staffel ausläuft, fordern Kritiker die BBC auf, den Vertrag nicht zu verlängern. Mit dem Radiomoderator Chris Evans geistert der Name eines Nachfolgers durch die Gazetten. Auch wenn dieser Personalie schnell widersprochen wurde, ist das alles inzwischen eine Menge Rauch. Das legt den Verdacht nahe, dass da auch Feuer ist. Dafür muss es Gründe geben.

Einer liegt möglicherweise in der Popularität von Jeremy Clarkson. Denn der Moderator ist zweifelsfrei der Star der Sendung. Seine Kollegen Richard Hammond und James May sind Randfiguren. Jeremy Clarkson benötigt sie als Stichwortgeber und als Blitzableiter. Sonst funktioniert seine Rolle nicht. Je nach Situation paktiert Jeremy Clarkson dabei mit einem der Zwei, um den jeweils anderen in die Pfanne zu hauen.

Es ist fraglich, wie gut das Prinzip der Sendung ohne Jeremy Clarkson funktioniert. Die Ableger der Sendung in den USA und in Australien mit lokalen Moderatoren erreichen nicht die Popularität des Originals. Jeremy Clarkson ist Top Gear – und vermutlich ist genau dies ein großer Teil des Problems. Denn mit seiner Popularität überstrahlt nicht nur Jeremy Clarkson die Sendung, die Sendung überstrahlt die BBC.

Als Abendshow sind Top Gear und seine Moderatoren längst weltweit erfolgreich auf Tour. Dazu gibt es eine Zeitschrift. Die ermöglicht Werbeformate, die in der strengen BBC nicht möglich sind. Dazu lassen sich die Sendungen im Internet abrufen oder auf DVD erwerben. Die Sendung ist längst eine Marke, die sich ohne ihren Broadcaster trägt.

Die Diskussionen um seinen Vertrag sind ein durchsichtiges Manöver, Jeremy Clarkson in die Schranken zu verweisen. Mal gucken, welche Antwort der Showmaster darauf gibt. Fügt sich der Brite dem System? Oder bricht Jeremy Clarkson zu neuen Ufern auf? Im Moment ist das ziemlich offen. Ich sage, am Ende darf und wird er bleiben. Denn beide Seiten kennen ihren gegenseitigen Wert!

4 Kommentare

  1. Josef Fischer Reply

    Wer auf der Welt kennt schon die schottische Nervtüte Frankie Boyle. Niemand, deshalb muss er sich ja auch auf Kosten von einem echte Star profilieren.

  2. Boyle schreibt für die Sun was mit der Seriosität der der Bild-Zeitung vergleichbar ist.
    Und Jeremy Clarkson ist einfach nur zu gut für einige bei der BBC, genauso wie Top Gear zu gut für sie ist, hier versucht jemand ganz klar Clarkson und damit auch Top Gear einfach abzusägen. Zugegebenermaßen ist Top Gear die Sendung mit dem vermutlich höchsten Budget bei der BBC.

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