Gestern stellte BMW im Pariser Centre Pompidou das 17. „BMW Art Car“ vor. Der Amerikaner Jeff Koons hat für die Münchener einen BMW M3 GT2 künstlerisch gestaltet, der in wenigen Tagen die 24 Stunden von Le Mans bestreiten wird.

Die Idee, ein Automobil von Künstlerhand gestalten zu lassen, hatte der französische Rennfahrer Hervé Poulain. Auf seine Initiative hin bemalte der Amerikaner Alexander Calder seinen BMW Rennwagen – eine für BMW zündende Idee, die Art „Car Collection“ zu etablieren. Seit 1975 gestalten nun immer wieder Künstler aus aller Welt im Auftrag des Werks ein aktuelles Auto aus dem BMW-Programm. In den ersten Jahren wurden dabei ausschließlich Rennwagen zu Kunstobjekten. Später wurde das Spektrum um Serienfahrzeuge erweitert. Inzwischen zählen zur „BMW Art Car Collection“ Werke von herausragenden Künstlern wie Roy Lichtenstein, Andy Warhol, Robert Rauschenberg, A.R. Penck, David Hockney, Jenny Holzer oder Frank Stella, der auch für sein „Art Car“ das für seine Werke so typische gitternetzartige Muster nutzte.

Der aktuelle Künstler Jeff Koons hat seit langem ein Faible für Automobile und die „BMW Art Cars“. Bereits 2003 bekundete der Amerikaner in einem Interview sein Interesse an der Gestaltung eines „BMW Art Cars“. 2010 wurde seine Bewerbung akzeptiert. Mit Hilfe der für sein Werk typisch knalligen Farben gestaltete Koons ein Auto-Kunstwerk, das Ausdruck von Kraft, Bewegung und Energie ist. Das ausdrucksstarke Außendesign setzt die Geschwindigkeit eines Rennwagens ins Bild.

Das Design von Koons ist von vielen hellen Kontrastfarben geprägt, um der kraftvollen Ästhetik von Geschwindigkeit Ausdruck zu verleihen. An den hinteren Seitenteilen und auf der Rückseite des Autos befinden sich explosionsartige Grafiken, die die Kraft des Autos widerspiegeln sollen. Die zwei grafischen Ringe auf der Rückseite des Autos sind ebenfalls ein Ausdruck für die rasante Beschleunigung des Rennwagens, der in 3,4 Sekunden aus dem Stand heraus auf 100 Stundenkilometer beschleunigen kann.

In Kombination mit dem silbernen Innenraum versprüht dieses „Art Car“ jedoch selbst im unbewegten Zustand eine kraftvolle Dynamik. „Diese Rennautos sind wie das Leben, sie strotzen vor Kraft und haben enorme Energie“, sagt Koons. „Man kann sich darauf einlassen, darauf aufbauen und mit dieser Energie eins werden. Unter der Haube steckt viel Kraft und meine Ideen sollen damit verschmelzen – es geht einzig darum, sich völlig darauf einzulassen.“

Vom Design zur Umsetzung

In intensiver Zusammenarbeit mit dem BMW Team in München wurden die Ideen des Künstlers auf den Rennwagen übertragen. Ein wichtiger Aspekt war dabei stets, dass die Gestaltung des Künstlers mit den ästhetischen und aerodynamischen Merkmalen des Rennwagens harmonisiert. Während der Arbeit, die in München stattfand, projizierte Koons seine Grafiken auf die Oberflächen dreidimensionaler CAD-Modellen des BMW M3 GT2, um sie aus allen Blickrichtungen prüfen zu können. Eine Technik, die der Künstler bereits bei der Gestaltung seiner monumentalen Skulpturen eingesetzt hat.

Um das Design, das im Detail aus Hunderten von dynamischen Linien besteht, schließlich auf das Auto zu übertragen, wurden für den Druckprozess die CAD-Designs von 3D in 2D übersetzt und anschließend in penibler Detailarbeit auf das gesamte Auto sowie auf einzelne Ersatzteile aufgetragen. Unter der direkten Leitung und Aufsicht von Koons wurde sein „BMW Art Car“ schließlich bei Schmid Design, in der Nähe von München produziert.

Eine besondere Herausforderung lag dabei in der Verwendung eines leichten Materials, das die Aerodynamik und das Gewicht des Rennwagens nicht negativ beeinflusst. Aus diesem Grund wurde entschieden, Digitaldruck auf Vinyl zu verwenden. Anschließend wurde eine doppelte Klarlackschicht aufgetragen, um die Farben optimal zur Geltung zu bringen.

Auf nach Le Mans – das „BMW Art Car“ im Renneinsatz

Der von Koons gestaltete BMW M3 GT2 ist übrigens bereits das zweite BMW Art Car, das im Centre Pompidou vorgestellt wurde. 1977 präsentierte hier 1977 Roy Lichtenstein sein inzwischen legendäres „BMW Art Car“. Der von Lichtenstein gestaltete BMW 320i – im martialischen Outfit der Gruppe 5 beflügelt – erreichte beim 24 Stunden Rennen von Le Mans 1977 den neunten Platz in der Gesamtwertung und belegte den ersten in seiner Klasse. 2010 werden Andy Priaulx (GB), Dirk Müller (DE) und Dirk Werner (DE) vom 12. bis 13. Juni versuchen, ihren BMW M3 GT2 an der Sarthe ebenso erfolgreich in Szene zu setzen – denn so schön wie der Urahn ist ihr Fahrzeug schon.

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