Anders als unser Fotograf Christian und andere Freunde von mir bin ich kein großer Freund der Autos von BMW. Die aktuellen Fahrzeuge aus München gefallen mir in der Mehrzahl nicht. Daher findet BMW in diesem Auto-Blog vergleichsweise wenig statt. Nur 46 der inzwischen fast 1.200 Artikel, die wir in den vergangenen sieben Jahren geschrieben haben, tragen das Schlagwort „BMW“. Das entspricht weniger als vier Prozent und liegt damit deutlich unter dem Marktanteil der Bayern. Doch das Desinteresse ist neu. Früher war BMW in meinem Autokosmos eine Macht.

Denn für einen Rennsportfan wie mich gab es kein Vorbeikommen an den Autos mit dem Propeller im Logo. Der Imagetransfer „win on sunday, remember on monday“ funktionierte. Insbesondere auch weil BMW im Tourenwagensport der 1970er- und 1980er-Jahre eine echte Macht war. Als Nelson Piquet dann auch noch mit einem Motorblock, der im Kern aus einem Serienfahrzeug stammte, zum Formel-1-Titel fuhr, war auch mein Rennsporthimmel weiß-blau. Doch nach dem Rückzug aus Le Mans, aus der Formel-1 und aus der WTCC tritt BMW als Werk nur noch in der DTM an. Das GT3-Engagement obliegt ja offiziell privaten Teams.

Zugegeben, die DTM ist heute ein schwieriges Thema

Tourenwagensport im klassischen Sinne ist das in der DTM längst nicht mehr. Dazu kommt ein unglückliches Format der Rennen, die von zu viel Taktik und zu wenigen Überholmanövern geprägt sind. Offensichtlich stehe ich mit dieser Meinung nicht alleine da. Denn bei der TV-Übertragung des DTM-Rennens am vergangenen Sonntag wurde das schwindende Zuschauerinteresse an der Meisterschaft offensichtlich. Ich kann mich an kein DTM-Rennen in Hockenheim erinnern, bei dem im Motodrom so viele Blöcke der Tribünen völlig leer waren. Offensichtlich habe nicht nur ich das Interesse an der DTM verloren.

Ich weiß nicht, was anderen das Interesse an der Serie vermiest hat. Aber mir fehlt bei der DTM einfach der Bezug zur Serie. Die Nähe zu den Alltagsautos war in meinen Augen immer eine wichtige Grundlage für die Identifikation der Fans mit der DTM und mit dem Tourenwagensport. Denn früher wurde in der DTM mit umgebauten Straßenfahrzeugen gerannt. Das ermöglichte dem Fan zumindest die Illusion, mit dem gleichen 3er BMW, Mercedes 190er oder Audi A8 unterwegs zu sein, wie die Helden auf der Strecke.

BMW M4 DTM Champion Edition.
Heute reichen ein paar Aufkleber als Brücke zwischen Motorsport und Serie. (Foto: BMW)

Auch wenn die Fahrzeuge auf der Strecke natürlich auch damals in Wirklichkeit starke Modifikationen erfahren hatten. Im Kern waren die Rennwagen Verwandte der Straßenfahrzeuge. Von Zeit zu Zeit gab es spezielle Homologationsmodelle, die immer auch etwas Renntechnik auf die Straße brachten. Heute sind die Rennwagen der DTM reine Prototypen, die keinerlei Gemeinsamkeiten mit den Serienprodukten haben. Allenfalls die Karosserie sieht entfernt so aus, wie das beim Serienprodukt der Fall ist. Gemeinsamkeiten? Fehlanzeige!

BMW dokumentiert diesen Wandel mit der BMW M4 DTM Champions Edition.

Nach dem Gewinn des Fahrertitels durch Marco Wittmann würdigt BMW seinen Titelträger mit einem Sondermodell. Als Hommage an den Rennwagen ist jetzt die BMW M4 DTM Champions Edition verfügbar. Wobei das mit der Verfügbarkeit (oder doch mit dem Interesse) so eine Sache ist. Denn die BMW Individual Manufaktur in Garching wird passend zur Startnummer genau 23 Fahrzeuge dieser Sonderserie fertigen.

Schade eigentlich, denn eigentlich ist das Würdigen des Fahrertitels und das damit verbundene Bekenntnis zum Motorsport ja eine nette Idee. Doch Sondermodelle wie die BMW M4 DTM Champions Edition wirken irgendwie verkrampft. Mehr als die gleiche Farbe und ein paar ähnliche Aufkleber haben der Rennwagen und das Sondermodell nicht gemeinsam. Mensch, was waren das für Zeiten, als die Hersteller locker auch 500 Exemplare eines Homologationsmodells verkauften! Und nebenbei ermöglichten die ihren Besitzern hauptsächlich Fahrspaß und Rennsportfeeling und sorgten nicht nur ein paar neugierige Blicke.

3 Kommentare

  1. Ja, ja, früher war alles besser!?! ROTFL, du verkommt langsam zum Berufs-Nostalgiker

  2. Tom hat völlig Recht. Die DTM ist sogar noch langweiliger geworden als die Formel 1. Und Tourenwagen sind es unbestreitbar auch nicht mehr. Es sind reine Silhouetten-Rennwagen.

  3. Ja, das gekaspert hat schon lange nichts mehr mit Tourenwagensport zu tun. Den gibt es allenfalls noch in der WTCC

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