„BMW steht für Motorsport“ dies ist wohl selbst die Meinungen derer, die mit der Marke mit dem Propeller im Logo nichts anfangen können. Doch seit einigen Jahren ist der Premiumhersteller kräftig dabei, diesen Mythos zu zerstören. Dabei sah es vor gar nicht allzu langer Zeit noch ganz anders.

Die Münchener begeisterten die Fans in den USA und beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring mit dem wunderbaren BMW M3 GTR. Mit Schnitzer Motorsport (BMW Team Germany), dem RBM-Team von Bart Mampaey (BMW Team UK) und ROAL Motorsport (BMW Team Italy-Spain) schickten sie gleich drei Werksteams in die Tourenwagen-Weltmeisterschaft. Dazu übernahm BMW zum 1. Januar 2006 die Mehrheit am Rennstall von Peter Sauber und gründete damit das „BMW Sauber F1 Team“, um als Werk an der Formel-1-Weltmeisterschaft teilzunehmen.

Diese Tochter werde, so verkündete man, in geordneten Schritten an die Spitze vordringen. Dazu wurde ein Zeitraum von drei bis fünf Jahren avisiert. Nun wissen aufmerksame Beobachter nicht erst seit dem Ende des Sozialismus in Ost-Europa, dass das mit den „5-Jahres-Plänen“ immer so eine Sache ist. BMW hielt dies nicht von einer genauen Planung ab. Auf dem Weg zur „Planerfüllung“ versuchte man, die Prozesse des Großunternehmens in den Motorsport zu übertragen.

Robert Kubica beim Großen Preis von Kanada 2008
Der spätere Rennsieger Robert Kubica beim Großen Preis
von Kanada 2008 – Foto: Mark McArdle

Zunächst hatte man damit Erfolg. Schon nach knapp zwei Jahren fuhr der Pole Robert Kubicaeierte am 8. Juni 2008 beim Grand Prix von Kanada in Montreal zum ersten Formel-1-Sieg. Wahrscheinlich entsprach dies der Planung. Doch schon ein halbes Jahr später geriet das Projekt trotz dieses positiven Beginns in eine Schieflage.

Das Team stagnierte in der sportlichen Entwicklung und verlor die Spitze, zu der man sich eben auf Augenhöhe wähnte, aus den Augen. Dazu machte man sich im Fahrerlager mit dem Bestehen auf die Einführung der teuren Energie-Rückgewinnung „KERS“ mitten in der Wirtschaftskrise keine Freunde.

Controlling vs. Tradition

Im Sommer 2009 müssen die Betriebswirte im Controlling des Konzerns erkannt haben, dass auch der vermutlich beste Businessplan der Welt keinen Formel-1-Weltmeistertitel garantieren kann. Das Projekt wurde beendet. Dies mag zwar in der Welt der Betriebswirtschaft, wo man Verlustbringer abstößt, ziemlich konsequent sein. Doch es ist nicht besonders sportlich. Und es ist ein Bruch mit der Tradition, die kurz vorher noch vom Konzern mit Aktionen wie dem Nordschleifen-Ausflug Nick Heidfelds im Formel 1 erfolgreich bedient wurde.

Die DTM meidet man in München seit bald 20 Jahren

Statt dessen baute man 2008 für den Einsatz in den USA den BMW M3 ALMS, der zunächst in der Viertürer-Klasse GT2-S homologiert wurde. Und inzwischen in langen Verhandlungen mit dem „Automobile Club de l’Ouest“ immerhin für einen Auftritt in Le Mans tauglich gemacht wurde. Im seriennahen Motorsport der Tourenwagen-Weltmeisterschaft kämpfen BMW-Piloten gegen Gegner von Chevrolet, Seat und Lada.

BMW 3.0 CSI aus der ehemaligen DRM
Ungessen sind die BMW 3.0 CSI aus der ehemaligen DRM

Dies ist – ohne die heutigen Gegner herabwürdigen zu wollen – natürlich kein Vergleich zum Wettbewerb gegen Audi, AMG Mercedes, Jaguar oder Volvo, wie er in der ehemaligen Europameisterschaft mit den Tourenwagen der Gruppe 2 oder Gruppe A ausgetragen wurde. Und es kann erst Recht nicht gegenüber den glücklichen Zeiten der Deutschen Rennsport Meisterschaft bestehen, als in der Gruppe 5 die Gegner Porsche, Ford oder Lancia hießen.

Gerade in der Deutschen Rennsport Meisterschaft hat BMW über viele Jahre hinweg sein Image positiv geprägt – auch ohne die ganz großen Erfolge. Denn hier vertrauten die Münchener 1977 vier jungen Männern ihre High-Tech-Rennwagen an. Rennleiter Jochen Neerpasch setzte den Schwaben Manfred Winkelhock, den Schweizer Marc Surer, den US-Amerikaner Eddie Cheever und den Italiener Bruno Giacomelli in die nach dem Gruppe-5-Reglement aufgebauten BMW 320i, damit sich die Nachwuchspiloten in der bisweilen rauen Deutschen Rennsport Meisterschaft die Hörner abstoßen konnten. Kurze Zeit später folgte die nicht minder legendäre „BMW M1 Procar Championship“.

Bis heute erinnert man sich auch im Hause BMW gern an das „BMW Junior Team“. Denn was die Herren auf der Strecke zeigten, gilt unter Kennern als einer der absoluten Höhepunkte der Motorsport-Geschichte – trotz oder wegen des manchmal übermotivierten Verhaltens der Protagonisten. Beeindruckend auch, dass sich die Förderung nicht nur auf den Tourenwagen beschränkte. Alle vier Piloten konnten mit Unterstützung von BMW zusätzlich mit einigem Erfolg auch die Europameisterschaft der Formel 2 bestreiten.

Cheever, den BMW damals im Formel-2-Team des Briten Ron Dennis unterbrachte, wurde 1977 Zweiter der Europameisterschaft. Bruno Giacomelli landete auf Rang vier. Ein Jahr später sicherte sich der Italiener den Titel, während Surer Zweiter wurde. Cheever und Winkelhock belegten die Plätze vier und neun. 1979 gelang es Marc Surer, den Titel zu gewinnen.

BMW Hauptverwaltung - Der Vierzylinder
BMW-Vierzylinder in München

Alle vier Junior-Piloten schafften es bis in die Formel 1. Sicherlich – so mag man an dieser Stelle anmerken – haben sich der Tourenwagensport und die Formel 1 in den vergangenen 30 Jahren weit voneinander entfernt. Und es wäre fraglich, ob ein Nachwuchsprogramm wie das „BMW Junior Team“ heute noch funktionieren würde. Trotzdem belegt ein Blick auf diese legendäre Nachwuchsförderung welcher Sportsgeist einmal im Vier-Zylinder beheimatet war.

Vielleicht gibt es noch einen Funken Hoffnung in München?

Denn im Winter platzte der Verkauf des Formel-1-Teams an einen Investor. Peter Sauber wagte anschließend die eigenständige Rückkehr in die Formel 1. Dort tritt das Team heute als „BMW Sauber Ferrari“ an. Die Zustimmung zu diesem Namen, dessen Wahl notwendig war, um an dank der Teilnahme in den Vorjahren am Preisgeld-Kuchen der Formel 1 teilzuhaben, erfordert Mut und Sportsgeist.

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