Auf der New York International Auto Show feiert Porsche die Premiere des Porsche Boxster Spyder. Der offene Zweisitzer ist eine Nachricht in unserem Auto-Blog wert. Denn so dicht am Kern der Marke war ein Porsche schon lange nicht mehr.

Ich gebe das heute oft nur ungern zu, als Kind war ich Porsche-Fan. Schuld war der rote Porsche 911 Targa meiner Tante. Doch in der jüngeren Vergangenheit ist meine einst vorhandene Begeisterung für Porsche deutlich abgeklungen. Mit zwei SUV und einem Viersitzer, der wie ein übergewichtiges Meerschweinchen aussieht, ist Porsche längst nur noch eine gewöhnliche Automarke. Im Streben nach absoluter Gewinnmaximierung ging der Geist, der die Produkte des Hauses früher ausmachte, irgendwann verloren.

Es gibt noch einen Funken Hoffnung: Boxster Spyder

Schon der in Genf präsentierte Cayman GT4 besann sich auf traditionelle Werte. Jetzt folgt auf der „New York International Auto Show“ die Premiere des Porsche Boxster Spyder. Im Vergleich zu den anderen Produkten, die heute den Namen Porsche tragen dürfen, ist der neue Roadster vergleichsweise puristisch. Damit ist der Mittelmotor-Roadster näher am Kern der Marke, als alles, was in den vergangenen 10 oder 15 Jahren aus Zuffenhausen die Autowelt beglücken durfte.

Offen: Porsche Boxster Spyder
Offen: Porsche Boxster Spyder (Foto: Porsche)

Der offene Zweisitzer hat ein Stoffverdeck, das sich nur von Hand vollständig öffnen und schließen lässt. Auch die Gangwahl erfolgt ausschließlich nach guter alter Art mit einer Handschaltung. Dazu gibt es ein im Vergleich zu den anderen Boxster-Modellen deutlich strafferes Sportfahrwerk. Das Sportfahrwerk bringt auch eine Tieferlegung um 20 Millimeter mit. Dies kommt den möglichen Kurvengeschwindigkeiten zugute. Insbesondere auch, weil eine direktere Auslegung der Lenkung den Kurvendrang zusätzlich unterstützt.

Damit der Sportwagen auf der Geraden länger schnell sein darf, verzögert der Boxster mit der Bremsanlage aus dem 911 Carrera. Das macht Sinn. Denn im Puristen sorgen 375 PS für den angemessenen Vortrieb. Damit ist der Spyder der zurzeit leistungsstärkste ab Werk angebotene Boxster. Den Sprint aus dem Stand auf 100 Kilometer pro Stunde legt der Spyder bei Bedarf in 4,5 Sekunden auf den Asphalt. Bei Tempo 290 halten sich der Luftwiderstand und die Kraft des 3,8 Liter großen Sechszylindermotors die Waage.

Anleihen in der Vergangenheit und der Gegenwart

Bei der Gestaltung des Äußeren bedient sich Porsche in der eigenen Geschichte. Hinter den Kopfstützen ziehen sich zwei Finnen – Porsche nennt sie Streamliner – fast über die gesamte Heckklappe. Das ist eine offensichtliche Hommage an den 718 Spyder aus den 1960er-Jahren – wobei die Finnen im aktuellen Boxster Spyder breiter und flacher als bei seinem Urahnen ausfallen. Mal abgesehen davon, dass der 718 nur eine Finne hinter dem Kopf des Fahrers hatte. Womit – natürlich – auch in diesem Porsche (leider wieder) etwas vom Meerschweinchen steckt. An der Front und des Hecks des Mittelmotor-Roadsters vertrauen die Designer auf die vom Cayman GT4 definierten neuen Linien der Porsche-Einsteigermodelle.

Geschlossen: Porsche Boxster Spyder
Geschlossen: Porsche Boxster Spyder (Foto: Porsche)

Auch wenn es bei der aktuellen Wetterlage schwer zu glauben ist, in Kürze sollte die Saison des Offenfahrens starten. Doch das Wetter kann gerne auf sich warten lassen, denn der Boxster Spyder wird erst ab Juli ausgeliefert. In Deutschland liegt der Preis bei 79.945 Euro. Dafür gibt es übrigens aus Gewichtsgründen weder ein Radio noch eine Klimaanlage. Für Porsche eine logische Konsequenz, die sich aus dem puristischen Ansatzes des Boxster Spyder ergibt. Und falls die Kunden diesem Ansatz nicht folgen wollen, bietet Porsche das Radio und die Klimaanlage übrigens ohne Aufpreis optional an.

Zusammengefasst: In den vergangenen Jahren war kein anderer Porsche mehr am Kern der Marke dran, als der Boxster Spyder.


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Porsche Boxster Spyder (Foto: Porsche)

Porsche Boxster Spyder (Foto: Porsche)

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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

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