Kenner dieses Blogs wissen, dass ich jahrelang das Vergnügen hatte, das „Youngtimer Vestival auf Zeche Ewald“ in Herten zu moderieren. Jetzt entsteht auf einer der für Treffen von Oldtimern und Youngtimer auch genutzten Wiese ein Brennstoffzellen-Werk. Für Treffen von Auto-Freunden bleibt damit in Herten leider immer weniger Raum.

Damit wir uns nicht missverstehen, die Grundsteinlegung des neuen Werks ist für Herten eine ausgesprochen positive Nachricht. Das Engagement der städtischen Wirtschaftsförderung zahlt sich aus. Denn das Werk schafft in der vom Strukturwandel im Ruhrgebiet arg gebeutelten Stadt mindestens 50 Arbeitsplätze. Herten kann das gut gebrauchen. Zumal Brennstoffzellen ein elementarer Bestandteil einer auf Wasserstoff basierenden Mobilität sein werden. Ein neues Brennstoffzellen-Werk klingt also nach einem Projekt, das die Zukunft in die Gegenwart holt.

Zukunft statt Vergangenheit?

Das „Youngtimer Vestival“ und seine Ableger konservierten dagegen vor der historischen Kulisse der alten Zeche vor allem Erinnerungen. Die waren zugegeben schön, denn ich genoss es immer sehr, am roten Teppich den Besitzern schöner Autos zu helfen, ihr Fahrzeug dem stets zahlreich lauschenden Publikum zu präsentieren. In den Benzingespräch lernte ich viele Besucher kennen, denen ich bis heute verbunden bin. Doch stetig steigende Umwelt- und Lärmschutzauflagen ließen den Veranstalter, die Vestische Mediengruppe von einer weiteren Organisation des erfolgreichen Treffens 2018 absehen.

Tom (rechts) bei der Präsentation beim Youngtimer Vestival
Tom (rechts) bei der Präsentation auf dem Youngtimer Vestival … hier rollte ein wunderschöner Opel Kadett B auf den roten Teppich. (Foto: Karla Schwede)

Zwar finden auf dem Gelände weiter kleinere Oldtimer-Treffen statt, doch an den Charme und die Größe des Originals kommt keine dieser Veranstaltungen bisher heran. Inzwischen mehren sich die Anzeichen, dass es „Auf Ewald“ auch keine weiteren Treffen dieser Größe geben wird. Denn das Auto, wie wir es kennen, ist auf Ewald inzwischen ein Auslaufmodell. Es ist in Herten wohl nur noch ein – vorübergehend geduldetes – Transportmittel. Das sah vor drei Jahren noch ganz anders aus. Denn damals war Herten auf dem Weg, das Gelände der Zeche Ewald zu einem Cluster der Oldtimer-Szene zu entwickeln. Eigentlich sollte „Auf Ewald“ seit mindestens einem Jahr der Standort einer weiteren Motorworld sein.

Bisher gibt es außer verwitterten Fahnen keine Spuren von der Motorworld!

Doch der einst vollmundig angekündigte Startschuss des Umbaus der Rasenhängebank zur Motorworld lässt bis heute auf sich warten. Auch der Bau eines begleitenden Themen-Hotels begann bisher nicht. Von der ursprünglich für 2019 angekündigten Eröffnung ist längst keine Rede mehr. Der inzwischen abgewählte Bürgermeister deutete in einem seiner zahlreichen Facebook-Postings schon vor Monaten einen leisen Abschied vom Projekt Motorworld in Herten an. Seinen Beitrag über die Gesellschafterversammlung der Motorworld Herten garnierte der Politiker mit einem Hinweis auf den Wasserstoff-Park auf dem Gelände.

Wasserstoff-Tankstelle in Herten
Zurzeit ist die Wasserstoff-Tankstelle in Herten geschlossen. (Foto: Markus Werner)

Bisher war dieser Wasserstoff-Park nicht mehr als eine zurzeit nicht geöffnete Wasserstoff-Tankstelle. Mit der Grundsteinlegung des neuen Werks zum Bau von Brennstoffzellen nimmt der Park deutlich mehr Kontur an. Das Werk entsteht im Auftrag des US-Motorenbauers Cummins. Über dessen Tochter Hydrogenics liefert Cummins die Brennstoffzelle für den Coradia iLint von Alstom. Den Antrieb des Zugs übernimmt Strom, den die Brennstoffzelle von Cummins erzeugt. Ein Konzept, das in einem Feldtest in Niedersachsen bereits seine Alltagstauglichkeit beweist.

Scheinbar war der Test des Zugs erfolgreich. Denn der Bau eines neuen Werks deutet darauf hin, dass Alstom und Cummins davon ausgehen, den Zug in größeren Stückzahlen anbieten zu können. Zudem gilt auch die Lkw-und Bus-Branche perspektivisch als Kunde für Brennstoffzellen. Denn gerade Nutzfahrzeuge zeigen, dass das batterieelektrische Fahrzeug eine Sackgasse ist. Gut möglich, dass Herten mit diesem Ansiedelungserfolg gerade sein Ticket in die Wasserstoff-Zukunft lösen konnte. Der Abschied vom „Youngtimer-Vestival“ und vermutlich auch der Motorworld ist für die Stadt damit leicht zu verschmerzen. Für Fans von Oldtimern und Youngtimern ist das nicht ganz so einfach! Viele von Ihnen vermissen die Zeit auf Ewald, obwohl Betonbarrieren und künstliche Verkehrshindernisse ja zeitweise schon dokumentierten, dass Auto-Freunde hier nicht mehr willkommen sind.

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