Ab 2021 gibt es in der Formel 1 eine Budgetobergrenze. Doch reicht das, um wieder mehr Autos auf der Strecke bewundern zu können? Vermutlich nicht, denn in der Formel 1 stimmt viel mehr nicht. Ein paar Gedanken dazu, was der Königsklasse im Moment alles fehlt!

Plötzlich war möglich, was zuvor nie eine Mehrheit fand. Unter der Druck der Corona-Pandemie gibt es ab 2021 in der Formel 1 eine Budgetobergrenze. Das überrascht immer noch, denn die Königsklasse des Motorsports setzte bisher auf einen grenzenlosen Kapitalismus. Unter der Regie von Bernie Ecclestone stiegen ein paar im Kreis fahrende Autos zu einem globalen Unternehmen auf. Der Brite, der inzwischen unfreiwillig in den Ruhestand ging, vertrat immer die Auffassung, wer sich die Formel 1 nicht leisten kann, der soll woanders spielen.

Womit klar ist, unter Ecclestone hätte es keine Budgetobergrenze gegeben. Und selbst nach dem Ausscheiden des Briten dauerte es ein paar Jahre, bis sich der Vorschlag umsetzen lies. Doch inzwischen sind die Alarmzeichen unübersehbar. Frank Williams bietet sein Team offiziell zum Verkauf an. Auch bei McLaren gibt es Gerüchte, dass die Kasse leer ist. Denn das Formel-1-Team ist Teil eines Sportwagenbauers. Dessen Absatz bracht während der Corona-Krise auf einen Bruchteil ein.

In den letzten 50 Jahren sperrten mehr als 50 Teams ihre Garage für immer zu. Denn die Formel 1 ist auch ein Spiegelbild der Gesellschaft. Obwohl sie als Ganzes jährliche Milliarden-Gewinne schreibt, kämpfen große Teile des Felds ums nackte Überleben. Die Einnahmen des Geschäfts sind ungleich verteilt. Es reicht nicht, dabei zu sein, um Geld zu verdienen. Ecclestone hatte offensichtlich Angst davor, dass sich jemand an seinen gedeckten Tisch setzt., führte deshalb eine Gewinnverteilung ein, die neben dem Erfolg auch die Tradition honoriert.

Scheitern gehört in der Formel 1 zu Handwerk!

Damit sorgte der geschäftstüchtige Brite dafür, dass Neueinsteiger einen langen Atem benötigen, bis sie in der Formel 1 Geld verdienen. Daneben entstand ein System, das hohe Hürden vor den Einstieg setzt. 2020 wollen zehn Team mit je zwei Rennwagen in der Formel 1 antreten. Neben Williams steht auch das Team des amerikanischen Milliardärs Gene Haas auf der Kippe. Der Amerikaner soll enttäuscht davon sein, wie hoch die Trauben in der Formel 1 hängen. Aber war früher wirklich alles besser? Vermutlich nicht!

Drehen wir die Zeit einmal um 50 Jahre zurück. 1970, ein Jahr bevor Bernie Ecclestone mit dem Kauf von Brabham zum Teamchef wurde und alles veränderte, traten 21 Teams zu mindestens einem Grand Prix an. Das Geheimnis dieser Vielfalt war, dass in der Königsklasse damals die Kombination aus Cosworth-Motor und Hewland-Getriebe üblich war. Um dieses Duo zimmerten die Teams ihre Autos. Und sie wussten, dass sie für 150.000 US-Dollar einen konkurrenzfähigen Antrieb hatten. Wir reden von der ganzen Saison wohlgemerkt! Unter Berücksichtigung der Inflation wären das heute rund 630.000 US-Dollar. Dafür dreht sich heute kein Rad mehr!

Jetzt müssen wir über die Motoren und die Chassis reden!

Aktuell zahlen die Kunden-Teams für die Nutzung der benötigten Turbo-Hybrid-Aggregate rund 15 Millionen US-Dollar pro Jahr. Der Vergleich der Zahlen zeigt, das größte Problem der Gegenwart. Schon die Motoren sind so teuer, dass sich Teams aus einer anderen Fahrzeugklasse den Aufstieg in die Formel 1 sparen. Die Formel 1 benötigt einen Antrieb, den die Teams bezahlen können. Auch das ist keine neue Diskussion. Doch woanders geht das auch! In der Indycar-Serie sind die Motorkosten limitiert. Der Motor darf dort maximal eine Million US-Dollar pro Auto uns Jahr kosten. Das funktioniert auch! Und eine vergleichbare Regel braucht meiner Meinung nach die Formel 1 auch, um wieder mehr Teams anzulocken.

Denn das nächste Problem ist, dass die Teams heute ein eigenes Chassis bauen müssen. Früher konnten Teams mit fremden Konstruktionen antreten. Das nutzten 1970 gleich zwölf Teams. Darunter war mit Tyrrell sogar das Team des Vorjahres-Weltmeisters. Denn nach dem Ende der Zusammenarbeit mit Matra startete das Team des knorrigen Holzhändlers Ken Tyrrell mit einem gekauften Chassis von March in die Saison. Die Eigenkonstruktion Tyrrell 001 stand erst im September beim Großen Preis von Canada zur Verfügung. Damit nicht genug, 1970 traten sechs Teams nur bei einem Rennen an, denn die Pflicht, bei allen Rennen der Saison anzutreten, gab es nicht.

Damit konnten sich Nachwuchsfahrer oder Piloten, die ihre Karriere wieder in Schwung bringen wollten, in der Königsklasse versuchen. Das nutzte beispielsweise der Deutsche Rennfahrer Hubert Hahne. Doch Hahne verpasste die Qualifikation und beschuldigte anschließend Cosworth und March, ihm absichtlich schlechtes Material gegeben zu haben. Ein Vergleichtest, den Ronnie Peterson mit dem Chassis von Hahne fuhr, zeigte schnell das wahre Problem auf. Der Rennfahrer aus Moers hängte den Helm an den Nagel und vermietete seinen March fortan an Jean-Pierre Jarier. Was spricht eigentlich dagegen, wieder Teams zuzulassen, die nur bei ausgewählten Rennen antreten wollen?

Was ist eigentlich die DNA der Formel 1?

Warum lassen die FIA und die Inhaber der kommerziellen Rechte nicht käufliche Chassis zu? Über Vorgaben zum Gewicht, zu den Reifen oder auch dem Motor wäre das Leistungsvermögen dieser Fahrzeuge durchaus justierbar. Es wäre doch toll, wenn verbesserte Formel-2-Autos oder Fahrzeuge aus den Vorjahren dafür sorgen, dass wieder regelmäßig 26 Autos am Start stehen. Ich bin sicher, dass Teams und Rennfahrer die Chance, sich auf der großen Bühne zu präsentieren, nutzen würden. Das würde sogar funktionieren, wenn diese Teams ihre Kosten völlig alleine refinanzieren müssten und nicht am Kuchen der Formel 1 beteiligt werden.

Denn der Start bei einem Rennen sorgt sicher für mehr Aufmerksamkeit, als die Teilnahme am ersten Training am Freitag, das die Teams heute nutzen, um Nachwuchsfahrer an die Formel 1 heranzuführen. Aus meiner Sicht widerspricht die Ergänzung des Felds auch der viel zitierten DNA der Formel 1. Denn die Königsklasse definiert sich darüber, dass sie die schnellsten Autos auf dem Planeten baut. Daran würde sich nichts ändern. Die Spitze wird durch diese Vorschläge nicht langsamer. Gleichzeitig verbessert sich die Show. Davon profitiert auch die Spitze. Schließlich lebt auch sie davon, dass sich die Zuschauer für die Rennen begeistern. Und das fällt mit 26 Autos einfach leichter als mit 20 Autos!

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