Caterham tritt nicht beim Großen Preis der USA an. Rund um das „Team“ ist eine wahre Schlammschlacht entbrannt. Dazu gibt es ein zumindest unübersichtliches Firmenkonstrukt. Zurückbleiben ein verärgerter Verkäufer, enttäuschte Käufer, ein Insolvenzverwalter, die frustrierten Fans und die bedauernswerten Angestellten. Versuchen wir uns mal daran, etwas Licht in das Dunkel zu bringen.

Was ist eigentlich Caterham F1?

Das ist unübersichtlich. Inhaber der Formel-1-Lizenz ist die Firma „1Malaysia Racing Team Sdn Bhd“ (1MRT). Dieses Unternehmen gründete AirAsia-Chef Tony Fernandes Ende 2009 in Malaysia. Über 1MRT scheinen alle Verträge mit der Formel-1-Administration, den Sponsoren sowie mit Renault und Pirelli zu laufen. Dazu gibt es Verträge mit der Firma „Caterham Sports Limited“ (CSL) im britischen Leafield.

Denn 1MRT hat CSL mit dem Bau und dem Einsatz der Rennwagen beauftragt. Gemäß der Statuten der Formel 1 gilt 1MRT damit als Konstrukteur. CSL als Dienstleister, der im Spiel der Formel 1 keine große Rolle spielt. Auch wenn bei CSL vermutlich das Herz und die Seele des Teams Caterham F1 zu Hause war. 1MRT ist der Kopf, der die Entscheidungen trifft.

Was wurde im Sommer eigentlich verkauft?

Im Sommer vereinbarten 1MRT-Besitzer Fernandes und das Investmentunternehmen Engavest den Verkauf des Unternehmens. Genaue Details zum Verkauf wurden nicht öffentlich. Heute betont Verkäufer Tony Fernandes, dass Teil des Deals die Übernahme aller Verbindlichkeiten sei. Dazu würden, so der Chef von AirAsia, auch die bei CSL beschäftigten Mitarbeiter gehören. Für diese Aussagen des Unternehmens spricht, dass das im Sommer mit Manfredi Ravetto ein Vertrauter des Investmentunternehmens Geschäftsführer der Firma CSL wurde.

Was ist jetzt passiert?

Anfang Oktober gab es die ersten Hinweise auf ernste Zahlungsschwierigkeiten bei CSL. Inzwischen weigert sich Fernandes, die Firma 1MRT auf Engavest zu übertragen. Gleichzeitig ist CSL insolvent, steht unter Verwaltung des Insolvenzverwalters Smith & Williamson. Das ist eine ziemlich renommierte britische Rechtsanwaltskanzlei. Sie entband Manfredi Ravetto von seinen Aufgaben. Engavest hat sich offiziell zurückgezogen. Gleichzeitig hat Smith & Williamson das Interesse zur Übernahme von 1MRT bekundet.

Was wird jetzt passieren?

Unabhängig von diesem Angebot hat der Insolvenzverwalter für CSL die Rolle eines Treuhänders. Sein Hauptaugenmerk liegt darauf, den Fortbestand des Betriebs zu sichern. Wenn das nicht möglich ist, wird er die Werte des Unternehmens sichern, um die Gläubiger zu befriedigen. Als ersten Schritt hat der Insolvenzverwalter in der vergangenen Woche das Werk in Leafield geschlossen. Das ist kein gutes Zeichen. Denn es ist tatsächlich fraglich, ob es für das Unternehmen CSL ein tragfähiges Geschäftsmodell gibt.

Mit dem Kunden 1MRT, der für den Bau und den Einsatz der Rennwagen bezahlt, könnte das zwar grundsätzlich der Fall sein. Jedoch nur, wenn 1MRT so viel bezahlt, dass CSL die Kosten decken kann. Das scheint jedoch bisher nicht der Fall gewesen zu sein. Der Insolvenzverwalter beziffert die Schulden der Firma CSL mit rund 24,2 Millionen US-Dollar. Mehr als ein Drittel davon bei der „Export-Import Bank of Malaysia“. Bleiben rund 16 Millionen bei Lieferanten und wohl auch den Angestellten.

Was fällt mir dazu noch ein?

Ein nachhaltiges Geschäftsmodell sieht anders aus. Insofern ist das Schließen der Fabrik nachvollziehbar. Trotzdem wird der Insolvenzverwalter jetzt prüfen, wo neues Geld für CSL aufzutreiben ist. Oder ob er für 1MRT und CLS einen Käufer findet, der den Betrieb fortführt. Erst wenn das nicht gelingt, folgt die Liquidation. Es wäre die dritte im Werk in Learfield. Denn an gleicher Stätte gingen auch Arrows und Super Aguri Pleite. In beiden Fällen kam es vor Ort zu einer Versteigerung. Unabhängig davon bleiben eine Menge Fragen zurück.

Auch die Schlammschlacht, die sich die verhinderten Käufer und Verkäufer in der vergangenen Woche lieferten, wirft kein gutes Bild auf die Königsklasse des Motorsports. Denn trotz der Expansion der Formel 1 kämpft das halbe Feld ums Überleben. Das wirft die Frage auf, wo bleibt eigentlich die das Geld? Es sieht so aus, als ob ein Teil davon nach Malaysia geflossen ist. Und als ob in Großbritannien dafür jetzt die Schulden zurückbleiben.

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