Am Jahresanfang blickt die Autowelt traditionell nach Amerika. Dort eröffnet seit ewigen Zeiten die North American International Auto Show (NAIAS) in Detroit das Autojahr und den Reigen der Automessen. Doch inzwischen hat die NAIAS ein Vorspiel bekommen. Denn mit der zunehmenden Digitalisierung des Autos wurde auch die Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas zu einer Spielwiese der Autohersteller.

Kein Wunder, schließlich hob der Einsatz von Steuercomputern das Leistungs- und das Sicherheitsniveau unser Fahrzeuge binnen weniger Jahre auf ein Level, der mit rein mechanischen Lösungen nicht erreichbar war. Inzwischen ist es keine echte Zukunftsmusik mehr, wenn man das Auto als Teil des Internets der Dinge sieht.

Das Wissen über die Fahrziele und die Gewohnheiten der Auto-Nutzer verspricht, das nächste große Ding zu werden. Wer heute davon noch keine Vorstellung hat, der muss einfach mal bei Amazon nach einem Produkt suchen. Es ist immer wieder erschreckend, auf wie vielen Webseiten es anschließend Werbung für genau dieses Produkt gibt.

Highlight der CES 2016 Volkswagen-Studie BUDD-e

Der avantgardistische Minivan soll zeigen, wie sich Europas größter Autobauer das Auto des Jahres 2019 vorstellt. Wobei sich die Entwickler bei ihrem Blick in die Zukunft zunächst bei der eigenen Vergangenheit bedienen. Denn die äußere Form des BUDD-e ist zumindest etwas vom klassischen VW Bus inspiriert.

Spötter werden an dieser Stelle anführen, dass sie das Design – besonders am Heck – mehr an einen Renault Mégane II oder einen KIA Soul erinnert. Aber das ist wohl eine Anpassung an den Zeitgeist und die Umsetzung der Vorschriften zum Fußgängerschutz. So klare Linien, wie sie der erste VW Bus noch hatte, sind heute nicht mehr gestattet.

Auftritt: Modularer Elektrifizierungsbaukasten (MEB)

Der BUDD-e ist die erste Volkswagen-Studie auf Basis des neuen Modularen Elektrifizierungsbaukastens (MEB). Als Bruder des Modularen Querbaubaukastens (MQB) ist der MEB speziell auf die Bedürfnisse von Elektrofahrzeugen abgestimmt. Ich habe ja schon oft geschrieben, dass ich einen technischen Weg, wie BMW ihn mit dem i3 verfolgt, für sinnvoller halte, als „normale“ Fahrzeuge zu elektrifizieren.

Doch bei den Meistern der Standardisierung – und ich meine das als Kompliment – denkt man nicht in einzelnen Fahrzeugen. Deshalb dauert es vielleicht manchmal etwas länger, bis Volkswagen seine Lösung präsentiert. Dafür ist sie skalierbar. So ist der BUDD-e sicherlich nur der Anfang. Wie ich die Wolfsburger kenne, wird es in den nächsten Monaten eine ganze Reihe von Konzeptfahrzeugen auf Basis des MEB geben.

Was bietet BUDD-e?

Die Studie BUDD-e ist als sogenanntes Zero-Emission-Fahrzeug konzipiert. Der Antrieb erfolgt rein elektrisch. BUDD-e verfügt dazu über eine im Wagenboden integrierte Batterie mit einem Energiegehalt von 92,4 kWh. Die Position der Batterien im Wagenboden setzt sich bei Elektrofahrzeugen offenbar durch. Auch Tesla, BMW oder Neueinsteiger Faraday bringen ihre Batterien im Wagenboden unter.

BUDD-e ist dabei als Allrad-Fahrzeug ausgelegt. Der vordere Elektromotor leistet 100 kW (136 PS). An der Hinterachse stehen 125 kW (170 PS) zur Verfügung. Mit einer Batterieladung ist – zumindest im Fahrbetrieb des Normzyklus NEFZ – eine Reichweite von 533 Kilometern möglich. Als Höchstgeschwindigkeit gibt Volkswagen ein Tempo von 180 Kilometern pro Stunde an.

Mit einer Länge von 4,60 Metern liegt die Studie übrigens zwischen den heutigen Volkswagen-Modellen Touran und Multivan T6. Um die Wendigkeit zu erhöhen, setzt auch Volkswagen beim BUDD-e auf eine mitlenkende Hinterachse. Ein Feature, das ja auch andere Hersteller in den letzten Monaten vorgestellt haben. Wir waren zuletzt im Renault Mégane GT mit einer mitlenkenden Hinterachse unterwegs.

Gestensteuerung – möge die Macht mit Dir sein.

Neu ist auch die Art und Weise, wie die Nutzer mit dem Auto „kommunizieren“. Volkswagen setzt beim BUDD-e in breiter Front auf eine Gestensteuerung. Selbst die Türen lassen sich mit einer Handbewegung aus der Ferne öffnen. Vor ein paar Jahren musste Volkswagen in einem Werbespot einen kleinen Darth Vader dabei noch mit der Funkfernbedienung „unterstützen“. Jetzt erreicht die „Macht“ (bald) auch normale Autobesitzer.

Denn 2019 soll BUDD-e Realität werden. Ich bin gespannt, wie Kunden auf den Van reagieren. Mit der Anlehnung an den klassischen VW Bus, der besonders in Amerika viele Freunde hat, sichert sich Volkswagen schon mal ein paar Sympathiepunkte. Doch BUDD-e kann mehr. Beim angestrebten Debüt 2019 sind – so hofft die Autoindustrie – auch die gesetzlichen Hürden, die heute das autonome Fahren auf breiter Front verhindern, ausgeräumt. Denn so wie ich es mit dem Audi A7 schon auf der Autobahn ausprobiert habe, soll auch BUDD-e – zumindest auf Überlandstrecken – selbstständig fahren können.

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