Ich war die vergangenen zwei Tage in Barcelona. Auf einer Tour durch das Umland kam ich auch in Montmelò vorbei. Das nutzte ich natürlich zu einem Abstecher zum Circuit de Barcelona-Catalunya. Das war auch deshalb besonders interessant, weil Pirelli dort gerade die neuen Reifen für die Formel 1 Saison 2017 testet. Auch wenn mein Besuch an der Rennstrecke damit am Tor des Fahrerlager endete.

Ein Blick auf die Strecke war nicht möglich. Eigentlich unverständlich, dass man bei solchen Testfahrten niemanden auf die Tribünen lässt. Denn mit Ferrari und Mercedes waren zwei der Topteams in Barcelona im Einsatz. Auch wenn die Formel 1 viel in Barcelona testet, es ist nicht nachvollziehbar, dass die Fans dabei vor der Tür bleiben müssen.

Immerhin versandte Pirelli ein paar Bilder von den Tests. Eines zeigt, wieviel die neuen Reifen tatsächlich breiter werden. 25 Prozent sind eine Zahl. Ein Bild sagt da mehr als viele Worte. Und so stellten die Pirelli-Techniker mal ein paar aktuelle Reifen an einen modifizierten Mercedes des Jahrgangs 2015, der in Barcelona mit den 2017er-Reifen ausrückte.

Modifizierter Mercedes beim F1-Reifentest in Barcelona
Modifizierter Mercedes beim F1-Reifentest in Barcelona – Foto Pirelli

Doch noch interessanter fand ich ein weiteres Foto, das den modifizierten Ferrari SF15-T auf der Strecke zeigt. Die Formel-1-Generation 2017 soll deutlich schneller als die heutigen Fahrzeuge werden. Dazu muss die Kurvengeschwindigkeit steigen. Weshalb die Reifen breiter werden. Doch das alleine wird nicht reichen. Deshalb sollen die zukünftigen Fahrzeuge auch mehr Abtrieb generieren.

Comeback der Seitenschürzen

Um das zu simulieren, haben die Techniker die 2015er-Rennwagen mit Seitenschürzen ausgerüstet. Ein weiteres Foto, das Pirelli verschickte, zeigt das ganz gut. Die schleifenden Leisten aus Hartgummi dichten den Raum zwischen dem Unterboden der Rennwagen und der Fahrbahn ab. Dadurch wird der negative Bodeneffekt verstärkt. Als erster Rennwagen trug 1977 der Lotus 78 solche Schüzen.

Schürze am Tyrrell 009
Schürze am Tyrrell 009 von 1979 (Foto: Tom Schwede)

Lotus revolutionierte damit die Szene. Denn die Abdichtung verdreifachte beim Lotus 78 den Anpressdruck bei gleichbleibendem Luftwiderstand. Lotus perfektionierte das System und fuhr 1978 mit dem „Trick“ zum WM-Titel. Worauf praktisch alle Teams das Prinzip kopierten. Doch damals war das ganze nicht ohne Risiko. Denn immer wieder kam es vor, dass die Seitenschürzen den Kontakt zum Boden verloren.

Dadurch strömte plötzlich Luft unter das Fahrzeug. In der Regel katapultierte das die Fahrzeuge regelgerecht in die Luft. Der Unfall von Manfred Winkelhock (Video) bei einem Formel 2 Rennen am Nürburgring ist so ein typischer Schürzen-Unfall. Deshalb verbot die FIA die Seitenschürzen schon zur Saison 1981. Um so interessanter, dass die Schürzen jetzt – zumindest zum Testen – wieder auftauchen.


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Modifizierter Ferrari SF15-T beim F1-Reifentest in Barcelona

Foto: Pirelli

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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

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