Vor ein paar Tagen entdeckte ich im Kinderzimmer ein Darda-Auto mit Rückziehmotor und hatte spontan ein Flashback. Denn Darda-Autos, das waren diese kleinen Spielzeugflitzer, die durchaus erstaunliche Geschwindigkeiten erreichen konnten und die während meiner Kindheit irgendwann vom Geheimtipp zum Hit wurden.

Dafür verantwortlich waren die unglaublichen Geschwindigkeiten, die die kleinen Autos erreichen konnten. Ihr Geheimnis war der sogenannte Uhrwerkmotor, der sich im Gegensatz zum herkömmlichen Rückzugsmotor wie eine Armbanduhr in beide Richtungen aufziehen lässt. Erfunden hat dieses Meisterwerk der Technik Ende der 1960-Jahre Helmut Darda, ein Tüftler aus dem mittleren Schwarzwald.

Helmut Darda betrieb im Hauptberuf eine Firma, die sich mit der Entwicklung und der Produktion von hydraulischen Stein- und Betonspaltgeräten für Abbruchfirmen beschäftigte. Ab Mitte der 1970er-Jahre waren die Darda-Autos, deren Motor jedoch erst 1984 zum Patent angemeldet wurde, im Handel verfügbar und entwickelten sich in den Kinderzimmern der Republik schnell zu einem Massenphänomen. Von der Größe her mit den bekannten Matchbox-Autos vergleichbar, machte der kleine Schwungradmotor die Autos viel cooler.

Dazu kamen die Bahnen, deren einfaches aber robustes Kunststoffschienensystem schnell neu zusammengesteckt werden konnte. So konnten die Nachwuchs-Tilkes ihre Steilkurven, Kreuzungen und Loopings täglich anders in allen möglichen Variationen durch das meist kleine eigene Reich führen. Dabei entstanden dann Konstruktionen, die heutige Kinder wohl überwiegend nur aus ihren virtuellen TrackMania-Welten kennen.

Darda – Toys in Space

Höhepunkt des Dardaismus war 1985 der Ausflug eines Darda-Autos und einer Darda-Bahn in das Weltall. Mit dieser Aktion wollte die NASA das Interesse von Kindern für die Raumfahrt gewinnen. Dazu führten die Astronauten der Space-Shuttle-Mission STS-51-D an Bord der Discovery vom 12. bis 19. April 1985 Versuche in der Schwerkraft mit einem „einfachen Kinderspielzeug“, wie es in den Versuchsprotokollen hieß, durch.

Der Hersteller der Darda-Autos, die „Helmut Darda Spielwaren- und Maschinenbau GmbH“, profitierte von der Aktion nicht wie erhofft. Denn der Spielzeugmarkt wurde Anfang der 1990er-Jahre zunehmend schwieriger und ohne den finanziellen Background eines großen Unternehmens konnte sich der Mittelständler Darda auf Dauer nur schwer behaupten.

Anfang der 1990er-Jahre verkaufte man daher die Marke und die Patente, um sich auf das Maschinenbauunternehmen zu konzentrieren. Die neuen Eigentümer verlegten die Produktion der Darda-Autos nach China. Dem Produkt Darda-Auto bekam das nicht. Wo zuvor hochwertige Zinkdruckguss-Karossen üblich waren, gab es nun billige Plastik-Karossen. Die Qualität der Motoren erreichte ebenfalls nicht mehr den zuvor gepflegten Standard.

Wo Kostenkiller regieren, gehen gern Marktanteile verloren.

Darda-Autos verloren zunehmend Marktanteile. Heutige Kinder kennen oft nur „Hot Wheels“, wenn sie denn überhaupt mit Spielzeugautos spielen. Dafür erfreuen sich die Originale, die von 1970 bis 1992 produziert wurden, bis heute bei einer zwar verhältnismäßig kleinen, aber treuen Fangemeinde großer Beliebtheit, wie zum Beispiel die Filme der „Darda_Brothers“ zeigen. Die Australier komponieren in ihren Videos Darda-Bahnen zu Gesamtkunstwerken und erzählen mit den kleinen Flitzern Geschichten.

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