Irgendwie musste ich gestern an das Lied von den zehn kleinen Jägermeistern von den Toten Hosen denken. Denn die Dekra übernimmt den Lausitzring, um dort sein Testcenter zu erweitern. Damit verliert Deutschland – vermutlich – eine permanente Rennstrecke.

Mit der Übernahme will die Sachverständigenorganisation das größte herstellerunabhängige Zentrum für automatisiertes und vernetztes Fahren in Europa zu schaffen. Auf dem Gelände der bisherigen Motorsportstrecke sollen zwei Citykurse, ein Überlandkurs sowie eine Autobahnstrecke und mehrere große Asphaltflächen entstehen. Hier sollen Autohersteller und Zulieferer die Zukunft des Fahrens entwickeln.

Für den Motorsport ist das kein gutes Zeichen!

Denn mit der Übernahme der Strecke verschiebt sich der Schwerpunkt der Nutzung. Anders als die bisherigen Betreiber der Strecke will die Dekra in der Lausitz keine Motorsport-Veranstaltungen durchführen. Nach allen, was zu lesen ist, kündigte die Sachverständigenorganisation zwar an, die Strecke bei Bedarf an interessierte Veranstalter zu vermieten. Gleichwohl fehlt dieses Bekenntnis in der offiziellen Pressemitteilung der Dekra.

Die bisherigen Betreiber hatten die Strecke vor acht Jahren zunächst als Pächter übernommen. 2011 gelang ihnen dann der Kauf. Vorausgegangen war die Pleite der im Jahr 2000 eröffneten Strecke, die sich auf einem ehemaligen Braunkohle-Tagebau befindet. Höhepunkt des Motorsportjahrs in der Lausitz war zuletzt das Motorsport-Festival mit dem Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) und dem ADAC GT Masters. Daneben fährt mit der Superbike-WM seit ein paar Jahren auch eine Motorrad-Serie mit WM-Status in der Lausitz.

Die Geschäftsführenden Gesellschafter der EuroSpeedway Verwaltungs-GmbH, Josef Hofmann und Josef Meier, Clemens Klinke, Mitglied des Vorstands DEKRA SE, Dr. Gerd Neumann, Vorsitzender der Geschäftsführung der DEKRA Automobil GmbH.
Die Geschäftsführenden Gesellschafter der EuroSpeedway Verwaltungs-GmbH, Josef Hofmann und Josef Meier, Clemens Klinke, Mitglied des Vorstands DEKRA SE, Dr. Gerd Neumann, Vorsitzender der Geschäftsführung der DEKRA Automobil GmbH (von links nach rechts – Foto: Dekra)

Nicht mehr dort am Start sind die US-Serien, die die ursprünglichen Betreiber noch auf das zur Anlage gehörende Oval locken konnten. Dieser Teil der Strecke liegt seit Jahren weitestgehend brach. Eine Wiederinbetriebnahme des Ovals hätte Investitionen erfordert, die die bisherigen Streckenbesitzer nicht aufbringen konnten. Zumindest liegt dieser Schluß nahe, denn auf die Ankündigungen des vergangenen Jahres, das Oval ab 2018 wieder im Rennbetrieb zu nutzen, folgten keine sichtbaren Aktivitäten.

Vor ein paar Monaten galt der Lausitzring noch als Kandidat für den Großen Preis von Deutschland. Jetzt sieht es so aus, dass die Strecke als Kandidat ausscheidet. Denn ich eigentlich beißt sich die Motorsportnutzung mit dem Testbetrieb. Das, was die Dekra in der Lausitz plant, erfordert eine umfangreiche Umgestaltung der Ablage. Andere Testcenter, wie beispielsweise in Papenburg, sind Hochsicherheitsgebiet und nur im Ausnahmefall öffentlich zugänglich.

Motorsport hat keine Lobby

Alles zusammen klingt danach, dass mit dem Kauf des Lausitzrings durch die Dekra eine Rennstrecke aus dem Markt ausscheidet. Damit bleiben Motorsport-Fans nur noch der Hockenheimring, der Nürburgring, Oschersleben sowie der Sachsenring. Wobei die letztgenannte Strecke ein Sonderfall ist. Denn dort gibt es im Umfeld, wie zuletzt der Große Preis für Motorräder wieder zeigte, jede Menge Schwierigkeiten.

Für mich ist die Lausitzring-Übernahme ein weiteres Zeichen dafür, wie schwierig der Betrieb einer reinen Motorsportanlage in Deutschland ist. Motorsport hat keine Lobby. Zahlreiche steigend Auflagen sorgen dafür, dass die Durchführung von Motorsport-Veranstaltungen immer schwieriger wird. Bei den großen Profi-Serien kommt noch hinzu, dass Wettbewerber aus dem Ausland mit viel Geld von Staat den Wettbewerb verzerren. Die Formel 1 fährt deshalb lieber in Aserbaidschan oder Bahrain als in Deutschland oder Frankreich.

Gleichzeitig wird es immer schwieriger, das Publikum an die Strecke zu bekommen. Selbst die DTM und das ADAC Masters bekommen die Hütte nicht voll. Wobei das zumindest im ersten Fall auch am Produkt DTM liegen könnte. Erfolgreich war die DTM als Tourenwagenserie. Das ist ihre Tradition. Heute fahren dort Prototypen, die nur noch entfernt an klassische Tourenwagen erinnern. Ich glaube, mit einem Reglement nach dem Vorbild der Australier wären die Strecken voll.

Gleichzeitig wird auch die Durchführung von Breitensportveranstaltungen immer schwieriger. Wenn Du und ich mit privaten Rennwagen auf die Strecke wollen, dann finanziert sich das aus den Nenngeldern der Teilnehmer. Mit Eintrittsgeldern kalkuliert kaum noch ein Veranstalter. Auf den großen Strecken erlebe ich es regelmäßig, dass die Veranstalter darauf verzichten, (alle) Tribünen zu öffnen. Denn die Kosten für die Miete der Tribünen und die Kosten für das benötigte Sicherheitspersonal übersteigen die zu erwartenden Einnahmen.

Insofern ist der Verkauf der Strecke in der Lausitz an die Dekra möglicherweise nur der Anfang. Mal gucken, was an den anderen Strecken noch passiert.

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