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Tom Schwede, bewegt alles, was vier Räder hat Hallo, ich bin Tom — zusammen mit der Auto Blogger Crew mit viel Benzin im Blut blogge ich hier im Auto-Blog für Auto-Natives über Autos. Seit 2007 gibt es in diesem Blog regelmäßig Reportagen, Tests und Meinungen rund ums Auto. Dazu zählen auch Beiträge über Oldtimer oder Youngtimer sowie über Motorsport.

 




An diesem Wochenende tritt die Formel auf dem Nürburgring zum Großen Preis von Deutschland an. Für AutoNatives.de die passende Gelegenheit, um einmal auf die wechselvolle Geschichte dieses Rennens zurückzublicken.

  • 1926 fand auf der Berliner AVUS der erste offizielle Große Preis von Deutschland statt.
  • Erster Sieger war Rudolf Caracciola; bis heute auch Rekordsieger des Rennens.
  • Schon ein Jahr später fand das Rennen am Nürburgring statt.
  • Sicherheit war nicht nur am Nürburgring immer ein Thema des Rennens.

Zwar gab es bereits 1907 mit dem Kaiserpreis einen deutschen Grand Prix, aber der Titel „Großer Preis von Deutschland“ wurde erstmals 1926 auf der Berliner AVUS ausgeschrieben. Darauf hatten die Zuschauer offensichtlich nur gewartet. Am Renntag strömten rund 500.000 in den Grunewald. Doch Baumängel an der „Automobil-Verkehrs- und Übungs–Straße“ sorgten heftige für Bodenwellen auf der schnellen Strecke im Schatten des Berliner Funkturms.

In Verbindung mit der wegen des am Renntag widrigem Wetters rutschigen Fahrbahnoberfläche  eine verhängnisvolle Kombination. Gleich vier Teilnehmer verunglückten während des Rennes tödlich. Als erster Sieger schrieb sich Rudolf Caracciola in die Analen des Rennens ein. Der „Regenmeister“, wie Caracciola zu seiner Zeit auch gern genannt wurde, gewann mit einem Daimler-Benz, den Ferdinand Porsche konstruiert hatte.

1927 folgt der Wechsel an den Nürburgring

Ein Jahr später wechselte der Große Preis von Deutschland erstmals an den damals neuen Nürburgring. In der Eifel hatte man bereits mehr als 20 Jahre vorher mit den Planungen für den Bau einer permanenten Rennstrecke begonnen. Doch erst 1924 wurden die Planungen konkreter. 1927 war der Nürburgring fertig. Rudolf Caracciola gewann das Eröffnungsrennen. Beim wenige Wochen später ausgetragenen Großen Preis von Deutschland siegte Mercedes-Benz-Teamkollege Otto Merz.

Die dritte Ausgabe des Großen Preis von Deutschland im Jahr 1928 sicherte sich – jetzt auch am Nürburgring – Caracciola. Der Rennfahrer aus Remagen feierte damit den Auftakt zu einer beeindruckenden Siegesserie. Denn von 1928 bis 1939 siegte Caracciola beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring gleich fünfmal. Inklusive seines Siegs auf der AVUS brachte es der erfolgreichste deutsche Automobilrennfahrer der Vorkriegszeit so auf insgesamt sechs Siege beim Großen Preis von Deutschland . Bis heute ist es keinem anderen Piloten gelungen, den Großen Preis von Deutschland so oft zu gewinnen.

1931 erobert Caracciola neben der Strecke neues Terrain

Bernd Rosemeyer beim Großen preis von Deutschland 1937 im Auto Union Typ C
Bernd Rosemeyer beim Großen Preis von Deutschland 1937 im Auto Union Typ C (Foto: Deutsches Bundesarchiv, Creative Commons)

1931 nutzte Caracciola übrigens im Streckenabschnitt „Karussell“ als Erster den Graben an der Innenseite dieser Spitzkehre als Steilwand, wodurch an dieser Stelle deutlich höhere Geschwindigkeiten möglich waren. Ein Jahr später wurde der Graben betoniert und ist bis heute als „Caracciola-Karussell“ offizieller Teil der Pistenführung.

Von 1939 bis 1949 fand in Folge des Zweiten Weltkriegs kein Großer Preis von Deutschland statt. Beim Neustart des Rennbetriebs ging Deutschland zunächst leer aus. Beim Debüt der Formel 1 fand Deutschland 1950 keine Aufnahme in den Kalender der Formel-1-Weltmeisterschaft. So rannte 1950 die Formel 2 am Nürburgring um den Großen Preis von Deutschland.

1951 ist Deutschland zurück im internationalen Sportkalender

1951, im ersten Formel-1-Rennen am Nürburgring glänzte Ferrari: Vier der ersten fünf platzierten Rennfahrer waren mit einem Auto aus Maranello unterwegs. Nur Juan Manuel Fangio konnte sich als Zweiter mit einem Alfa Romeo zwischen den Ferraris platzieren. Den Sieg feierte Alberto Ascari. Nach zwei weiteren Ferrari-Siegen, die sich Alberto Ascari und Giuseppe Farina in den Folgejahren sicherten, siegte 1954 Juan Manuel Fangio mit einem Mercedes-Benz.

Hermann Lang auf Mercedes Benz W196 Monoposto bei seinem letzten Grand Prix Rennen, dem Großen Preis von Deutschland 1954
Hermann Lang auf Mercedes Benz W196 Monoposto bei seinem letzten Grand Prix Rennen, dem Großen Preis von Deutschland 1954 (Foto: Agridecumantes)

Doch das Rennen sollte nicht nur wegen des damit verbundenen vorzeitigen Titelgewinns des Silberpfeil-Piloten in die Geschichte eingehen. Im Training war der argentinische Maserati-Fahrer Onofre Marimón tödlich verunglückt. Der Große Preis von Deutschland mußte den ersten Todesfall bei einem Formel 1-Weltmeisterschaftslauf beklagen. Im gleichen Rennen bestritt Hermann Lang, dem 1939 der Beginn des Kriegs einen sicheren Europameister-Titel raubte, seinen letzten Grand Prix. Zudem war das Rennen 1954 mit 3 Stunden und 45 Minuten der längste je ausgetragene Formel-1-Weltmeisterschaftslauf – wenn man mal die nicht vergleichbaren Indy-500-Rennen, die damals zur Formel-1-Weltmeisterschaft zählten, ignoriert.

1955 wurde der Große Preis von Deutschland nach der Tragödie von Le Mans, als bei einem Unfall während des 24-Stunden-Rennen von Le Mans über 80 Zuschauer den Tod fanden, abgesagt. 1956 und 1957 siegte erneut Fangio. Damit brachte der fünffache Weltmeister das Kunststück fertig, bei seinen drei Siegen in Deutschland drei unterschiedliche Fabrikate zu bewegen. Nach dem Gewinn im Mercedes (1954) folgten Siege mit Ferrari (1956) und Maserati (1957).

1959 überlebt Hans im Glück die AVUS

Nach dem Rückzug von Mercedes-Benz aus dem Motorsport und dem Rücktritt von Juan Manuel Fangio sanken die Zuschauerzahlen am Nürburgring. Die Verantwortlichen entschieden, 1959 den Großen Preis von Deutschland auf der AVUS auszutragen. Dies erwies sich als schlechte Entscheidung. Bereits im Vorfeld äußerten die Piloten starke Sicherheitsbedenken gegenüber der AVUS. Schließlich bestand diese Hochgeschwindigkeitsstrecke damals nur aus zwei circa vier Kilometer langen Geraden, einer Haarnadelkurve sowie der aus Backsteinen gemauerten Steilkurve. Die Piloten befürchteten, dass die Reifen der Formel-1-Boliden den Geschwindigkeiten dieser High-Speed-Strecke nicht gewachsen sein würden.

Aus Angst vor Reifenschäden wurde der Große Preis von Deutschland prompt erstmals in der Formel-1-Geschichte in zwei Läufen über je 30 Runden ausgetragen. In der Addition beider Läufe belegten mit Tony Brooks, Dan Gurney und Phil Hill schließlich drei Ferrari-Piloten die ersten drei Plätze. Im Rennen kam es zu zahlreichen Unfällen. Besonders spektakulär verabschiedete sich Hans Herrmann aus dem Rennen. Vor der Südkehre versagten an seinem BRM die Bremsen. Herrmann wurde bei einem Überschlag aus seinem Wagen geschleudert. Ein Umstand, der dem Stuttgarter angesichts des glimpflichen Ausgangs den Spitznamen „Hans im Glück“ einbrachte. Nach dem Chaos-Rennen sollte die Formel 1 nicht mehr auf die AVUS zurückkehren.

Zurück am Nürburgring fallen die Zeiten

1960 kehrte der Große Preis von Deutschland an den Nürburgring zurück, wurde dort jedoch zunächst erneut nur als Formel-2-Rennen ausgeschrieben. Ab 1961 zählte das Rennen wieder zur Formel-1-Weltmeisterschaft. Inzwischen hatten die kleinen Monoposti die großen Frontmotorfahrzeuge in den Ruhestand vertrieben. Damit sanken die Rundenzeiten. Trotz des Hubraums, der 1961 von 2,5 Liter auf 1,5 Liter reduziert wurde, war Phil Hill in seiner schnellsten Rennrunde gut 12 Sekunden schneller unterwegs als Stirling Moss drei Jahre vorher.

Großer Preis von Deutschland auf dem Nürburgring: Graham Hill (B.R.M.) vor John Surtees (Lola) und Dan Gurney (Porsche) im Streckenabschnitt Hatzenbach
Großer Preis von Deutschland 1962 auf dem Nürburgring: Graham Hill (B.R.M.) vor John Surtees (Lola) und Dan Gurney (Porsche) im Streckenabschnitt Hatzenbach (Foto: Lothar Spurzem)

Der Trend setzte sich in den nächsten Jahren fort. Nur vier Jahre später war Jim Clark weitere 30 Sekunden schneller. 1969 fiel die Marke von acht Minuten. Jacky Ickx sicherte sich mit 7:42.1 den besten Startplatz. Der Belgier drehte die Zeit auf der Originalstrecke! Statt Leitplanken gab es dort überwiegend Hecken. Nach einer Serie schwerer Unfälle erklären die Grand-Prix-Piloten 1970 die Nordschleife für zu gefährlich und fordern umfangreiche Umbauten. Der Große Preis von Deutschland 1970 wurde erstmals nach Hockenheim verlegt. Jochen Rindt gewann das im badischen Motodrom seinem letzten Grand Prix.

Zur Saison 1971 wurde der Nürburgring umgebaut. Endlich erhielt die Strecke Seitenstreifen, Fangzäune und Leitplanken. 17 Millionen Mark betrug das Investitionsvolumen. Doch die Strecke wurde mit dem Umbau nicht nur sicherer, sie wurde auch noch schneller. Denn zu den Umbaumaßnahmen gehörte das Glätten einiger Kuppen. Bei der Rückkehr fährt die Spitze schon 7:20.1. Niki Lauda kratzt schon 1974 mit einer Zeit von 7:00.8 Minuten an der Sieben-Marke, die ein Jahr später tatsächlich geknackt wird.

1976: Der Unfall von Niki Lauda

Schon vor dem Rennen 1976 stand fest, dass der Auftritt am Nürburgring der Schlussakt für die Nordschleife sein wird. Nach dem Feuerunfall von Niki Lauda wird deutlich warum. Die Streckenführung von fast 23 Kilometern macht eine Bergung schwierig. Die Landschaft an der Nordschleife macht den Bau von Auslaufzonen zum Teil unmöglich. Folglich findet der Große Preis von Deutschland ab 1977 in Hockenheim eine neue Heimat.

Niki Lauda im Ferrari 312 T2 am 31.07.1976 beim Training auf dem Nürburgring
Niki Lauda im Ferrari 312 T2 am 31.07.1976 beim Training auf dem Nürburgring (Foto: Lothar Spurzem)

Es ist Niki Lauda, der am Nürburgring trotz schnellster Rundenzeiten im Formel 1 nie siegen konnte, der sich im Badischen endlich seinen ersten Sieg beim Großen Preis von Deutschland sichert. In Hockenheim tragen sich später auch große Piloten wie  Ayrton Senna (3x), Nigel Mansell und Alain Prost (je 2x) in die Siegerlisten des Großen Preis von Deutschland ein. 1985 kehrt der Große Preis von Deutschland  erstmals in die Eifel zurück. Auf der neuen Grand Prix Strecke des Nürburgrings siegt Michele Alboreto mit einem Ferrari.

1995 triumphiert Michael Schumacher beim Heimspiel

Doch es bleibt zunächst ein einmaliges Gastspiel. In den folgenden Jahren wird der Große Preis von Deutschland wieder auf dem Hockenheimring gefahren. Am Nürburgring spart man sich in diesen Jahren den teuren Grand Prix. Und so fährt Michael Schumacher 1995 in Hockenheim als erster Deutscher nach 56 Jahren beim Heimspiel zum Sieg. Vor Schumacher konnte zuletzt 1939 Rudolf Caracciola das Heimrennen gewinnen.

Schumacher wiederholt diesen Erfolg beim Großen Preis von Deutschland in den Jahren 2002, 2004 und 2006. Dazu gewinnt der Rekordweltmeister auch noch dreimal am Nürburgring. Dort wird in der Schumacher-Ära jedoch um den Großen Preis von Europa gerannt. Erst in diesem Jahr spricht die Formel 1 am Nürburgring wieder von einem Großen Preis von Deutschland.


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Rudolf Caracciola (links) und sein Mechaniker Eugen Salzer feiern, nachdem sie den ersten deutschen Grand Prix im Jahr 1926 gewonnen haben. (Foto: Georg Pahl, Bundesarchiv)

Rudolf Caracciola (links) und sein Mechaniker Eugen Salzer feiern, nachdem sie den ersten deutschen Grand Prix im Jahr 1926 gewonnen haben. (Foto: Georg Pahl, Bundesarchiv)

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