Seat zeigt in einem Video, wie rund 2.000 Roboter und 1.700 Mitarbeiter in der Karosserie-Fertigung des spanischen Autobauers zusammenbauen. Das Video zum Tanz der Roboter liefert teilweise faszinierende Eindrücke. Da mir das Video gefällt, binde ich es hier im Blog ein.

Vor gut 20 Jahren arbeitete ich in den Semesterferien bei einer Unternehmensberatung. Die schickte mich als Teil eines Entwicklerteams in eine Papierfabrik. Dort war die Programmierung eines Industrieroboters zu optimieren. Dieser Roboter sollte Papier anheben und in Kisten nach Aufträgen sortiert stapeln. Leider mißlang dem maschinellen Kollege das ziemlich oft. Wir analysierten die Probleme. Seitdem weiß ich, was schlecht initialisierte Variablen für Fehler verursachen können.  Wir schrieben schließlich das Steuerprogramm neu.

Seitdem verfolge ich immer interessiert, wenn es irgendwo um Roboter geht. Deshalb war ich auch ziemlich begeistert, als ich im vergangenen Herbst in Wolfsburg bei VW die Gelegenheit hatte, durch die die Fertigungshallen zu laufen. Denn davor war ich zuletzt Mitte der Nuller-Jahre in Bochum Gast in einer Autofabrik. Damals baute noch Menschen Autos. Die Werkstücke hingen von der Decke und bewegten sich kontinuierlich vorwärts.

In der Zwischenzeit hat sich in der Autoindustrie viel getan!

Heute dominieren arbeitende Maschinen das Bild. In komplexen Choreografien fügen sie das 3D-Puzzle, das wir Auto nennen, zusammen. Denn die bis zu sechs Meter hohen Maschinen heben ohne Probleme auch 700 Kilogramm schwere Teile und lassen sie dabei teilweise um 720 Grad rotieren. Noch während die Bearbeitung läuft, reichen sie die Teile an andere Maschinen weiter. Die Aufnehmenden stehen nicht immer direkt in der Nachbarschaft. Manchmal stehen sie etwas versetzt an anderer Stelle in der Halle. Dadurch entsteht ein leicht chaotischer Eindruck, obwohl der Tanz natürlich streng geordnet ist.

Leider durfte ich bei meinem Besuch in Wolfsburg keine Fotos schießen. Doch die Volkswagen-Tochter SEAT liefert jetzt passendes Bildmaterial. Denn der spanische Autobauer veröffentlichte heute ein Video, das (einen Teil seiner) 2.000 Roboter des Karosseriebaus in Aktion zeigt. Zusammen mit 1.700 Mitarbeitern bauen diese Roboter im SEAT-Stammwerk in Martorell Karosserien für die Modelle Ibiza, León und Arona zusammen. Alle 68 Sekunden verläßt eine Rohkarosserie den Karosseriebau und wechselt in die Bereiche der Fabrik, die den Innenausbau übernehmen.

Das Video zeigt, wie die mechanischen Kollegen verschiedene Karosserieteile zusammenbauen. Teilweise schweißen die Roboter, wobei am Tag bis 16.000 Schweißpunkte zusammenkommen. An anderen Stellen tragen die Roboter Klebstoffe auf und sorgen so für Zusammenhalt der Teile. Nebenbei überprüfen die maschinellen Kollegen die Fahrwerksgeometrie. Dabei erfassen ihre Sensoren Abweichungen von zwei zehntel Millimetern.

Bei Seat in Martorell sorgen 390 Mitarbeiter übrigens dafür, dass die Roboter ordnungsgemäß arbeiten. Im Video nennt Seat sie die Dirigenten des Orchesters. Auch wenn ich beim Blick in die Steuerzentrale natürlich an „Modern Times“ denken musste, sind auch die Dirigenten ein Beleg dafür, wie sich Fabriken in Zeiten der Industrie 4.0 verändert haben. Denn früher war Fabrikarbeit monoton und geprägt von wiederholenden Abläufen. Diesen Teil der Arbeit übernehmen zunehmend Maschinen, die das klaglos verrichten.

2 Kommentare

  1. Wahnsinn, was mittlerweile alles möglich ist. Bei der Massenproduktion ist darauf ja leider nicht mehr zu verzeichnen. Aber die Zeiten, in der jedes Auto noch persönlich zusammengeschraubt wurde und nochmal einen Wisch mit dem Politurtuch des Schichtleiters bekommen hat, sind längst vorbei. Wobei – wie das im Nobelsegment ist, wäre mal interessiert – z.B. Wiesmann, Bentley und Co.

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