Meinung und Kommentar

Der Ton wird rauer! Auto-Blogs in der Sinnkrise?

In die Szene der Autoblogs wird es turbulent. Vor zwei Wochen hat Don Dahlmann in seinem Blog RACINGCARZ unter der Überschrift „PR: Neue Chancen“ seine kleine Serie zum Thema „Auto-Branche & Social Media“ fortgesetzt. Inzwischen schlägt dem Berliner ein kräftiger Gegenwind entgegen. Dies mag kalkuliert sein, vielleicht offenbart es aber nur auch ungewollt einen interessanten Blick hinter die Kulissen der automobilen Webwelt.

Die Online-Welt hat vieles verändert. Zeitungen und Zeitschriften stehen unter großem Kostendruck, weil immer öfter der Kauf des Gedruckten durch einen kostenlosen Blick in das Internet ersetzt wird. Ein Trend, der bei vielen Tageszeitungen längst zu teilweise existenzbedrohenden Krisen führt und der über kurz oder lang auch die Fachmagazine erreichen wird. Ein Beispiel ist die Berichterstattung über Technikspielzeuge wie Smartphones. In diesem Bereich dominieren längst die Online-Angebote. Genaue Zahlen sind nicht verfügbar, aber die Online-Angebote, ob sie sich nun Blog, Nachrichten-Seite oder Magazin nennen, ziehen längst einen wesentlichen Teil des Interesses auf sich.

Damit steigen die Einnahmemöglichkeiten

Direkte Einnahmequellen bestehen in der Vermarktung von Werbeplätzen oder dem Schreiben von bezahlten Artikeln. Bestückt mit einem vom Auftraggeber vorgegebenen Link, kann die Veröffentlichung eines Artikels schon mal den Zugang von 250€ in der Kasse des Hobbybloggers bewirken. Wobei die ganz Faulen diese Artikel noch nicht einmal selbst schreiben müssen. Denn wer will, der kann seinen Blog – gegen Bezahlung – auch mit dem PR-Gesülze oder dem SEO-Quatsch fremder Autoren bestücken.

Wer die Vermarktung weiter ausbauen möchte, kann sich zudem indirekte Einnahmequellen erschließen. Verheißen doch genügend Marketing-Programme die Zahlung einer Provision, wenn Kunden einen Artikel kaufen, weil sie durch einen Seitenbetreiber auf das Produkt aufmerksam gemacht wurden. Wir haben alle Möglichkeiten des Geldverdienens ausprobiert. Das Fazit ist einfach, von rund 10 Kfz-Versicherungen kann man nicht leben. Und bis das von anderen Werbeeinnahmen möglich ist, vergeht sicherlich noch etwas Zeit – wenn es denn überhaupt jemals klappt.

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Erfolg macht neidisch!

In der Technik-Ecke gibt es einige erfolgreiche Beispiele, wie man mit einem Blog Geld verdienen kann. Und was in der Technik-Szene funktioniert, das muss doch auch in anderen Branchen klappen. Experten raten: Such Dir eine Nische und werde hier zum Marktführer. Wenn ich keinen anderen Job hätte, würde ich es vielleicht mit einem Blog für Fischfreunde oder Briefmarkensammler probieren. Wobei für das Besetzen der Nische gewiss hilfreich wäre, sich dort auszukennen. Damit sind die beiden genannten Themen für mich vorerst und wohl auch in Zukunft gestorben sind.

Viele kennen sich mit Autos aus. Daher entstehen immer mehr Auto-Blogs. Auch ich bin diesem Treck gefolgt. Wenn circa 110.000 Besucher im Jahr ein Erfolg sind, treibe ich mich durchaus mit einigem Erfolg in der virtuellen Auto-Szene rum. Meine Nische sind der historische Motorsport sowie interessante Oldtimer oder Youngtimer. Ein Bereich in dem die Bezahlung mit Ware, wie es bei vielen Technik-Blogs üblich ist, schon mal weg fällt. Denn ein Smartphone oder ein Tablet-PC ist halt eine kleine Investition, wenn es dafür einen positiven Bericht mit entsprechenden Links gibt. Mir wird wohl niemand den eigenen Oldtimer restaurieren nur, weil ich über den edlen Spender schreibe – Angebote willkommen 😉

Qualität erfordert Zeit

Interessiert betrachte ich allerdings, was rund um mich herum im Internet so passiert. Schon seit einiger Zeit beschäftigt mich beispielsweise die Frage, warum andere bloggen. In einer Interview-Reihe versuche ich, dem Einen oder Anderen eine Antwort auf diese Frage  zu entlocken. Doch der Kern meiner Plattform ist und bleibt natürlich ein anderer. Ganz klar ist für mich dabei, dass hier auf AutoNatives.de ausschließlich Artikel veröffentlicht werden, die es so nur hier gibt.

Es gibt hier also keine 1:1-Übernahmen von Pressemeldungen oder Wikipedia-Artikeln. Ein Mittel mit dem andere fast ausschließlich ihre Plattform füllen. Sollen Sie, auf Dauer werden sie damit keinen Erfolg haben. Ich glaube, dass den Lesern Angebote besser gefallen, die eigene Inhalte bieten können. Zumindest deuten die Kommentare, die in diesem Blog geschrieben werden, und die Zitate meiner Artikel in Wikipedia darauf hin. Ich weiß jedoch auch, welcher Aufwand damit verbunden ist, diesen sog. „Unique Content“ zu schaffen.

Natürlich bin ich mit meinen Blogs ein kleines Rad im Universum der Autoblogs. Trotzdem habe ich beobachtet, dass die Unterstützung durch die großen Hersteller besser geworden ist. Als ich 2007 mit diesem Blog gestartet bin, war es manchmal schwierig einen Gesprächspartner in den Häusern zu finden. Als Blogger wurde man einfach nicht richtig akzeptiert. Heute ist das anders. Fast alle Pressestellen helfen recht zuvorkommend, wenn man eine spezielle Information zu einem Thema benötigt. Offensichtlich hat man den Wert eines Blogs in den Pressestellen erkannt.

Über den Wert eines Blogs gibt es Streit

Ich will meine Blogs nicht als PR-Plattform der Autohersteller verstehen. Don Dahlmann war im ersten Teil seiner Reihe noch auf der richtigen Spur. Denn während die Zugriffszahlen von Online-Auftritten sehr detailliert über eine Nutzung Auskunft geben, bleibt bei Zeitschriften vieles im Nebulösen. Die Messmethoden bieten Lücken, die von Zeit zu Zeit auch von Verlagen missbraucht werden.

Ein Widerspruch ist, dass die nicht eindeutig belegbaren Zahlen der Zeitschriften dafür herhalten müssen, recht teure Zeitschriften-Werbung zu verkaufen. Gleichzeitig ist Online-Werbung immer noch vergleichsweise günstig. Schließlich kann man die Preise mit den gemessenen Zahlen zur Reichweite prima kleinreden. Und natürlich machen die Anzeigenpreise der Zeitungen neidisch. Auch ich würde den Werbeplatz auf meiner Seitenleiste gerne für 1.000€ pro Monat fest verkaufen.

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Das ist zu kurz gesprungen!

Denn solche Einnahmen sind für mich bisher nicht realistisch. Zunächst müssen wir Blogger lernen, die Vorteile unseres Produkts anders zu kommunizieren. Don hat dies im zweiten Teil seiner Serie versucht, sich dabei allerdings fast schon plump bei Autoherstellern angebiedert. Detlef Kupfer vom Motorblöckchen, der meine Interview-Anfrage leider nicht einmal beantwortet hat, kritisiert Don Dahlmann dafür kräftig. Ob man einen anderen Blogger dabei gleich als „Hartz-4-Empfänger“ beschimpfen muss, ist sicherlich eine Geschmacksfrage. Aber Herr Kupfer zeigt in meinen Augen an einigen Stellen seines – wie fast immer nett geschriebenen – Beitrags durchaus in die richtige Richtung.

Deutlich sachlicher setzt sich Bjoern Habegger auf mein-auto-blog mit dem Artikel von Don auseinander. Bjoern differenziert etwas anders als Don und zeigt dabei konkret Möglichkeiten auf, wie Blogs für Autohersteller einen Wert generieren können. Das spricht an. Dons Beitrag wirkt dagegen nicht wie eine Einladung an die Autohersteller. Der Beitrag wirkt teilweise eher wie ein Klagelied.

Das ist Schade und hoffentlich ein Einzelfall. Denn ich gehe eigentlich nicht davon aus, dass die Szene der Auto-Blogger (schon) in einer Sinnkrise steckt. Ich glaube, dass die besten Zeiten noch vor uns liegen. Doch dazu muss man sich nicht nur neidisch an den Einnahmen der Wettbewerber ( = Zeitungen) orientieren oder der Industrie anbiedern, sondern sein Produkt (= Blog) inhaltlich weiterentwickeln.

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7 Kommentare

  1. schon richtig, gute blogs sind keine frage der größe! es gibt sowohl bei den hobbybloggern als auch bei den sogenannten profis gute und schlechte schreiber!

  2. Kupfer ist mir zu selbstgefällig. Keine Antwort auf eine Anfrage passt da ins Bild.

    • Hast Du schon gesehen, dass der Selbstgefällige sich öffentlich für die Nichtbeantwortung Deiner Anfrage rechtfertigt? Scheint erregt zu sein der Mann, sonst schreibt der geschmeidiger 🙂

  3. Was redet Ihr Autoblogger eigentlich immer von einer besonderen Vernetzung? Ein paar Links sind doch noch kein Netzwerk.

  4. Tach, 🙂

    Danke für die warmen Worte. Die Position von Don und meine eigene, differenzieren eh
    Eigentlich kaum. Aber, eventuell kam irgendwas von ihm eventuell nicht korrekt rüber? Who knows? Es würde mich freuen, wenn Du in die Diskussion mi einsteigst.

    Grüße,
    Bjoern

  5. Du hast es doch schonmal geschrieben: Am Ende des Tages muss sich auch Online-Journalismus rechnen.

    Journalisten taugen längst nicht mehr zum Vorbild!

    Journalistenethos: In der ersten Reihe drängeln, wenn es etwas für Umme gibt.

    Das sind heute meistens ziemliche verlumpte Schnittchenjäger und potentielle Transferleistungsempfänger.

  6. Der Ansatz: 2/3 der Verbraucher lassen sich durch Erfahrungsberichte beeinflussen, den sowohl Don als auch Bjoern vertreten, sagt doch alles. Die Autoblogger haben jetzt die Diskussion: „Du bist ein PR-Blogger“, die in anderen Bereichen schon 1 Jahr alt ist.

Was meinen Sie dazu?