1989 stellte Honda erstmals einen Supersportwagen vor. Der japanische Autobauer wollte damit beweisen, dass er Spitzentechnologie nur nicht für die Rennstrecke bauen kann. Denn damals dominiert Honda zusammen mit McLaren die Formel 1. Mit der „New Sports eXperience“ brachte Honda jede Menge von diesem Sportsgeist auf die Straße. Zumindest theoretisch, denn praktisch blieb der Honda NSX zumindest in Deutschland immer selten. Trotzdem behielt Honda den Imageträger immerhin 15 Jahre und zwei Modellgenerationen lang im Programm. 1995 endete das Kapitel Supersportwagen bei Honda. Zwei Studien, die als Nachfolger galten, wurden im Zuge der Finanzkrise nicht in Serie gebaut. Doch 2015 feiert Honda an der Seite von McLaren sein Comeback in der Formel 1. Und gleichzeitig kehrt auch der NSX auf die Straße zurück.

In Detroit präsentiert Honda in diesen Tagen den Acura NSX. Wie sein Vorgänger ist auch der neue NSX ein echter Sportwagen. Der Mittelmotor-Bolide verfügt über einen V6-Doppelturbomotor. Schon mit dessen Zylinderwinkel von 75 Grad setzt Honda das erste Ausrufezeichen. Denn das ist ein Detail, das die Sonderrolle des Motors im Programm des Unternehmens unterstreicht. Die meisten Wettbewerber vertrauen bei ihren V-Motoren auf einen Bankwinkel von 90 Grad. Mit diesem Standardwinkel lassen sich in der Produktion Kostenvorteile sichern. Schließlich können so bei V-Motoren mit sechs, acht oder zehn Zylindern kostensenkend Gleichteile zum Einsatz kommen. Honda hat sich anders entschieden. Das beschwert dem Motor im NSX von Anfang an ein Alleinstellungsmerkmal. Mit dem Zylinderwinkel von 75-Grad unterstreicht Honda, dass der neue NSX auf die im Hause Honda bestehenden Konventionen keine Rücksicht nehmen muss. Die Entwickler durften sich für die Lösung entscheiden, die technisch am Besten in ihr Konzept passt.

So entstand ein V6, dessen Ventilsteuerung und Trockensumpfschmierung deutlich mehr nach Rennsport als nach Straße riechen. Und wie in der Formel 1 ist der Motor Teil eines Hybridsystems. Gleich drei Elektromotoren unterstützen den Biturbo-Motor. Ein Elektromotor sitzt als Direktantrieb zwischen dem Verbrennungsmotor und dem 9-Gang-Doppelkupplungsgetriebe des NSX. Die beiden anderen Elektromotoren treiben, wie bei den aktuellen Prototypen in Le Mans üblich ist, die Vorderräder an. Dabei nutzt Honda die Möglichkeit, um mit einer dynamischen Steuerung der Elektromotoren im Fahrbetrieb auf die Räder links und rechts einzuwirken. Bei klassischen Antrieben kommt dabei ein Differenzial zum Einsatz. In der Welt der Elektromotoren übernimmt diese Aufgabe Kollege Computer, der das Drehmoment des Motorenpaars an der Vorderachse passend zur Fahrsituation steuert.

Fotos vom neuen Acura NSX

Bei der Premiere in Detroit betont Honda, dass die Fahrwerksentwicklung des neuen Acura NSX auf zahlreichen anspruchsvollen Strecken in aller Welt stattfand. Unter anderem drehten die Honda-Ingenieure auch zahlreiche Runden auf der Nordschleife des Nürburgrings. Dazu passend wird bereits 2015 ein Motorsportprogramm die Markteinführung des neuen NSX begleiten. Honda plant, mit dem Acura NSX in der GTE-Klasse in Le Mans zu starten.

Was wird der neue Honda NSX kosten?

Diese Frage beantwortet Honda zurzeit noch nicht. Technisch ähnelt der neue NSX in vielen Punkten dem McLaren P1. Den bot McLaren zum Stückpreis von 1,1 Millionen Euro an. Allerdings standen von dem McLaren nur 375 Exemplare zur Verfügung. Honda fehlt sicherlich das Image, um solche Preise aufzurufen. Zudem planen die Japaner für den Acura NSX in deutlich größeren Stückzahlen. In Marysville im US-Bundesstaat Ohio entstand extra für den neuen NSX eine eigene Produktionsstätte. In dieser Manufaktur sollen rund 100 Mitarbeiter den neuen Sportwagen bauen. Für alle Märkte, denn der neue NSX wird auch nach Europa kommen.

Zurzeit laufen in den USA die letzten Vorbereitungen für die Aufnahme der Serienproduktion. Honda geht davon aus, noch in diesem Jahr die ersten Kundenfahrzeuge auszuliefern. Ab dem kommenden Sommer akzeptiert Honda offiziell Bestellungen für den neuen NSX. Dann wollen die Japaner auch den offiziellen Preis bekannt geben. Ich sehe in meiner Glaskugel einen Verkaufspreis von etwas mehr als 200.000 Euro. Spätestens zur IAA im September wird Honda sicherlich mehr verkünden. Besonders spannend finde ich dabei die Frage, in welchen Stückzahlen Honda beim neuen NSX tatsächlich plant. Denn bei aller Begeisterung für die Technik des Sportwagens, auch der neue NSX von Honda ist hauptsächlich ein Imageträger. Es wäre wohl ein großer Erfolg, wenn Honda weltweit vom neuen NSX 1.000 Exemplare pro Jahr bauen und verkaufen könnte.

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