Die Formel 1 boomt, sagt Bernie Ecclestone gern. Doch das ist, wie so oft, eine Frage der Perspektive. Sicherlich, mit immer mehr Rennen, die an immer neuen Orten stattfinden, lebt die Formel 1 ständig in einer Art Rauschzustand. Das vernebelt scheinbar einigen den Verstand. Denn auf der anderen Seite kämpfen große Teile des Felds ums wirtschaftliche Überleben. Neben den Sorgenkindern Caterham und Marussia gibt es Gerüchte über starke Finanzprobleme bei Sauber und Lotus.

Beim Großen Preis der USA am kommenden Wochenende in Austin treten weder Caterham noch Marussia an. Das Feld schrumpft auf 18 Autos. So wenige Autos waren zuletzt 2005 in Monaco genannt. Damals schloss die FIA das Team von BAR-Honda für zwei Rennen von der Formel-1-Weltmeisterschaft aus. Beim Rennen in San Marino fiel das Team mit zu leichten Fahrzeugen auf.

Fakt ist: Caterham und Marussia sind (erstmal) raus

Bei Caterham ist der im Sommer verkündete Verkauf inzwischen geplatzt. Zeitgleich hat der Insolvenzverwalter des Einsatzteams den Betrieb des Teams auf Eis gelegt. Dem Inhaber der Formel-1-Lizenz, dem die Autos gehören und der hochseriös ein von Einsatzteam getrenntes Unternehmen ist, fehlt die Infrastruktur zum Start. Formel-1-Chef Bernie Ecclestone hat daher dem Lizenznehmer eine Ausnahmegenehmigung erteilt, die Rennen in den USA und Brasilien auszulassen.

Von dieser Milde profitiert auch Marussia, wo die genaue Firmenkonstruktion genauso unübersichtlich ist. Hinter dem Team steckt Manor Grand Prix, diese Firma hat in kleineren Klassen eine lange Tradition. Bei den F1-Einsätzen tritt Manor unter dem Namen eines russischen Sportwagenprojekts an. Das Projekt ist allerdings inzwischen Pleite, die Sportwagen Marussia B1 und B2 Geschichte. Das Team ist schon länger auf der Suche nach einem neuen Hauptsponsor.

Denn es ist offensichtlich, dass der Etat auf Kante genäht ist. Nach dem schrecklichen Unfall von Jules Bianchi fehlen dem Team offensichtlich die Mittel, um wieder mit zwei Fahrzeugen anzutreten. In Russland trat das Team nur mit einem Auto an. Fraglich, ob das Team schafft, wenige Wochen vor dem Ende der Saison ein neues einsatzfähiges Fahrzeug auf die Räder zu stellen.

Ein offenes Geheimnis ist, dass bei Marussia die Piloten ihre Einsätze finanzieren. Womit die Probleme weitergehen. Denn bei den Einsatzkosten von Max Chilton gibt es schon seit dem Sommer Querelen. In Spa gelang es Chilton wohl erst in letzter Minute, das notwendige Geld aufzutreiben. Den Einsatz von Jules Bianchi zahlte Ferrari.

Angesicht der Zahlungsprobleme von Chilton drängt sich der Eindruck auf, dass den Betrieb des Teams bisher im Wesentlichen die Zahlungen aus Italien finanzierten. Mit dem Ausfall von Bianchi fehlt dieses Geld. Das klingt hart, aber die Formel 1 ist primär ein großes Geschäft. Rennfahrerromantik hat in der Königsklasse des Motorsports schon länger keinen Platz mehr.

Wie wird das Feld aufgefüllt?

Die Rückkehr von Caterham und Marussia ist in meinen Augen fraglich. Ohne neue Geldgeber werden die Teams nicht zurückkehren. Interesse, diese Rolle zu übernehmen, scheint es in Rumänien und China zu geben. Schwer zu beurteilen, wie seriös und nachhaltig diese Projekte sind. Sicher ist im Moment nur, dass mit dem Team von Gene Haas 2016 ein neues Team an den Start geht. Völlig unrealistisch, dass die Amerikaner bereits im nächsten Jahr dabei sein werden. Mehr als ein Logo haben die Amerikaner bisher nicht gezeigt. Ein Interesse von Audi gilt als reine Spekulation.

Daher ist eine andere Lösung gefragt. Denn Teil des F1-Geschäfts ist, dass die Formel 1 ihren Partnern bei den TV-Anstalten und Veranstaltern 20 Starter garantiert. Wenn Autos fehlen, kann die FIA bestehende Teams verpflichten, ein drittes Auto einzusetzen. Die sportlichen und wirtschaftlichen Bedingungen dazu sind noch völlig offen. Ich glaube allerdings, dass die FIA dazu Anfang Dezember auf der Sitzung des Weltrats klare Regeln aufstellt.

Lösung: Neuauflage der Jim-Clark-Trophy

Als Regelverantwortlicher würde ich mich an den Zulassungsbestimmungen der Young Driver Tests orientieren. Bei diesen Testfahrten dürfen im Wesentlichen nur Piloten teilnehmen, die bisher maximal zwei Formel-1-Rennen bestritten. Es ist ein leichtes, für den Start im dritten Auto nur Piloten zuzulassen, die zu Saisonbeginn maximal zwei Formel-1-Rennen alt sind.

Kandidaten gibt es mehr als genug: Bei Ferrari gehören Raffaele Marciello oder Antonio Fuoco zum Förderkader. Mercedes fördert den DTM-Piloten Pascal Wehrlein. McLaren-Honda hat mit Stoffel Vandoorne schon heute einen geeigneten Ersatzpiloten. Dazu gelten auch Williams-Ersatzfahrer Felipe Nasr, Red-Bull-Junior Carlos Sainz junior und GP2-Meister Jolyon Palmer als reif für die Königsklasse des Motorsports.

Leistungsbeschränkung für Nachwuchsfahrer

Sicherlich sind nicht alle Teams in der Lage, ein drittes Auto auf die Räder zu stellen. Zudem will die FIA weder den Grad der Abhängigkeit gegenüber den Teams steigern noch die Hürden für Neueinsteiger weiter in die Höhe schrauben. Deshalb muss es auch technische Unterschiede geben. Dazu bietet sich eine Leistungsbeschränkung der dritten Fahrzeuge an.

Die aktuellen Formel-1-Regeln bieten dazu eine hervorragende Basis. Weniger Ladedruck für die Rookies oder gar das Verbot zum Öffnen der Flügel und die Nutzung anderer Reifen, alles kein Problem. Genauso wie die Weiternutzung der aktuellen Chassis. Denn warum solle die FIA also nicht die sechs Besten der Konstrukteurswertung 2014 verpflichten, ihren 2014er-Rennwagen noch ein weiteres Jahr als drittes Fahrzeug einzusetzen?

Aktuell wären das Mercedes, Red Bull, Williams, Ferrari, McLaren und Force-India – womit 24 Autos am Start wären. Sofern die anderen Team den Winter überstehen. Das System wäre übrigens auch eine Möglichkeit, um neue Teams an die Formel 1 heranzuführen. Denn warum sollten die „Verpflichteten“ den Einsatz des dritten Autos nicht an einen Dienstleister übertragen. Mit GP2-Teams wie DAMS, Arden, ART, iSport oder Motorpark gibt es zahlreiche geeignete Firmen, die das könnten. Auch Manor Grand Prix könnte auf diesem Weg eine Zukunft haben.

Warum nicht? Oder gibt es bessere Ideen?

Um die dritten Piloten in der Meisterschaft getrennt zu werten, würde eine Neuauflage der Jim-Clark-Trophy das Konzept abrunden. Mit dieser Wertung fuhren 1987 die Piloten mit Saugmotoren eine eigene Meisterschaft innerhalb der Formel 1 aus. Den Titel gewann Jonathan Palmer, der Vater des aktuellen GP2-Meisters. Je mehr ich über diese Idee nachdenke, sie gefällt mir. Besser als ein Feld mit 18 Autos. Oder wie sehr ihr das? Habt ihr bessere Ideen für ein Auffüllen des Felds?

6 Kommentare

  1. Coole Idee eigentlich, obwohl die JCT 1987 nicht gerade der Hammer war. Mit den jungen Wilden könnte das aber in der Tat funktionieren.

  2. Das wäre wirklich mal ein frischer Ansatz, um junge frische Gesichter in die Formel 1 zu heben. Glaube aber nicht, dass die das so machen.

  3. Ich sehe darin eher ein zusätzliches Risiko für alle Fahrer. Fahrzeuge unterschiedlicher Leistungsklassen auf einem Kurs bedeuten ein erhöhtes Maß an Wachsamkeit und Aufmerksamkeit für die Fahrer. Das würde ungemein da Unfallrisiko erhöhen und schon deshalb vermute ich, dass die FIA einer solchen Regelung niemals zustimmen würde. Außerdem würde es das Rennen für die Zuschauer an der Strecke unübersichtlich machen, da schon nach kurzer Zeit das Fahrerfeld vollkommen zerfleddert wäre.
    Vielleicht kann Audi ja kurzfristig einspringen mit 2 computergesteuerten Fahrzeugen. 😀
    Das würde dann wenigstens zur fehlenden „Rennfahrer-Romantik“ passen…

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