Historischer Motorsport

Die Hetzjagd: das 3-Stunden-Rennen im FHR Langstreckencup bei den RSG RACING DAYS in Assen

Motorsport lebt vom Wettbewerb. Doch nicht immer wird dabei der Kampf Rad an Rad ausgetragen. Gerade bei Langstrecken-Rennen wählen die Teams zum Teil unterschiedliche Strategien, um über die Distanz zu kommen. Dass dies für Spannung sorgen kann, bewies am vergangenen Wochenende das 3-Stunden-Rennen der FHR im Rahmen der RSG Racing Days auf den TT Circuit Assen.

Denn während Felix Hass mit seinem Lotus 23B im Alleingang unterwegs war, teilten sich im Ford GT 40 Fahrzeugbesitzer Georg Nolte und Rennprofi Frank Stippler die Arbeit. Nach dem Training sah es nach einer klaren Angelegenheit aus. Frank Stippler hatte mit dem Ford GT 40 eine Zeit von 1:51,580 in den Asphalt der 4,555 Kilometer langen Strecke geknallt. Kontrahent Felix Haas drehte im Lotus 23B mit einer Zeit von 2:00,700 die zweitschnellste Zeit. Damit durfte die Ford-Mannschaft klar vom besten Startplatz ins 3-Stunden-Rennen der FHR in Assen gehen.

Seine Spannung bezog das Rennen daraus, das Georg Nolte mit seinem Ford GT 40 in der Anfangsphase nicht das Tempo von Felix Hass im Lotus 23B anschlagen konnte. Haas konnte sich daher vom Start weg vom Rest des Felds absetzten. Mit Rundenzeiten von 2:02 Minuten setzte sich der Schweizer pro Runde kontinuierlich um rund 5 bis 6 Sekunden von den Verfolgern ab.

Der Lotus 23, diesem Modell wurde 1962 die Teilnahme am 24-Stunden-Rennen von Le Mans verweigert, lief in dieser Phase des Rennens wie ein Uhrwerk. Trotzdem war man sich an der Strecke nicht sicher, ob Haas, der in dieser Saison bereits in Hockenheim, in Spa und in Zolder zum Sieg fahren konnte, auch in Assen die Oberhand würde behalten können. Denn Georg Nolte verlor in seinem Ford GT 40 auf der schnellen Strecke von Assen nicht so viel Zeit, wie es einige Beobachter im Vorfeld erwartet hatten.

Jetzt wurden die Taschenrechner gezückt

Unter der Annahme, dass Frank Stippler auch im Rennen pro Runde rund 7,5 Sekunden schneller als Haas fahren würde, sollte der Profi in der zweiten Rennhälfte den Abstand zum Schweizer eigentlich schließen können, ergaben die Hochrechnungen. Doch bevor Stippler nach rund 70 Minuten tatsächlich das Lenkrad des Ford GT 40 übernehmen konnte, hatte sich der Renngott die nächste Tücke ausgedacht. Der Ford GT stand mehr als vier Minuten an der Box, da die Boxenmannschaft das Serviceprogramm erweitern musste.

Es wurde nicht nur wie erwartet Benzin nachgefüllt, sondern man reduzierte zunächst den Luftdruck der Reifen und füllte dann mit etwas Kühlflüssigkeit auch weitere Betriebsstoffe nach. Als man Stippler schließlich auf Platz 11 wieder auf die Reise schickte, hatte Felix Haas schon einen Vorsprung von mehr als drei Runden herausgefahren. Man war sich nicht sicher, ob Stippler dies würde noch aufholen können. Davon unbeeindruckt startete der Profi eine sehenswerte Aufholjagd, bei der Stippler mit 1:52,342 auch die schnellste Rennrunde drehte.

Schnell gewann der Ford GT 40 Platz um Platz

Trotzdem schrumpfte der Vorsprung von Felix Haas zunächst nicht wie erwartet. Denn der Schweizer nahm den Kampf an. Mit 1:57,481 Minuten war der Haas jetzt rund drei Sekunden schneller unterwegs als im Training! Die Aktualisierungen der Hochrechnungen ergaben, dass Haas mit diesem Tempo seinen Vorsprung wohl bis in Ziel würde verteidigen können.

Doch offensichtlich war das Tempo für den Lotus zu hoch. Nach 51 gefahrenen Runden kam Haas das erste Mal an die Box, konnte die Fahrt jedoch nach einem kurzen Check zunächst weiter fortsetzen. Doch allen Beobachtern war klar, dass der grüne Lotus ein Problem hatte. Denn die Rundenzeiten stiegen auf deutlich über 2 Minuten an. Und nach nur sieben weiteren Runden steuerte Haas erneut die Boxen an.

Als man die Motorhaube öffnete, umhüllte eine große Dampfwolke den Lotus. Das Kühlwasser hatte den Aggregatzustand gewechselt. Der Lotus wurde in das Dunkel der Boxen zurückgezogen, während draußen auf der Strecke fast gleichzeitig Frank Stippler im Ford GT 40 die Spitze übernahm.

Die Hetzjagd des Profis hatte Erfolg gezeigt!

Mit einer sehr kontrollierten Fahrt brachte Stippler den Ford GT 40 anschließend über die Distanz und fuhr nur exakt so schnell, wie es gerade sein musste. Der Brennpunkt der Spannung verlagerte sich gleichzeitig auf das Duell um den zweiten Platz. Lange sah Frank Strohte im Porsche 911 hier wie der sicherte Zweite aus. Doch kurz vor dem Ende schloss die Mannschaft von Peter Scheufen und Jörn Schmidt-Staade in einem weiteren Porsche 911 zu Strohte auf, um den Solofahrer schließlich sogar zu überholen.

Für ein erneutes Glanzlicht sorgten, wie vor einigen Wochen in Zolder, Klaus Backes und Roland Müller. In Assen trieben sie ihren orangen NSU TTS diesmal sogar auf den achten Platz vor. Bemerkenswert auch, dass Felix Haas das Rennen schließlich doch noch auf der Strecke beendete. Denn nach einer guten Stunde Reparaturzeit nahm Haas  das Rennen wenige Minuten vor dem Ende nochmals auf, um mit dem Lotus 23 schließlich als 20. gewertet zu werden.

1 Kommentar

  1. Dick Forest Reply

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